Seeräuberbraut und russische Musikmaschine

Nadja Senatskaja (vorn) in der Rolle der Seeräuber-Jenny, am Klavier Valeria Myrosch.
 
Die Schülerinnen und Schüler der 6. bis 9. Klassen zeigten sich begeistert vom Auftritt der angehenden Opernsänger Marian Müller und Nadja Malastesta.

„Klassik im Klassenzimmer“: Gesangsduo Senatskaja / Müller brilliert bei Gastspiel im Schulzentrum Seesen

Im dritten Jahr der Kooperation des Jacobson-Gymnasiums und der Realschule Seesen mit dem Internationalen Musikfest Goslar gab es eine willkommene Abwechslung: Nach Gastspielen von Instrumentalkünstlern in den Vorjahren hatten die Veranstalter in diesem Jahr ein Gesangsduo mit Klavierbegleitung für die vormittäglichen Auftritte in den Seesener Schulen im Rahmen des Projekts „Klassik im Klassenzimmer“ gewonnen.
Eine gute Entscheidung, wie anhand der Reaktionen der verschiedenen Schülergruppen auf das geschickt zusammengestellte Programm, das die jungen Künstler Nadja Senatskaya und Marian Müller (Gesang) mit Valeria Myrosch am Klavier – allesamt Studierende der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover – mitgebracht hatten, schnell deutlich wurde.
Besonders angetan zeigte sich die bunt gemischte Zuhörerschaft dabei aufgrund ihrer Bühnenpräsenz von der Leis­tung der aus Russland stammenden Sopranistin Senatskaya, die sich zusammen mit dem Bariton Marian Müller nicht nur als einfühlsame Lied­interpretin erwies, sondern auch in verschiedenste Rollen aus dem Musiktheater – angefangen von Papagena aus Mozarts „Zauberflöte“ über die Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper und eine leidende Katze in Rossinis Katzenduett bis hin zur singenden Puppe Olympia aus „Hoffmanns Erzählungen“ schlüpfte, und dabei auch szenisch in der spontan an Raum und Publikum angepassten Darstellung brillierte.
Einen ebenso überzeugenden Eindruck hinterließ ihr männlicher Gegenpart, der ihr nicht nur in den Duetten stimmlich souverän zur Seite beziehungsweise gegenüber stand, sondern es auch verstand, die Schüler durch seine altersgruppengerechte Moderation und sogar szenische Einbeziehung, zum Beispiel als liebestoller Ernesto, dem sein Freund Malatesta in Donizettis komischer Oper Don Pasquale die verhüllte Geliebte als Frau anpreist oder bei der Funktionsstörung von Olympia, „der durch Applaus angetriebenen russischen Gesangsmaschine“, unmittelbar anzusprechen, und ihnen so Zugänge zum tieferen Verständnis der Welt von Oper, Operette und Musical vermitteln konnte.
Alle Gesangsnummern wurden ebenso unauffällig wie souverän begleitet von der ukrainischen Pianistin Valeria Myrosch, die außerdem eine gemäßigt moderne Klavierminiatur aus ihrer Heimat zum Programm beisteuerte.
So gab es in diesem Musikunterricht der etwas anderen Art nicht nur viel zu hören, sondern auch zu sehen und darüber hinaus durchaus auch noch etwas über musikalische Epochen, Gattungen und Stile zu lernen. Das galt sogar für die sympathischen jungen Künstler selbst, denen Seesen als Wiege der Klavierbaudynastie Steinway bis dato ebenso wenig bekannt war wie als Ursprung der reformierten synagogalen Musik.
Bleibt nur zu hoffen, dass Marian Müllers abschließender Appell an die Schüler zum verstärkten Besuch von Oper und Konzert nicht ungehört verhallt, sondern dem ein oder anderen Lust auf mehr gemacht hat und die pädagogisch ungemein wertvolle Reihe auch im nächsten Jahr ihre Fortsetzung finden kann. bu