Riesige Spannungsbögen eines Cellisten

Das Konzert begeisterte am Mittwochabend das Publikum in der St.-Andreas-Kirche. (Foto: Heinzel)

Ein Violoncellokonzert von Wilhelm Fitzenhagen

Der Name Wilhelm Fitzenhagen steht im alten Riemann Lexikon (1959). Sein Cellokonzert in a-moll wurde von A n t o n P a v l o v s k y interpretiert. Ungeheuer schwierig in musikalischer und technischer Hinsicht. Dieser Solist faszinierte sein Publikum. Bescheidenes Auftreten, nur auf das Werk konzentriert und eine sagenhafte Technik besitzend. Das alles ist staunenswert!
Leider gelang es dem Dirigenten Alexander Joel nicht, die intensiven und manchmal drohenden Impulse, die von Pavlovsky ausgingen, auf das Orchester zu übertragen. Was an Trillerketten, Läufen, Doppelgriffen und Sprüngen zu erleben war, riss einen mit. So hat früher einmal Rostropovitch gespielt und keiner sonst! Für die Cellisten ist diese beinahe Neuentdeckung ein großer Gewinn. Mozart und Beethoven, Schubert und Mendelssohn haben keine Cellokonzerte geschrieben. Brahms schließlich „nur“ sein Doppelkonzert. So passt es also recht gut, dass sich zu Dovrak und Saint Saëns noch Fitzenhagen gesellt. Der Solist wurde gefeiert und spielte als zweites Werk Tschaikowskys Rokoko-Variationen für Violoncello und Orchester. Auch hier meisterhaftes Cellospiel, wundervolle Kantilene, herrliche Bogentechnik und eine Geläufigkeit in den Passagen, die wohl kaum zu überbieten ist. Eigentlich hätte der Solist auch mal allein die Ovationen genießen können – er wurde immer, bei jedem Auftritt von Joel begleitet.
Ich hatte als Zugabe auf einen Bach Satz für Violoncello gehofft. Alexander Joel ist der Chefdirigent des Orchesters. Seine Art zu dirigieren liegt nicht jedem; die vielen Wanderungen am Podium wirken unruhig. Die Scheherazade von Nikolai Rimsky-Korsakow – eine symphonische Dichtung – ist ein ungemein farbensattes Orchestergemälde.
Besondere Harmonieverbindung und das romantisch-orientalische Kolorit können begeistern. Die Braunschweiger spielten sehr überzeugend. Die Soloeinlagen, allen voran Johannes Denhoff (Solovioline), aber auch Holz- und Blechbläser machten ihre Sache vortrefflich. Es gab viel Applaus und Blumen. Gerhard Melchert