Sauna-Spaß, Kräuterkunde und „Wasserspiele“

So wie diese Kinder, sollen auch die im Kindergarten „Am Kurpark“ künftig ungetrübten Bio-Sauna-Spaß genießen können.
 
Schneetreten: Im Haus am Kurpark zählt diese „Kneipp-Therapie“ schon seit geraumer Zeit zum winterlichen Kindergarten-Alltag.

Lebenshilfe: „Haus am Kurpark“ strebt die Zertifizierung als Kneipp-Kindergarten an

Rund drei Jahre dürfte es her sein, dass der Kneipp-Bund die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zahlreicher Kindertagesstätten zu einer Tagung der besonderen Art eingeladen hatte. Mit dabei auch Heidrun Wenzel, Leiterin des Kindergartens der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen im „Haus am Kurpark“, und ihr Team.

Seesen (poe). „Im Fokus dieser Zusammenkunft“, so erinnert sich Heidrun Wenzel, „stand das Pädagogik-Modell des so genannten „Kneipp-Kindergartens“; ein Konzept, bei dem das Gesundheitsbewusstsein oberste Priorität genießt. Sebastian Kneipp erkannte bereits vor über 100 Jahren, dass die Akzeptanz der Beziehung zwischen Körper, Seele und Geist das Fundament einer gesunden Entwicklung bildet.
„Auch die Kinder müssen möglichst früh die Grundlagen zu einer gesunden und naturgemäßen Lebensweise erwerben und gesundheitsbewusstes Verhalten üben“, hatte der bayerische Priester, von Papst Leo XIII. gar zum Päpstlichen Geheimkämmerer ernannt, denn auch vehement gefordert. Nur so würden sie nämlich auf Dauer verantwortlich mit ihren individuellen Gesundheitsressourcen umzugehen lernen.

„Kneipp-Philosophie“ prägt den Alltag

Im Kindergarten der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen nun prägt die Kneipp'sche Philosophie seit vielen Jahren schon den Alltag. „Wir haben immer darauf geachtet, dass sich die Jungen und Mädchen – ob draußen oder drinnen – so viel wie irgend möglich bewegen, und wir haben stets ein besonderes Augenmerk auf eine gesunde Ernährung gelegt“, stellte Heidrun Wenzel nicht nur rückblickend fest. Sie verwies bei dieser Gelegenheit darauf, dass das Thema „Gesunde Ernährung“ nicht nur praxisnah, sondern auch theoretisch aufgearbeitet werde; ausgehend dabei von der Fragestellung „Was versteht man eigentlich unter dem Begriff gesunde Ernährung?“
Nach den Worten von Heidrun Wenzel konnte dank einer Spende darüber hinaus noch ein Kräutergarten angelegt werden. Hier lernen die Kinder nicht nur die Vielfalt an Kräutern, Blumen und Beeren kennen, sondern auch deren Pflege sowie die Verwendung bei der Zubereitung von Speisen oder aber Salben, Tees und Ölen.
Und was schließlich die „Wassertherapie“ des Sebastian Kneipp betrifft, so wurden im Kindergarten am Kurpark in der wärmeren Jahreszeit mehrere mit Wasser gefüllte Zementkübel zu einem Kneipp-Tretbecken umfunktioniert. Zudem hatten die Kinder im Winter die Möglichkeit, sich beim so genannten Schneetreten abzuhärten, und sie konnten das Angebot von Armbädern nutzen. All das natürlich freiwillig.

Die Planung steht, die Finanzierung ist abgesegnet

Reichlich Bewegung, gesunde Ernährung, Kräuter- und Heilpflanzenkunde sowie die Anwendung von Wasser, um unter anderem die Abwehrkräfte zu stärken und das Körperbewusstsein zu verbessern – vieles von dem, was zur Zertifizierung als Kneipp-Kindergarten erforderlich ist, wird auch bisher schon angeboten; vieles, aber noch nicht alles. Und vor allem noch nicht durchgängig professionell.
Das nun soll sich noch in diesem Jahr ändern. Einstimmig segnete der Vorstand der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen im Rahmen seiner jüngsten Sitzung das Projekt „Kneipp-Kindergarten“ ab und stellte an diesem Abend sowohl die Weichen für die Planung als auch für die Finanzierung. Wie der 1. Vorsitzende, Hans-Werner Ohlsen, berichtete, dürften die Kosten einschließlich der notwendigen Baumaßnahmen mit rund 80.000 Euro zu Buche schlagen.
Die von dem „Hausarchitekten“ der Lebenshilfe, Professor Dr. Wilfried Ohm aus Kreiensen, erarbeitete Konzeption sieht die Ausweisung eines Kneipp-Raumes sowie einer Bio-Sauna vor. Der Kneipp-Raum, der eine Fußbodenheizung erhält, wird dem vorliegenden Entwurf zufolge mit zwei Duschen, einer Wärmebank, zwei Fußbädern, mehreren Armbädern, einem Kneipp-Tretbecken sowie einigen Liegen und Schränken ausgestattet und möbliert. Die Bio-Sauna wird vor allem auch von den Temperaturen her gesehen exakt auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten. Denen sich übrigens vom Kneipp-Raum aus eine kleine Freifläche erschließt.
Wie Heidrun Wenzel hinzufügte, würde zu den Voraussetzungen für eine Zertifizierung als „Kneipp-Kindergarten“ zudem eine entsprechende Kneipp-Ausbildung zählen, die die Hälfte der Kindergarten-Mitarbeiterinnen zu absolvieren hätten. Und anschließend daran eine kontinuierliche Fortbildung sowie Verpflichtung, detailliert zu dokumentieren, wie die Jungen und Mädchen in den Bereichen „Lebensordnung und seelisches Wohlbefinden“, „Gesunde Ernährung“, „Kräuter und Heilpflanzen“, „Natürliche Reize“ sowie „Wasser und Bewegung“ gefördert werden.
Für Heidrun Wenzel und ihr Kindergarten-Team eine willkommene Herausforderung, der sie sich nach eigenem Bekunden mit Freude stellen werden, zumal die ersten beiden Mitarbeiterinnen eine „Kneipp-Fortbildung zur Gesundheitserziehung“ bereits erfolgreich abgeschlossen haben.
Und für den 1. Vorsitzenden der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen sowie den Geschäftsführer, Bernward Steinkraus, eine weitere Möglichkeit, das Kindergarten-Angebot auch inhaltlich noch attraktiver zu gestalten und gezielt zu bereichern. Hans-Werner Ohlsen: „Wenn Kinder schon sehr frühzeitig angeleitet werden, verantwortlich mit ihrer Gesundheit umzugehen, dann wird das ihren Lebensweg sicherlich überaus positiv beeinflussen“.