Seesen und Lutter bewegen sich aufeinander zu

Zwei, die sich beim Sondierungsgespräch offenbar sehr gut verstanden haben:Seesens Bürgermeister Erik Homann und Lutters Verwaltungschef Peter Kühlewindt wollen jetzt ausloten, ob eine Fusion der beiden Kommunen zu meistern ist.

Kommt Fusion? Stadt und Samtgemeinde haben in dieser Woche erste Sondierungsgespräche aufgenommen

Es war ein erstes Sondierungsgespräch, und es war ein gutes. Das resümierten Seesens Bürgermeister Erik Homann und sein Amtskollege Peter Kühlewindt von der Samtgemeinde Lutter. Die beiden Kommunen hatten in dieser Woche in Seesen erstmals Gespräche aufgenommen, um zu überprüfen, ob und wie man zueinander finden könnte.
Das Wort Fusion ist derzeit in aller Munde. Auf Landkreisebene schon seit Langem diskutiert (Osterode und Goslar), nähern sich die Stadt Goslar und die Gemeinde Vienenburg immer mehr an. Die Samtgemeinde Lutter hat indes in mehrere Richtungen die Fühler ausgestreckt, Gespräche bereits mit Langelsheim und Liebenburg geführt. Nun also auch mit der Stadt Seesen, die Peter Kühlewindt während eines Pressegespräches am Donnerstag­nachmittag als „sehr, sehr interessanten Partner“ bezeichnete. Lutter als deutlich kleinerer Verhandlungspartner habe daher auch keine Angst, von der Stadt geschluckt zu werden.

Höhere Zuweisungen durch „Veredelung“

Auch Seesens Verwaltungs­chef Erik Homann steht einer Fusion mit Lutter sehr aufgeschlossen gegenüber. „Der Vorteil für Seesen wäre, dass wir dann auf absehbare Zeit nicht unter die 20.000-Einwohner-Marke fallen. Dann würden wir auch den Status einer selbstständigen Stadt halten und wir hätten weiterhin eine leistungsfähige Verwaltung. Durch sogenannte Einwohnerveredelungen würden voraussichtlich auch die Schlüsselzuweisungen insgesamt höher ausfallen. Rund eine halbe Millionen Euro würden daraus resultieren. Alles Fakten, die dafür sprechen, weiter aufeinander zuzugehen.
Kann aus demFlirt mehr werden? Erst einmal, und darauf haben sich die Teilnehmer des Seesener Sondierungsgesprächs geeinigt, sollen Zahlen,Daten und Fakten zusammengetragen werden, die bei einer möglichen Fusion zu beachten sind. Da geht es um denVergleich der Haushaltszahlen, um Hebesätze, die Zusammensetzung der Räte, Personalkosten, die Ausstattungen beispielsweise der Feuerwehr und der Grundschulen und vieles mehr. „Eigentlich geht es um die ganze Infrastruktur beider Kommunen, die es zu prüfen gilt“, erläutert Peter Kühewindt.
Das soll nun im nächsten Schritt geschehen, bevor man sich in der zweiten Jahreshälfte ein weiteres Mal zusammensetzen möchte. Danach soll das Thema auch mit den Einwohnern selbst diskutiert und Fakten transparent gemacht werden. Wenn denn alles passt, könnte eine Fusion etwa imJahr 2016 endgültig vollzogen werden. Noch ein langer Weg, aber der Anfang ist gemacht.
Zu sehen ist das ganze Thema wie erwähnt auch vor dem Hintergrund der weiter schwindenden Einwohnerzahlen. Aktuell hält sich die Stadt Seesen gerade noch ganz knapp über der 20000-Einwohner-Marke. Die Samtgmeinde Lutter liegt mit seinen drei Gemeinden Lutter am Barenberge, Gemeinde Hahausen und Gemeinde Wallmoden aktuell bei rund 4100 Bewohnern. Zahlen, die sich künftig weitaus verschlechtern werden. In nicht einmal 20 Jahren könnten es bereits 25 Prozent weniger Einwohner sein und so ist es nicht verwunderlich, dass nach Alternativen gesucht wird.

Langelsheim als
Dritter im Bunde?

Seesen hatte vor geraumer Zeit bereits Gespräche mit Bad Gandersheim geführt, „die liegen momentan aber auf Eis“, berichtete Erik Homann. So also haben sich zwei neue Partner gefunden, die sich – auch wenn das ebenfalls noch Zukunftsmusik – sogar einen„Drei-Bund“ vorstellen können, nämlich mit der Stadt Langelsheim. Man könne sich gut vorstellen, auch in diese Richtung Gespräche zu führen. „Ich denke, ein erstes Gespräch in diese Richtung könnte es bald schon geben“.
Unter Zugzwang sehen sich sowohl Homann als auch Kühlewindt nicht. „Wir stehen beide nicht unter Druck und müssen nicht auf Teufel komm raus fusionieren“, befindet Homann, der auch darauf hinwies, dass es – im Gegensatz zu anderen Gemeinden, die Fusionen anstreben – kein Mittel der Entschuldungshilfe beispielsweise durch den Abschluss eines Zukunfstvertrages gibt. Eben weil man gut gehaushaltet habe. Unter den Partnern selbst gibt es zudem keinerlei atmosphärischen Störungen aus der Vergangenheit, die aufgearbeitet werden müssten.
„Aus Sicht der Samtgemeinde Lutter mag manch einer denken, es ist schön unter die wärmende Decke einer größeren Stadt zu schlüpfen“, ergänzte Kühlewindt. So sei es aber nicht, schließlich müssten beide Partner etwas von einer Fusion haben. Irgendwann werde es ohnehin unvermeidlich sein, neue Gebietskörperschaften zu bilden.
Natürlich gibt es noch viele weitere Fragen, die auch Emotionen auslösen dürften. „Allein die Frage, wie eine neue Kommune heißen soll, ist so eine“, so Homann. Interessant ist sicherlich auch die Frage, wie es dann an der Verwaltungsspitze aussehen würde. Peter Kühlewindt ist noch bis 2014 im Amt des Samtgemeindebürgermeisters. „Man könnte das Amt auch weitere zwei Jahre führen“, um damit die anstehenden Wahlen bis zur Fusion aufzuschieben. Möglich sind viele Varianten, das gilt nicht nur für die Verwaltungsspitze. Der Personalbestand beispielsweise in der Verwaltung selbst könne durch zusätzliche Aufgabenbereich außerdem gehalten werden. Das alles ist noch Zukunftsmusik, wichtig ist nun erstmal, alles relevante Zahlenmaterial zu sammeln und zu vergleichen. Das soll nun intensiv geschehen.