Schülerinterview mit Erik Homann

Das Amt des Bürgermeisters – ein vielfältiges Aufgabengebiet

Von Marvin Dahl

Seit 2011 ist Erik Homann hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Seesen. Durch das Schulprojekt BuS (Beobachter und Schule) hatte Marvin Dahl die Möglichkeit, mit Erik Homann über sein Amt zu sprechen.

Seit wann leben Sie in Seesen? Was hat Sie dazu bewegt, nach Seesen zu ziehen?
Bei der Stadt Seesen war die Stelle des Ersten Stadtrats ausgeschrieben. Der Erste Stadtrat ist der allgemeine Vertreter des Bürgermeisters. Diese Stelle war also ausgeschrieben und es wurde ein Volljurist gesucht. Ich habe mich beworben und zum 1. Januar 2008 die Stelle bei der Stadt Seesen angetreten. Daraufhin bin ich zum 1. April 2008 mit meiner Familie nach Seesen gezogen.

Welchen Beruf haben Sie erlernt?
Jurist. Ich habe vorher als Rechtsanwalt gearbeitet.

Wie kamen Sie auf die Idee Bürgermeister zu werden?
Bevor ich gewählt wurde, habe ich bereits vier Jahre lang als allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters gearbeitet. Als dann die Amtszeit meines Vorgängers Hubert Jahns auslief und er aus Alters- und Gesundheitsgründen sein Amt niederlegte, habe ich mich dazu entschieden, für das Amt zu kandidieren. Ich wurde noch für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Inzwischen gibt es neue Regelungen, wonach die Amtszeit von Bürgermeistern in Niedersachsen auf fünf Jahre verkürzt wurde. Diese Zeit soll nach und nach in ganz Niedersachsen angepasst werden. Wenn also 2019 das nächste Mal für Seesen ein Bürgermeister gewählt wird, wird diese Amtszeit voraussichtlich sieben Jahre umfassen. 2016 sind die nächsten Kommunalwahlen.

Waren Sie überrascht, als Sie zum Bürgermeister gewählt worden?
Nein, überrascht trifft es nicht ganz. Es war ja von vornherein eine von zwei denkbaren Möglichkeiten. Aber ich habe mich sehr darüber gefreut.

Waren Sie froh, dass die CDU so viele Stimmen erhalten hat?
Es ist eine gute Ausgangssituation, wenn die Partei, der man angehört, die Mehrheit im Rat besitzt. Dann lassen sich Vorhaben besser durchsetzen. Aber das Amt des Bürgermeisters ist parteiübergreifend. Als Bürgermeister bin ich für alle Bürger da und nicht für die Belange einer bestimmten Partei.

Warum sind Sie der CDU beigetreten und nicht einer anderen Partei?
Es gibt dafür viele unterschiedliche Gründe. Die große Schnittmenge an Übereinstimmungen und Positionen waren ausschlaggebend. Aber auch wo man sich seiner Herkunft nach wohl fühlt. Ein weiterer Grund für die Wahl ist sicherlich auch das Elternhaus.

Wie wird auf Leserbriefe im Seesener „Beobachter“ reagiert, zum Beispiel mit dem Stadttor am Markt?
Wie schon mein Vorgänger, denke ich, ist der richtige Weg, nicht direkt in der Zeitung auf Leserbriefe zu reagieren. Das gibt nur ein ständiges hin und her. Einige Bürger schreiben neben dem „Beobachter“ auch zusätzlich direkt die Stadtverwaltung an. Wir entscheiden dann über eine direkte Kontaktaufnahme mit dem Bürger. Bei Leserbriefen kann das natürlich nur erfolgen, wenn der Name bekannt ist. Die schweigende Masse ist oft mit den Entscheidungen einverstanden.
Oftmals sind es auch Personen, die schon mit wiederkehrender und gleichlautender Kritik an der Stadt aufgefallen sind. Diesen Personen empfehle ich, sich politisch zu engagieren um ihre Vorstellungen wirkungsvoller vertreten zu können.
Eine Arbeitsgruppe hat sich mit der Gestaltung des Innenstadtbereiches beschäftigt und eine Vorlage für den Rat erarbeitet. Die Ratsmitglieder sind schließlich die gewählten Vertreter der Bürger und haben im Fall Stadttor für den Vorschlag im Ausschuss gestimmt.

Könnte das Geld, was für den Bau des Stadttores geplant ist nicht zum Beispiel auch für Kinder- oder Jugendfreizeiteinrichtungen genutzt werden?
Die Stadt entscheidet über die Ausgaben und muss abwägen, wofür die Gelder eingesetzt werden. Für die Stadtsanierung zum Beispiel übernehmen das Land und der Bund 2/3 der Kosten. Nur 1/3 muss die Stadt Seesen selber aufbringen. Entschließt sich die Stadt dagegen zum Beispiel eine Skateranlage für Jugendliche oder einen Spielplatz zu bauen, muss sie die Kosten alleine tragen. Die Kosten eines Spielgerätes liegen schnell mal bei 20.000 Euro, wogegen der städtische Anteil für das Stadttor nur bei circa 4000 Euro liegt.

Kann das Angebot im Ferienpass mehr auf Angebote für Jugendliche erweitert werden?
Das kann gerne gemacht werden. Die Mitarbeiter der Jugendstätte wägen die Interessen ab. Ausschlaggebend sind: werden die Angebote angenommen, gibt es Leute, die ein entsprechendes Angebot anbieten und natürlich die Kosten. Dabei richten sich die Mitarbeiter auch nach den Erfahrungswerten der Vorjahre. Eigene Vorschläge können gern gemacht und direkt an die Jugendpflege gerichtet werden.

Welches ist Ihr Lieblingsort in Seesen (außer Ihrem Zuhause)?
Das ist mein Büro. Hier verbringe ich die meiste Zeit.

Wie finden Sie die Menschen in Seesen?
Im Prinzip so wie überall. Hier in Seesen ist der Anteil älterer Menschen größer. Das macht den Unterschied zu einer Universitätsstadt, in der überwiegend junge Menschen leben. Die Seesener sind sympathisch und fühlen sich ihrer Stadt verbunden. Die Aufgabe des Bürgermeisters mit diesen Menschen zu arbeiten ist für mich angenehm.

Wie aus der Zeitung zu erlesen ist, müssen Sie viele Termine am Abend oder Wochenende wahrnehmen. Was sagt Ihre Familie dazu?
Sie wissen, dass das Amt des Bürgermeisters das so mit sich bringt. Meine Frau wusste das schon, als ich mich für die Wahl zur Verfügung stellte und meine Kinder wissen es auch. Natürlich sind sie traurig, aber ich verbringe trotzdem viel Zeit mit meiner Familie.

Würden Sie Ihren Kindern auch raten, in die Politik zu gehen?
Nur dann, wenn sie sich dazu eignen, Interesse und Freude daran haben. Ich unterstütze sie, egal wofür sie sich begeistern können.

Vielen Dank für das offene Gespräch.
Sehr gern!