Seesen wird beim Zugverkehr abgehängt

In Seesen hält der Zug in Richtung Süden nur noch alle zwei Stunden. Damit wird die Fahrt auf der Schiene unattraktiv.
 
Hennig Brandes (Verbandsdirektor), Landrat Stephan Mahnke und Seesen Bürgermeister Hubert Jahns (von links).

Mit dem Fahrplanwechsel kommt es zur Reduzierung des Zugangebots zwischen Bad Harzburg und Kreiensen

Pünktlich zum Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn ist wieder eine hitzige Debatte um die Reduzierung des Zugangebots entfacht. Betroffen von den Plänen ist diesmal vor allem die Strecke von Bad Harzburg über Goslar nach Kreiensen.

Von Maximilian Strache

Goslar / Seesen. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Reduzierungspläne richteten die Vertreter der betroffenen Städte im Landkreis Goslar ein Schreiben an den Zweckverband Großraum Braunschweig mit dem Inhalt, dass ein vermindertes Zugangebot auf der Zugstrecke in Richtung Süden nicht hinzunehmen ist.
Auf Einladung von Seesens Stadtoberhaupt Hubert Jahns trafen sich nun die Vertreter des Zweckverbandes, Landrat Stephan Mahnke, die Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen des Landkreises sowie die Bürgermeister der betroffenen Städte und Gemeinden entlang der Bahnstrecke im Sitzungssaal des Goslarer Rathauses.
Ziel dieses Zusammentreffens war, die Kommunikation zwischen den zuständigen Kommunalpolitikern und den Vertretern des Zweckverbandes nachhaltig zu verbessern.
Hubert Jahns betonte zur Eröffnung der rund einstündigen Sitzung, dass es nicht sein kann eine ohnehin schon strukturschwache Region durch eine weitere Reduzierung des Schienenverkehrs abzuhängen. „Wir dürfen keine Negativregion werden“, fügte Jahns seinen Eingangs geäußerten Worten mit Nachdruck hinzu.
Landrat Stephan Mahnke schloss sich den Worten von Seesens Bürgermeister an und erklärte: „Es gibt eine Resolution im Kreistag, die besagt, dass wir für eine Direktverbindung nach Göttingen eintreten.“ Zudem ärgert es den Landrat, dass jedes Jahr zum Fahrplanwechsel, drastische Einsparungen verkündet werden. Dies sei nicht im Sinne einer verlässlichen Anbindung der Fläche an die Verkehrsknotenpunkte Hannover, Braunschweig und Göttingen. Der Landrat forderte in diesem Zusammenhang die Erarbeitung einer langfristigen Lösung für den Zugverkehr, die vor allem den Bürgern und Reisenden ein verlässlicher Partner ist.
Hennig Brandes, Verbandsdirektor und Leiter der Abteilung Nahverkehr beim Zweckverband, zeigte Verständnis für den Unmut der Politiker und versprach die Kommunikationspolitik des Verbandes für die Zukunft zu verbessern. In der Folge versuchte der Nahverkehrsexperte die Entscheidungen zur Reduzierung des Zugangebots auf der Strecke Bad Harzburg Kreiensen ein wenig transparenter zu machen. So erklärte Brandes, dass die Landeszuschüsse, so genannte Regionalisierungsmittel, nur sehr schleppend beziehungsweise gar nicht fließen.
Der Zuschuss für das Jahr 2011 wurde bereits gestrichen und die zugesagten Finanzierungshilfen für das Jahr 2010 wurden noch nicht ausgezahlt. Zudem müsse sich der Zweckverband mit einer Rückforderung des Landes für die Jahre 2008/2009 in Höhe von 3,3 Millionen Euro auseinandersetzen. Aus diesem Grund stünde die Strecke Bad Harzburg – Kreiensen unter Finanzierungsvorbehalt. Ferner, so Brandes, fordere das Land vom Zweckverband, seine Rücklagen zur Finanzierung des Zugangebotes zu nutzen. Eine Forderung, die laut dem Verbansdirektor, auf keinen Fall erfüllt werde. Die Landesregierung könne einem Kommunalverband nicht vorschreiben, wie er seine Rücklagen einzusetzen habe.
Überdies appellierte Brandes an die Politiker ihren Groll nicht gegen den Großraumverband Braunschweig zu richten, sondern das Land Niedersachsen in die Pflicht zu nehmen. Denn die Verantwortlichen in Hannover seien es, die dafür sorgen, dass die Region aufs Abstellgleis gerät.
Ralf Abrahms, Bürgermeister der Stadt Bad Harzburg, richtete sich mit der Frage „Warum gerade diese Strecke den Kürzungsplänen zum Opfer fällt“ an die Vertreter des Zweckverbandes. Brandes antwortete dem sichtlich aufgebrachten Verwaltungschef, dass die Fahrgastzahlen auf der Strecke ein wichtiger Indikator für etwaige Reduzierungen des Zugangebotes sind. Die Züge auf der Strecke seien meistens so leer, dass jeder Passagier einzeln mit Handschlag begrüßt werden könnte.
Von den Änderungen, so Brandes, sind jedoch nicht die Berufspendler und Schüler betroffen. „Wir haben darauf geachtet, dass zu Stoßszeiten eine schnelle und komfortable Verbindung gesichert ist.“ Der Zwei-Stunden-Grundtakt sei überdies den Fahrgastzahlen angemessen.
Den Rahmen des Treffens nutzte Brandes auch, um über die gescheiterten Pläne der RegioStadtBahn zu berichten. Das Konzept könne derzeit nicht umgesetzt werden, da dies eine zu große Belastung für die anderen Bereiche im Nahverkehr hätte. Ein Großteil der zur Verfügung stehenden Mittel hätte auf das RegioStadtBahn-Netz gelenkt werden müssen, so dass am Ende deutlich weniger Geld für die übrigen Streckenabschnitte in den Randbezirken geblieben wäre. Ein exklsuives Kernnetz ist sehr teuer und nicht ausgewogen. Deshalb habe man sich von diesem Projekt distanziert. Jetzt plane der Zweckverband eine Alternative. In den Schubladen der Nahverkehrsexperten liegen Pläne für ein Regionalbahn-System.
Zum Ende der Sitzung betonte Seesens Bürgermeister Hubert Jahns nochmals die strategische Bedeutung der Verbindung in den Süden und unterstrich, dass er sehr unzufrieden mit der aktuellen Regelung ist. Deshalb verabredeten die anwesenden Delegierten, das Thema mit in den Kreistag zu nehmen. In der nächsten Woche soll die eingangs angesprochene Resolution verabschiedet werden. Überdies wollen sich die Vertreter der Städte und Gemeinden an die Landesregierung wenden um ihrem Unmut Nachdruck zu verleihen. Als weiterer Schritt sollen die Bundestagsabgeordneten zur Problemlösung eingeschaltet werden.