Rechtsradikaler Terror ist noch immer Alltag

Bürgermeister Erik Homann bei seiner Rede zum Gedenken an die Reichspogromnacht.

Seesen gedenkt den Opfern und den Taten in der Reichspogromnacht am 9. November 1938

Es hat seinen Grund, dass sich Vertreter der Stadt mit Bürgern jedes Jahr am 9. November vor dem jüdischen Denkmal auf dem Jacobsonplatz versammeln und den schrecklichen Taten in der Reichspogromnacht zu gedenken. Dass dieser Tag auch 74 Jahre nach den brutalen und menschenverachtenden Anschlag auf die Juden in Deutschland in Demut gewürdigt werden muss, machte vor allem die Rede von Stefan Bungert deutlich. In seiner Funktion als Vorsitzender der Jacobson-Stiftung zu Seesen, verlas er zunächst einige aktuelle Zeitungsmeldungen wie „Rabbiner brutal angegriffen, Tochter mit dem Tode bedroht“, „Gebetbuch in der Hand, Waffe in der Tasche“, oder „Innenminister verbietet rechtsradikale Gruppierung“. Es sind Meldungen wie diese, die zeigen, dass rechtsradikaler Terror und blinder Fremdenhass auch heute noch durch die Köpfe blinder Fanatiker in unserer Republik schwirrt. Das Gedenken an die Reichspogromnacht gewinnt vor allem mit Blick auf die Mordserie der Zwickerterrorzelle NSU neues Gewicht. Dies betonte auch Stefan Bungert, der weiter ausführte, dass jährlich 1.200 bis 1.800 Straftaten mit rechtsextremistischen Hintergrund verübt werden.
Bürgermeister Erik Homann erinnerte in seiner Ansprache an die Greultaten der Nationalsozialisten und machte deutlich, dass das Gedenken an dieses Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte stets hohe Priorität haben muss.
Die Reichpogromnacht, die von der Propaganda der Nazis als spontaner Volkszorn bezeichnet wurde, bildete den Auftakt für die systematische Vernichtung von vielen Millionen Juden in ganz Europa. Der millionenfache Mord, die Zerstörung jüdischer Geschäfte, Kultureinrichtungen und Wohnhäuser hat bleibenden Schaden hinterlassen. Historische Gebäude und der intellektuelle Einfluss der Juden auf das gesellschaftliche Leben sind unwiederbringlich verloren gegangen.
Propst Gleicher richtete sich ebenfalls mit einem kurzen Beitrag an die Seesener Bürger.
Mit der Niederlegung von Kränzen vor dem Jüdischen Denkmal wurde der Trauer um dieses düstere Ereignis weiterer Ausdruck verliehen.