Seesen wird zum Klingen gebracht

Mit Posaune und Trompete vor dem Portal der St.-Andreas-Kirche, in der am Freitag, 26. Juni, das Eröffnungskonzert samt Uraufführung stattfinden wird: Landesposaunenwart Siegfried Markowis (Zweiter von rechts) und Landesobmann Jens Paret (Zweiter von links), der hier einen Scheck über 9500 Euro aus den Händen von Dieter Brinkmann (Volksbank eG) entgegennimmt, freuen sich mit den Vertretern der Propstei, der Kirchengemeinde und des Propsteiposaunenchores auf das Großereignis in Seesen.

Landesposaunentag macht in zwei Wochen in Seesen Station / Blick aufs Programm

In zwei Wochen werden 400 bis 500 Bläserinnen und Bläser aus den Posaunenchören der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Braunschweig die Stadt zum Klingen bringen. Seesen und die Propstei sind vom 26. bis 28. Juni Gastgeber des nunmehr 33. Landesposaunentages. Die letzte Großveranstaltung dieser Art ging hier im Jahr 1982 über die Bühne. Dass bei den Vorbereitungen nichts dem Zufall überlassen wurde, machten der hauptamtliche Landesposaunenwart Siegfried Markowis sowie der Landesobmann, Pfarrer Jens Paret aus Hondelage, seitens des ausrichtenden Posaunenwerkes der braunschweigischen Landeskirche im Rahmen eines Gesprächs im Seesener Kirchenzentrum deutlich. „Vielfalt leben“, so lautet dieses Mal das Motto. Nicht von ungefähr, wie Jens Paret erklärte. „Das Thema soll nicht nur auf die zu erlebende Instrumenten- und Musikvielfalt verweisen, sondern als geistliche Aussage in die Zeit weisen“, sagte er. „Vielfalt leben“ sei auch eine Lebens- und Glaubensaussage, was sich nicht zuletzt an der aktuellen Flüchtlinsproblematik zeige.
Den Auftakt macht am Freitag, 26. Juni, um 19 Uhr das Eröffnungskonzert „Piano & Forte“ mit dem Bläserkreis der Braunschweiger Landeskirche in der St.-Andreas-Kirche. An der Orgel wird Propsteikantor Andreas Pasemann zu hören sein. In diesem Rahmen wird es neben Johann Sebastian Bachs „Fürchte dich nicht“ unter anderem auch zur Uraufführung eines Werkes für Flügel und Bläser aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten Traugott Fünfgeld kommen. Er spielt am Flügel. Auch der Synagogalkultur wird mit dem Stück „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ von Louis Lewandowski Rechnung getragen. „An diesem Abend wird es eindringliche Kompositionen geben – und auch ein paar ‘Bonbons’ für das hoffentlich zahlreiche Publikum“, kündigt Siegfried Markowis an, dem an diesem Abend die Gesamtleitung obliegt. Verraten wollte er aber noch nichts.
Ein Veranstaltungshöhepunkt ist am Samstag um 18 Uhr die Serenade vor der malerischen Kulisse des Steinway-Parks. Etwa 450 Bläserinnen und Bläser werden dort die Luft zum Klingen bringen, und zwar mit Musik aus sechs Jahrhunderten zum Thema Schöpfungslob, Weltverantwortung und Vertrauen.
Ein zentraler Open-Air-Gottesdienst wird dann am Sonntag, 28. Juni, um 11 Uhr auf dem Jacobsonplatz gefeiert. Hier, wie zeitgleich auch in elf weiteren Gottesdiensten in den Gemeinden der Propstei Seesen und Bad Gandersheim, wird es eine klangvolle Posaunenchorbegleitung geben. Am Nachmittag, ab 16 Uhr, bildet dann die Wiese vor dem ehemaligen Jagdschloss die Kulisse für die große Festmusik. Auch hier wurde Wert darauf gelegt, den Charakter der Stadt aufzunehmen. Das Konzert steht unter dem Motto „Blech & Blech“. Eine Anspielung auf Seesen als Stadt der Konservendose. Swingende und rockige Musik wird der große Bläserchor des Landesposaunentages präsentieren. „Zusammen mit rhythmischen Pattern auf Blechdosen aus Seesener Produktion und unter Mitwirkung von Schülerinnen und Schülern der „Stomp-AG“ der Oberschule Seesen, ergibt das ein Klangereignis ganz besonderer Art“, ist sich Landesobmann Jens Paret sicher.
Ganz besonders weisen die Verantwortlichen darauf hin, dass sämtliche Veranstaltungen eintrittsfrei sind. Es wird am Ausgang lediglich um eine Kollekte für die Ausbildung der Bläserinnen und Bläser beziehungsweise für die synagogale Musik in Seesen gebeten. „Jeder kann und soll kommen“, fasst Siegfried Markowis zusammen. Und dem konnte sich Seesens Bürgermeister Erik Homann nur anschließend. Er freut sich besonders auf den Veranstaltungsreigen. „Für alle Menschen in der Region ist der Landesposaunentag ein lohnenswertes Ziel“, sagte der Chef der Stadtverwaltung. Bei alledem dürfe nicht vergessen werden, dass der nächste Landesposaunentag wohl erst wieder in 30 bis 40 Jahren in Seesen Station machen werde. Die Gelegenheit gelte es also zu nutzen.
Dass die Organisation und Durchführung einer solchen Großveranstaltung mit einem gehörigen Maß an logistischem und technischem Aufwand verbunden ist, wissen die Verantwortlich nur allzu genau. Umso mehr freuten sie sich über eine großzügige Unterstützung der Volksbank eG in Seesen gemeinsam mit der Stiftung Niedersächsischer Volksbanken und Raiffeisenbanken. Sie machten einen stolzen Betrag von 9500 Euro für die Veranstaltung locker. Dieter Brinkmann, Vorstandsmitglied der Volksbank eG in Seesen, ist überzeugt, dass die Lebendigkeit, die durch die Musik, aber auch durch die jungen und erfahrenen Bläserinnen und Bläser präsentiert wird, noch lange nachklingen wird. „Wir setzen uns gern für kulturelle Belange in unserer Region ein, denn damit schaffen wir mehr Werte für Menschen“, sagte Dieter Brinkmann und überreichte den Scheck.
Das Posaunenwerk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Braunschweig kann in diesem Jahr auf eine 85-jährige Geschichte zurückblicken. Aus einer Bläserfreizeit mit acht Posaunenchören entwickelte sich bis heute ein großes Netzwerk für über 1000 Bläserinnen und Bläser, die in fast 70 Posaunenchören musizieren