Römerschlacht am Harzhorn

 

Seesener Hobby-Historiker bezweifelt die Größe des Römischen Heeres

Seit der Entdeckung des antiken Schlachtfeldes am Harzhorn im Jahr 2008 ranken sich neben fundierten Erkenntnissen der Archäologen, auch wilde Spekulationen um das Schlachtgeschehen und vor allem um die Stärke der römischen Truppen.

Von Maximilian Strache

Ulrich Liebich, ein Seesener Hobby-Historiker, hat Boulevard Seesen auf einen Artikel in der Goslarschen Zeitung vom 21. Dezember 2010 aufmerksam gemacht, in dem Professor Dr. Günther Moosbauer, Archäologe an der Universität Osnabrück, über die römische Truppenstärke am Harzhorn berichtet. Der Experte sagt, dass bis zu 20.000 Legionäre des römischen Heeres in die Schlacht verwickelt waren.
In einem Briefwechsel mit dem Osnabrücker Professor, der Boulevard Seesen vorliegt, zweifelt der Vorharzer Hobby-Historiker die Anzahl der Legionäre an.
Nach den Erkenntnissen Mossbauers sind die Römer um das Jahr 235 nach Christus auf dem Rückweg von einem Vergeltungs-Feldzug gegen Elbgermanen im Bereich der heutigen Altmark in Sachsen-Anhalt am Harzhorn in einen Hinterhalt der Germanen geraten. Moosbauer sagt, dass die Römer derartige Strafexpeditionen in der Regel mit großen Armeen durchgeführt haben. Historisch sei belegt das solche Heere 15.000 bis 20.000 Männer umfassten.
Liebich glaubt, dass diese Annahme zu hoch gesteckt ist. Er schreibt: „Die Anzahl verblüfft mich etwas, wenn ich die Truppenstärke des römischen Heeres bei der Schlacht von Cannae anno 216 mit etwa 60.000 Mann vergleiche. In dieser Schlacht ging es gegen Hannibal und um den Fortbestand des Reiches.“ Weiter verweist Liebich auf die Schlacht von Adrianopel um 378 nach Christus. In dieser Schlacht boten die Oströmer 30.000 Mann auf. Ferner soll es nach Informationen Liebichs zudem Forscher geben, die davon ausgehen, dass das Heer bei dieser Schlacht nur halb so groß war.
Professor Moosbauer erklärt in seinem Antwortschreiben an den Seesener Hobby-Historiker, dass es nach den Erkenntnissen der Forscher mindestens fünf Legionen gewesen sind, die an der Schlacht am Harzhorn teilgenommen haben. Eine normale Legionsstärke betrug zu dieser Zeit rund 6000 Mann. Bei fünf Legionen ergibt sich somit eine Zahl von 30.000 Legionären. Moosbauer gibt jedoch zu bedenken, dass solche Verbände äußerst selten komplett eingesetzt worden sind, sondern dass man Vexillationen (kann als Abordnung verstanden werden) aus den Legionen für Feldzüge herausgelöst hat. Aus der Frühzeit sei zudem bekannt, so Moosbauer, dass oft nur 3000 Mann einer ganzen Legion mit auf Feldzug waren. Mehr hätten die Marschlager häufig nicht gefasst. Diesen Erkenntnissen zugrunde liegend kann davon ausgegangen werden, dass nicht wenige 1000 Mann auf dem Kriegszug waren, sondern ein wesentlich größerer Verband. Moosbauer gibt jedoch zu, dass die Bestimmung einer genauen Zahl sehr schwierig ist.
Liebich äußerte in seinem Schreiben und im Gespräch mit Boulevard Seesen, dass es trotz dieser Erkenntnisse schwierig gewesen sein dürfte, derart große Truppen durch das unwegbare Gebiet am Harzhorn zu führen. Weder gut beschiffbare Flüsse noch ausgebaute Straßen sind vorhanden.
Wer am Ende recht hat, muss womöglich durch weitere Untersuchungen belegt werden. Doch trotz dieser Irritationen um die tatsächliche Truppenstärke, ist schon allein der Fund unbestritten ein historisches Ereignis.