Schlechte Nachrichten für Immobilieneigentümer

Wer jetzt seine Immobilie veräußern möchte, hat schlechte Karten. Die Umsätze haben 2010 den tiefsten Stand der letzten zehn Jahre erreicht. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern haben sich die Preise leicht erhöht. (Foto: Strache)

Gutachterausschuss des Katasteramtes Goslar legt Grundstücksmarktbericht 2011 vor

Der Verfall der Immobilien- und Grundstückspreise im Landkreis Goslar hat sich auch im Jahr 2010 fortgesetzt. Diese Entwicklung ist im Grundstücksmarktbericht 2011 des Gutachterausschusses des Katasteramtes Goslar dokumentiert. Die Anzahl abgeschlossener Verträge über Immobilien- und Grundstückskäufe ist zwar um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, doch die Umsatzentwicklung liegt mit 130 Millionen Euro auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren.

Von Maximilian Strache

Seesen / Goslar. Die Gutachter um Geschäftsstellenleiter Heiko Gehrke verzeichnen insgesamt 1.746 Vertragsvorgänge. 49 (inklusive fünf Erbbaurechten) stammen aus dem Verkauf von unbebauten Wohnbaulandgrundstücken. Ein Blick in den angrenzenden Landkreis Wolfenbüttel offenbart, dass diese Zahl an Veräußerungen sehr gering ist. Dort wurden im gleichen Zeitraum 120 Wohnbaulandgrundstücke verkauft. In der Stadt Seesen konnten acht Grundstücke veräußert werden.
„Es ist nicht zu erwarten, dass sich das Preisgefüge in den nächsten Jahren signifikant verbessert. Derzeit ist der Markt vor allem für Käufer interessant“, erläutert Gehrke die Situation. Als Grund für die niedrigen Preise führen die Experten die geringe Nachfrage aufgrund des anhaltenden Bevölkerungsschwundes an. Christian Riegert, Mitglied des Gutachterausschusses, sagt, dass sich inzwischen nicht nur die großen Wohnungsbaufirmen im Kreis unterbieten: „Auch private Anbieter versuchen inzwischen, ihre Immobilien möglichst günstiger anzubieten als der Nachbar, damit es überhaupt zu einem Verkauf oder einer Vermietung kommt.“
Bei dem Verkauf von Wohnhäusern wurde ein Zugang von sechs Prozent verzeichnet. 626 Verträge wurden in diesem Segment abgeschlossen. Die Verkäufe im Bereich der freistehenden Ein- und Zweifamilienhäuser stiegen um zehn Prozent auf 386 Fälle.
Die negative Entwicklung beim Verkauf von Eigentumswohnungen aus dem vorhergehenden Jahr konnte gestoppt werden. Mit einer Anzahl von 606 verkauften Objekten verzeichnen die Gutachter einen Anstieg von 21 Prozent.
Nach zwischenzeitlich starker Steigerung des Geldumsatzes im Jahr 2006, ist der Umsatz im Berichtsjahr eingebrochen. Die Preisentwicklung bei den einzelnen Grundstücksarten gestaltet sich jedoch uneinheitlich.
Zuwächse konnten vor allem bei freistehenden Ein- und Zweifamilienhäusern sowie bei Eigentumswohnungen verzeichnet werden. Kosteten Ein- und Zweifamilienhäuser im Jahr 2008 noch durchschnittlich 117.000 Euro, so sank der Durchschnittspreis im folgenden Jahr auf 108.000 Euro. 2010 erholten sich die Preise leicht. Der Durchschnittspreis lag bei 111.000 Euro.
Bei Eigentumswohnungen ist der Kaufpreis auf niedrigem Niveau stabil. Für eine 60 Quadratmeter große Eigentumswohnung (Baujahr 1960) in mittlerer Lage wurden im Schnitt 27.000 Euro fällig.
Leicht fallende Preise beobachteten die Gutachter bei den Quadratmeterpreisen für Wohnbauland. In Seesen werden in der Innenstadt und im Bereich der Steinbühlstraße die höchsten Preise erzielt. Im Gebiet der Steinbühlstraße kostet der Quadratmeter 65 Euro, in der Innenstadt 80 Euro. Im Seesener Ortsteil Rhüden liegen die Quadratmeterpreise zwischen acht und 50 Euro. Münchehof und Bornhausen liegen mit Preisen zwischen 24 und 45 Euro im unteren Bereich. Im kreisweiten Schnitt liegen die Baulandpreise zwischen 30 und 110 Euro pro Quadratmeter.
Die Experten raten den Kommunen daher, auf die Ausweisung neuer Bebauungsflächen zu verzichten und künftig auf Lückenbebauung in den Ortskernen zu setzen. Von einer grundsätzlichen Erholung der Preise ist indes nicht auszugehen. Zwar sagt Heiko Gehrke, dass ein Blick in die Zukunft schwierig sei, doch der prognostizierte demografische Wandel wird den Preisverfall vermutlich weiter beschleunigen.
Der Grundstücksmarktbericht 2011 ist zum Preis von 50 Euro beim Katasteramt Goslar, Telefon (05321) 757448, erhältlich.