Seesener (21) kauft Drogen „aus dem Mund“

Seesen (hz). Einen positiven Eindruck übte der 21-jährige Seesener am gestrigen Mittwoch auf Richter Frank Rüger und die Staatsanwältin aus. Sauber gekleidet und höflich hat er sich präsentiert. Den Kontakt zu seinen bisherigen Freunden, die scheinbar in den falschen Kreisen verkehren, möchte er abbrechen – wie er das schaffen will, weiß der selbstbewusste Seesener auch schon: Gemeinsam mit seinen Eltern wird er bald nach Berlin ziehen. Doch warum saß der zielstrebige junge Mann vor Gericht?
In den vergangenen Jahren kam der Seesener vom rechten Weg ab. Angeklagt war Michael J. wegen des unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln. Bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle im vergangenen Jahr wurde Kokain im Speichel des jungen Mannes nachgewiesen. Ohne lange nach fadenscheinigen Ausflüchten zu suchen, bestätigte der 21-Jährige, einige Zeit zuvor Kokain konsumiert zu haben.
In der Anklageschrift steht, dass er im Zeitraum vom 1. August 2009 bis 23. September 2010 mindestens zwölfmal unerlaubt Drogen erworben hatte. In Braunschweig suchte der Seesener bislang unbekannte Schwarzafrikaner auf, die die Droge in Form von kleinen Kügelchen, einzeln verpackt, in ihrem Mund bei sich trugen und damit dealten.
Dass der 21-Jährige sein Leben in den Griff bekommen muss, wurde ihm nach der Verkehrskontrolle einmal mehr bewusst. Nach einer ärztlichen Behandlung will Michael J., der seit mehreren Monaten keine Drogen mehr genommen hat, einen mehrwöchigen Entzug in einer Klinik wahrnehmen, um den endgültigen Absprung zu schaffen.
Richter Frank Rüger verurteilte den erheblich vorbestraften Seesener zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesprochen wurde.