Regionalmanagement geht in neue Runde

Regionalmanager Wolfgang Kleine-Limberg vom Büro „mensch und region“ bei der Auftaktveranstaltung im März 2012. (Foto: Archivfoto: Strache)

Für den Westharz geht es um Fördermittel in Höhe von 2,4 Millionen Euro / Infoveranstaltung am 23. September in Seesen

Etwas mehr als zwei Jahre sind inzwischen ins Land gegangen seitdem das Regionalmanagement Westharz (ReM) im März 2012 offiziell seine Arbeit aufgenommen hat. Nun soll die Arbeit, die bisher auf dem Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept (ILEK) fußte, in die nächste Runde gehen. Die Städte Braunlage, Langelsheim und Seesen sowie die Samtgemeinde Oberharz bewerben sich aus diesem Grund gemeinsam um Fördermittel in Höhe von 2,4 Millionen Euro beim Land Niedersachsen für die kommende Förderperiode von 2014 bis 2020. Unterstützt werden sie dabei vom Landkreis Goslar.
Den Grundstein für die zukunftsgerichtete Entwicklung der Region, aus der im Jahr 2012 das Regionalmanagement hervorging, wurde bereits in den Jahren 2009 und 2010 mit dem ILEK gelegt. 140 Projektideen wurden seinerzeit erarbeitet, 40 davon bildeten in der Folge das Fundament des Regionalmanagements. Schwerpunktmäßig kreisen die Projekte, die zusammen das bisherige Regionale Entwicklungskonzept (REK) bildeten, um die Themen „Dorfentwicklung und Versorgung“, „Land- und Forstwirtschaft“, „Klima und erneuerbare Energien“, „Tourismus und Naherholung“ sowie „Soziales und Gesundheit“.
Lediglich eine Handvoll der avisierten Projekte konnte bisher jedoch realisiert werden. Als Erfolg können die Regionalmanager unter anderem die Sanierung des Gutsparks im Langelsheimer Stadtteil Astfeld, die Sanierung und Belebung des Kunsthandwerkerhofes in Zellerfeld sowie die Touristische Vermarktung des bereits bestehenden Rad- und Wanderweges auf der Südharzreisenbahntrasse zwischen Walkenried und Braunlage deklarieren. Andere Projekte befinden sich noch in der Umsetzung beziehungsweise können als gescheitert gelten.
So war das Regionalmanagement beispielsweise auch an der Beantragung von Fördergeldern für die Errichtung des Steinway-Pfades zwischen Wolfshagen und Seesen beteiligt. Unter anderem sollten Mittel von der Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz eingeworben werden. Die Stiftung beschied den Antrag jedoch abschlägig (der „Beobachter“ berichtete). Diplom Ingenieur Wolfgang Kleine-Limberg vom Büro „mensch und region“, das zusammen mit dem „Planungsbüro Aland“ die Arbeitsgemeinschaft Regionalmanagement Westharz bildet, erklärt: „Das mit dem Steinway-Trail ist blöd gelaufen. Wir haben an der Umsetzung des Konzeptes mitgearbeitet, haben von der Förderabsage aus Braunschweig aber erst später erfahren.“ Das Projekt wird nun trotzdem umgesetzt, wenn auch mit deutlich geringerem Budget.
Und auch bei der Sternwarte in St. Andreasberg ist nicht alles so verlaufen, wie es sich die Regionalmanager vorgestellt hatten. „Für das Projekt der St. Andreasberger Sternwarte hatten wir bei der NBank (Förderbank für ganz Niedersachsen, Anm. d. Red.) einen Antrag auf Förderung gestellt. Leider hat sich herausgestellt, dass der Bank dieses Projekt zu klein ist. Die NBank fördert in der Regel nur so genannte Leuchtturmprojekte, also Projekte die große Strahlkraft über die Region hinaus entfalten“, erläuterte Kleine-Limberg im Gespräch mit dieser Zeitung.
Dennoch wollen die Regionalmanager das bisher erreichte nicht klein geredet wissen. „Der Erfolg eines regionalen Entwicklungskonzeptes hängt auch immer von den Akteuren vor Ort ab. Wir als Regionalmanager sind grundsätzlich für die Unterstützung der Kommunen bei der Beantragung von Fördergeldern zuständig. Die Umsetzung vor Ort liegt dann aber in der Hauptsache in den Händen der Kommunen oder Interessengemeinschaften. Da besteht aber mit Sicherheit noch Potenzial“, so der Regionalmanager.
Das ReM Westharz ist in den vergangenen beiden Jahren aber nicht nur bei der Beantragung von Fördergeldern, sondern auch beratend tätig gewesen. So wurde unter anderem der Interessengemeinschaft „Dorfladen Bornhausen“ unter die Arme gegriffen. „In diesem Bereich haben wir in den vergangenen Jahren bei anderen Projekten einiges an Erfahrung sammeln können. Der Bornhäuser Interessengemeinschaft haben wir deshalb einen Erfahrungsaustausch ermöglicht“, berichtet Kleine-Limberg.
In der nun anstehenden Förderperiode will sich das Regionalmanagement um eine Aufnahme in das so genannte Leader-Programm des Landes Niedersachsen bemühen. Der Leader-Ansatz zielt ähnlich wie die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) darauf, eine eigenständige Regionalentwicklung auf der Basis freiwilliger Kooperationen in den ländlichen Gebieten zu unterstützen. Die Regionen sollen ihre lokalen und regionalen Handlungskompetenzen stärken, endogene Potenziale erschließen sowie die regionale Identität stärken.
Wesentliches Element von Leader ist es, mit privaten und öffentlichen Akteuren in einer sogenannten Lokalen Aktionsgruppe (LAG) ein Regionales Entwicklungskonzept (REK) zu erarbeiten und umzusetzen. In Niedersachsen wurden in der Förderperiode 2007 bis 2013 32 Regionen als Leader-Region ausgewählt. In der kommenden Förderperiode (2014 bis 2020) sollen 40 Regionen diese Chance bekommen. Dabei erhält jede Leader-Region für die Umsetzung des Entwicklungskonzepts ein Kontingent in Höhe von etwa zwei Millionen Euro. Über die daraus zu finanzierenden Projekte entscheidet die Lokale Aktionsgruppe.
„Bisher war das Regionalmanagement Westharz eine so genannten ILE-Region. In der neuen Förderperiode wollen wir versuchen eine Leader-Region zu werden“, erklärt Kleine-Limberg. Sollte dies nicht klappen, bedeutet das aber nicht das Ende für das ReM; dann würde das Regionalmanagement als ILE-Region weitermachen.
Die bisherigen Schwerpunkte des Regionalen Entwicklungskonzeptes sind mit Beginn der neuen Förderperiode aber keineswegs abgehakt. Bei der Erstellung eines neuen REK sollen die bisherigen Themenfelder und Projekte weiter Berücksichtigung finden beziehungsweise überführt werden. Der Schwerpunkt des Entwicklungskonzeptes muss für die Aufnahme in das Leader- Programm auf den Themen Klima- und Umwelt, Regenerative Energien, Daseinsvorsorge, Demografie und Innenentwicklung liegen.
Im September soll zu diesen Themen eine Reihe dezentraler Veranstaltungen in den vier Kommunen und weitere regionale Treffen veranstaltet werden. Hier werden die kommunalen und regionalen Handlungsschwerpunkte erarbeitet. Bis November werden die schon vorhandenen und neuen Ansätze zu einer regionalen Entwicklungsstrategie zusammengesetzt. In Seesen ist diese Veranstaltung für Dienstag, 23. September, geplant. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Bürgersaal.