Römerschlacht am Harzhorn größer als vermutet
Die Germanen wollten die Römer in einen Hinterhalt locken. Das Vorhaben scheiterte, die Germanen starben auf dem Schlachtfeld – getötet von ihren Feinden. Die Schlacht, die um 235 nach Christus amHarzhorn tobte, entschieden die Legionäre für sich. Das zumindest glauben Wissenschaftler nun mit Sicherheit sagen zu können. Die neuesten Erkenntnisse um die Geschehnisse am Harzhorn haben jetzt einmal mehr für ein sehr großes Medieninteresse gesorgt. Etwa 80 Personen, darunter Vertreter von Presse, Funk und Fernsehen, waren der Einladung zur Pressekonferenz nach Harriehausen gefolgt.
Auch die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur; Prof. Dr. Johanna Wanka, war eigens aus Hannover angereist. In ihrer Ansprache wies sie auf die landesweit einmalige Bedeutung des archäologischen Fundplatzes hin und sicherte zugleich die Unterstützung des Ministeriums für die nächsten Jahre zu. „Das Forscherteam“, so die Ministerin, „widmet sich mit großem Tatendrang und viel Fingerspitzengefühl dem antiken Fundplatz“.
Northeims Landrat Michael Wickmann stellte die Bedeutung für die Region heraus. „Das öffentliche Interesse an den Geschehnissen um das Harzhorn reißt nicht ab und ich bin froh und dankbar, dass wir mit den Harzhorn-Guides einen ersten wichtigen Schritt in die touristische Vermarktung des Projektes machen konnten“, so Wickmann.
Seit der Entdeckung im Jahre 2008 sind zahlreiche Wissenschaftler an der Aufklärung der Rätsel um das Harzhorn beteiligt. Im Rahmen der systematischen Suche mit Metalldetektoren konnten seit dem etwa 1.800 Funde geborgen und kartiert werden.
Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne, ihre Kollegen aus Braunschweig und Hannover, Dr. Michael Geschwinde und Dr. Henning Haßmann, stellten die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse vor.
Demnach lässt sich das Kampfgeschehen auf dem Höhenrücken jetzt anhand von Münzfunden, aber beispielsweise auch der Analyse von Holzresten in Speer- und Geschossspitzen ziemlich genau in die Zeit um 230 bis 240 n. Chr. einordnen. Klar scheint auch zu sein, dass die Römer gesiegt haben, wobei diese zahlenmäßig und waffentechnisch ihrem Gegner weitaus überlegen gewesen sein dürften. Immerhin gehen die Wissenschaftler mittlerweile davon aus, dass auf römischer Seite bis zu 10.000 Soldaten an dem Geschehen beteiligt waren.
Erste Knochenfunde gehören nach den Ausführungen von Prof. Dr. Meyer, von der Freien Universität Berlin, eindeutig zu einem Pferdeskelett, dessen Alter genau in die Zeit des Schlachtgeschehens fällt. Als archäologisches Highlight bezeichnete Prof. Meyer den jüngsten Fund eines Pferdezahns. Hiervon erhoffen sich die Wissenschaftler nun Erkenntnisse darüber, wo das Pferd aufgewachsen ist. „Wir können so erfahren, ob das Tier beispielsweise in Marocco, im heutigen Italien oder gar im Harz aufgewachsen ist“, so Prof. Meyer zu dem Pferdezahn. Prof. Moosbauer, von der Universität Osnabrück, erläuterte anhand der zahlreich aufgefundenen Speer- und Lanzenspitzen, dass sich hieraus sogar auf die Zusammensetzung des römischen Heeres schließen lässt. Denn bestimmte Waffen seien beispielsweise nur von mauretanischen Speerschleuderern oder Bogenschützen aus afrikanischen Provinzen benutzt worden.
Die aktuellen Grabungen unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Meyer, laufen noch bis Anfang September. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Wissenschaftler auch von einem Verfahren, mit welchem das Gebiet aus der Luft per Hubschrauber gescannt wird. Hierdurch wird die vorhandene Vegetation ausgeblendet und alte Boden und Geländestrukturen werden sichtbar. Möglicherweise soll noch in diesem Jahr ein derartiges Scanning erfolgen.

