Schillers Wilhelm Tell sorgte für Zwerchfellattacken

Stefan Dehler (links) und Christoph Huber sind die „stillen Hunde“.

Die „stillen Hunde“ aus Göttingen gastierten erneut in der Stadtbücherei / Ein gelungener Abend bis nach Mitternacht

Am Samstagabend war es wieder so weit: die „stillen Hunde“ aus Göttingen waren in der Stadtbücherei Seesen mit einer szenischen Lesung zu Gast. Die beiden Schauspieler Stefan Dehler und Christoph Huber präsentierten das Stück „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller.
Bereits im Treppenhaus wurden die Gäste mit einer liebevoll gestalteten Apfel-Dekoration – passend zum Stück – begrüßt. In den Räumen der Stadtbücherei startete das Duo mit dem Stück. Zur Einführung wurden den Zuschauern erst einmal die zehn wichtigen und unwichtigen Fakten über die Schweiz erläutert, bevor zum gemeinsamen Singen des Schweizerpsalms aufgefordert wurde. Dann ging es hinunter in den Bügersaal, wo ein von Leitern umstelltes Podest die Kulisse der Schweizer Bergwelt darstellte. Christoph Huber und Stefan Dehler stellten mit unterschiedlichsten Kopfbedeckungen die verschiedenen Protagonisten des Schweizer Heldenepos dar, auch eine kosovarische Putzfrau und ein sächsischer Bauarbeiter schlichen sich in das Stück ein.
Das Duo faszinierte wie immer durch einen Mix aus Re-zitation des Original-Textes, unvergleichlicher Mimik und Schlagfertigkeit. Und das Publikum wurde in einzelne Szenen mit eingebunden: ein Zuschauer fungierte beispielsweise als Armsessel und auch der Bundeseid musste gemeinschaftlich geschworen werden.
In der Pause erwartete die Besucher ein kleiner Imbiss in der Stadtbücherei, um sich für die zweite Hälfte des Stückes zu stärken. Begeistert folgten die Zuschauer der Aufführung, die durch zahlreiche bissige Kommentare und unbändige Spielfreude der beiden Akteure zu einem Erlebnis wurde. Erst nach Mitternacht endete der gelungene Abend mit einem nicht enden wollenden Beifall. Wilhelm Tell wurde selten so ernsthaft und gleichzeitig leicht präsentiert.