Schwungvoller als so mancher Gesangsverein

Immer montags trifft sich im Bürgerhaus der HilDe-Chor. In diesem Projekt musizieren Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam. Der Chor versteht sich als ein inklusives Projekt.

Serie: Inklusion im Landkreis Goslar / HilDe-Chor tritt den Beweis an, dass Singen glücklich macht

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, das bestimmte Musik in einem auslösen kann. Da ist vielleicht der Song, der an schöne Momente der Kindheit erinnert, an den schönsten Sommer des Lebens, den ersten Kuss oder die erste große Liebe. Musik hat etwas Magisches und ist in der Lage bestimmte Stimmungen zu transportieren und zu aktivieren.

Diese Wirkung und Kraft der Musik hatten auch die Initiatorin des HilDe-Chores im Hinterkopf, als sie im Winter vergangenen Jahres die Gesangsgruppe für Menschen mit und ohne Demenz ins Leben riefen. Inzwischen ist der Chor mit rund 20 Mitgliedern relativ gut bestückt und tritt immer montags bei seinen Proben in den Räumen des Paritätischen im Bürgerhaus den Beweis an, dass gemeinsames Singen richtig glücklich macht und Behinderungen dabei kein Hindernis darstellen.
Sozialpädagogin Christiane Berndt vom Paritätischen in Seesen ist auf jeden Fall davon überzeugt, dass der HilDe-Chor der richtige Schritt ist, um auch beim Thema Inklusion ein Zeichen zu setzen. „Das Thema Demenz passt hervorragend zur Inklusionsdebatte, denn die Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, gehören in die Mitte unserer Gesellschaft und haben es verdient, ein Teil davon zu sein“, erklärte Gedächtnistrainerin Berndt.

Inklusion muss auch für Menschen mit Demenz gelten

Laut Berndt müssten nämlich auch die Menschen mit Demenz bei der Inklusion berücksichtigt werden, da der Verlust des Gedächtnisses und der Erinnerung auch eine Behinderung darstellt, was im Umgang mit Demenzkranken zwingend berücksichtigt werden sollte.
Dass Musik dabei der Schlüssel zum Erfolg ist, zeigt schon seit Jahren das monatliche HilDe-Tanzcafé im Altenzentrum St. Vitus. Dort können Menschen mit Demenz zusammen mit ihren Angehörigen einen unbeschwerten Nachmittag in geselliger Runde verbringen und sich mit Hilfe von Musik erinnern.
Und genau an diesem Punkt setzt auch das Chorprojekt an, denn es ist vor allem die Musik die noch lange präsent ist, wenn andere Funktionen des Gedächtnisses schon längst kapituliert haben. Für Demenzkranke ist Musik eine wichtige Ausdrucksmöglichkeit, denn Liedtexte, Gedichte, Psalme oder Gebete sind trotz demenzieller Erkrankung und verlorenem Kurzzeitgedächtnis aus dem Langzeitgedächtnis noch sehr lange abrufbar.
Besonders wird das HilDe-Gesangsprojekt auch dadurch, dass in dem Chor auch Schüler der Kurparkschule der Lebenshilfe mitwirken. Pädagoge Stefan Röbbel, der an der Schule der Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen unter anderem Musikunterricht gibt, hat für den HilDe-Chor einige seiner Schüler ausgewählt, die Spaß am Singen und das Zeug dazu haben, in einer Gemeinschaft gemeinsam zu musizieren.
Neben den Kindern der Kurparkschule und den Menschen mit Demenzerkrankung setzt sich der Chor jedoch vor allem aus Menschen ohne Handicap zusammen, was dem Inklusionsgedanken Ausdruck verleiht.
Christiane Berndt ist zudem auch daran gelegen, Schüler der weiterführenden Schulen im Raum Seesen für die Teilnahme zu begeistern. In Planung ist beispielsweise ein Besuch der Klasse 10c der Oberschule Seesen. Im sogenannten „Apfelsinenprojekt“ ist vorgesehen, dass die Schüler dieser zehnten Klasse für einen definierten Zeitraum an den Proben des Chores teilnehmen. In jüngerer Vergangenheit hatten schon Schüler der Oberstufe des Jacobson Gymnasiums diese Möglichkeit ergriffen und an den Proben mitgewirkt.
Der HilDe-Chor ist ein langfristig angelegtes Projekt und soll nicht nur Menschen mit und ohne Behinderung ein Forum für gemeinsames Musizieren bieten, sondern auch altersübergreifend wirken. „Bei uns sind Menschen jeden Alters willkommen. Wir verstehen uns auch als ein Generationen übergreifendes Projekt“, sagt Christiane Berndt.
Schwierigkeiten bereite jedoch die Finanzierung des Projektes, das sich ausschließlich aus Spenden finanziert. „Unser Musikpädagoge Frank Hoyer, dem die Leitung obliegt, muss natürlich bezahlt werden und dieses Geld müssen wir über Spenden einwerben“, erklärt die Sozialpädagogin. Die Finanzierung für dieses Jahr ist glücklicherweise durch eine Spende der Braunschweigischen Landessparkasse gesichert, die dem Chor im Rahmen ihrer Aktion „250 gute Taten“ finanziell unter die Arme gegriffen hat.
Der HilDe-Chor wird übrigens am Dienstag, 5. Mai, bei der zentralen Veranstaltung anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auftreten.
Dort wird der Chor, der sich wahrlich nicht hinter den seit vielen Jahre etablierten Chören verstecken muss, und teilweise schwungvoller agiert als so mancher Gesangverein, drei Stücke präsentieren. Diese Lieder werden aktuell einstudiert und kreisen rund ums Thema Frühling. Die Lieder verbreiten also richtig gute Laune.
Wer ebenfalls Interesse an einer Teilnahme am HilDe-Chor hat, der ist immer montags von 14.30 bis 16.30 Uhr herzlich zu den Proben willkommen. Gegen finanzielle Unterstützung hat der Chor natürlich ebenfalls nichts einzuwenden. Nähere Informationen dazu erhalten Interessierte bei Christiane Bernd unter (05381) 948060.