Schmutzwasser nimmt Umleitung

Rohrbrücke über der Bornhäuser Straße: Das Schmutzwasser wird in Richtung Frankfurter Straße umgeleitet.

Bei Kanalsanierungsarbeiten in der St.-Annen-Straße kommt modernes Verfahren zum Einsatz

Nanu, was ist das denn? Das werden sich wohl viele Verkehrsteilnehmer und Spaziergänger fragen, die derzeit auf der Bornhäuser Straße in Seesen unterwegs sind. Was sich dort dem staunenden Auge präsentiert, ist genau das, wonach es aussieht – ein Provisorium. Schon in wenigen Tagen wird es verschwunden sein. Es handelt sich um eine sogenannte Rohrbrücke. Aufgebaut wurde sie im Zuge der anstehenden Kanalsanierungsmaßnahme in der St.-Annen-Straße.
Der auf einer Strecke von 700 Metern – von der Einmündung Bornhäuser Straße bis zum Beginn Schulzentrum – verlaufende Schmutzwassersammler wies nach jahrzehntelanger Beanspruchung vereinzelt kleinere Schäden auf. Also entschloss man sich seitens der Stadt zu handeln, bevor größere Mängel auftreten.
Dass fließendes Wasser bei den Arbeiten stören würde, leuchtet ein. Daher wird das aus dem Stadtgebiet anfallende Schmutzwasser über die Rohrbrücke umgeleitet. Es nimmt ab Schützenplatz für wenige Tage nicht den Weg über das Schulzentrum, sondern über die Frankfurter Straße in Richtung Kläranlage. Dabei sind leistungsstarke Pumpen im Einsatz, denn um über die Bornhäuser Straße zu kommen, muss das Wasser rund 4,50 Meter Höhenunterschied überwinden.
Schon am morgigen Mittwoch ist die eigentliche Arbeit getan, sagt Florian Kreter, Mitarbeiter der Tiefbauabteilung der Stadt und mit dieser Maßnahme betraut. „Wir wenden in diesem Fall das sogenannte Inlinerverfahren an“, erklärt er. Der Vorteil dabei: Straßen oder Gehwege oberhalb der zu sanierenden Entwässerungsleitung müssen nicht aufgebrochen werden; der Aushub von Bodenmaterial und das spätere Verfüllen des Rohrgrabens entfallen. „Das spart ordentlich Zeit und vor allem Geld“, macht Florian Kreter deutlich.
Die Mitarbeiter der beauftragten Spezialfirma bringen, ausgehend von einem Kanalschacht, einen Kunststoff- oder Textilschlauch in das defekte Entwässerungsrohr ein, blasen es auf und legen es somit an das zu sanierende Rohr an. Danach wird der Schlauch ausgehärtet. Es entsteht somit ein nahtloses, selbsttragendes „Rohr im Rohr“. „Somit können auch die Verbindungsstöße als große Schwachstellen keine Probleme mehr bereiten“, sagt Florian Kreter weiter. Zum Schluss müssen dann per Roboter nur noch die Haushaltsanschlüsse freigefräst werden. Das gleiche Verfahren sei übrigens auch im Zuge der Sanierung von Zimmerstraße und „Am Markt“ angewendet worden. In den kommenden Tagen wird dann nur noch die „Umleitung“ zurückgebaut, dann ist die Maßnahme abgeschlossen.