Renitenter Zigarettendieb

73-jähriger Seesener wegen Diebstahls und versuchter Körperverletzung zu Bewährungsstrafe verurteilt

Ein trickreicher Zigarettendieb musste sich am Mittwoch wegen Diebstahls geringwertiger Sachen in Tateinheit mit versuchter Körperverletzung vor dem Amts­gericht Seesen verantworten.
Der 73-jährige ehemalige Baggerfahrer hatte eine ausgeklügelte Methode entwickelt, wie er im Seesener Marktkauf an die Zigaretten gelangte. So betrat er den Laden von der Jacobsonstraße aus kommend und ging zunächst zum dortigen Kassenbereich, um sich eine Schachtel Zigaretten zu nehmen. Dann ging er durch den Markt und ließ die Zigaretten in einem unbeobachteten Moment in seinen Taschen verschwinden. Im hinteren Marktbereich nahe der Parkgarage nahm er erneut eine Schachtel Zigaretten und bezahlte diese dann pflichtbewusst wiederum am Eingang, an dem er den Markt betreten hatte.

So blieb die Masche offenbar lange Zeit im Verborgenen. Der Kaufhausdetektiv kam ihm dennoch auf die Schliche und konnte genau diese Vorgehensweise am 20. Dezember des vergangenen Jahres beobachten. Als er den 73-jährigen Seesener nach dem Passieren des Kassenbereichs auf den Diebstahl ansprach, wurde der Rentner renitent. Er versuchte den Detektiv zu bespucken und in den Arm zu beißen.
Auch vor Gericht zeigte sich der Zigarettendieb uneinsichtig. Natürlich bestritt er die Tat und behauptete, die Mitarbeiter des Einkaufsmarkt würden ihn wie ein „Schwein“ behandeln. In anderen Märkten werde er viel besser behandelt. Der Diebstahl sei eine üble Unterstellung. Er bezichtigte den Kaufhausdetektiv und einen weiteren Mitarbeiter des Marktkaufes der Lüge.
Richter Frank Rüger attestierte dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit – und verurteilte ihn schließlich zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Der 73-Jährige war in früheren Fällen bereits wegen Betrugs und kleinerer Diebstähle in den Fokus der Justiz gerückt. Vor Gericht monierte der Mann immer wieder seine zu kleine Rente in Höhe von 1000 Euro, die er trotz seiner 47-jährigen Tätigkeit im Straßenbau beziehe. Ob diese ihn veranlasst hatte, sich zum Preis von einer gleich zwei Schachteln Zigaretten anzueignen, blieb unklar.
Richter Rüger kündigte an, die Akte des Angeklagten der Betreuungsabteilung des Gerichts zukommen zu lassen, um zu prüfen, ob der 73-Jährige amtliche Hilfe benötige. Bei ihm sei eine schleichende Demenz erkennbar, die zwar die Steuerungsfähigkeit beeinflussen könnte, aber nichts an der Schuldfähigkeit des renitenten Rentners ändere.