Seesener (23) schlägt mit Metall-Schlagstock auf Kopf ein

Richter Frank Rüger verurteilt Altenpflegehelfer wegen gefährlicher Körperverletzung zu einjähriger Freiheitsstrafe

Ordentlich gekleidet und wie der perfekte Schwiegersohn sitzt er da. Die Hände fein säuberlich auf dem Tisch ineinander gefaltet, den Blick gesenkt. Erst wenn sich der Kopf mit dem Dreimillimeterhaarschnitt hebt und die eisblauen Augen nervös den Blickkontakt zur Lebensgefährtin suchen, ist die gespielte Coolness zu erkennen.
„Er“ sitzt nicht etwa am Kaffeetisch der zukünftigen Schwiegereltern, sondern auf der Anklagebank neben seinem Pflichtverteidiger, ist 23 Jahre alt und wegen Körperverletzung angeklagt. Am 1. September 2012 fühlte sich der Angeklagte sicherlich um einiges stärker: nachdem er sich in einer Seesener Kneipe mit diversen alkoholischen Getränken – wie er selbst sagt – „abgeschossen“ hatte, stieg sein Aggressionspotenzial ins Unermessliche. Die unkontrollierte Kraft entlud sich wenig später – nach „Zapfenstreich“ – auf Kosten eines 29-jährigen Seeseners.
Nach einer verbalen Auseinandersetzung in den frühen Morgenstunden trat der 23-jährige Altenpflegehelfer zunächst auf den 29-Jährigen ein. Als dieser aufstand, um sich zur Wehr zu setzen, zückte der Angeklagte einen Metall-Schlagstock und schlug auf den späteren Geschädigten ein. Zunächst traf er den Arm des 29-Jährigen, mit dem dieser versuchte, die Schläge abzuwehren. Nachdem dies zu keinem „Ergebnis“ führte, versetzte der Angeklagte dem 29-Jährigen ohne mit der Wimper zu zucken mehrere Schläge mit der Wuchtwaffe auf den Kopf. Erst als der Geschädigte stark blutend zu Boden ging, machte sich der 23-Jährige aus dem Staub.
„Sie haben ein zu hohes Aggressionspotenzial und rasten mir zu schnell aus!“, erklärte der Vorsitzende Richter Frank Rüger mit einem Blick auf das Vorstrafenregister. Das letzte Mal verlängerte Rüger die Bewährung einer Jugendstrafe. Wegen Körperverletzung. Damals hatte er seine Freundin misshandelt. Rechtskräftig wurde das Urteil am 30. August 2012. Einen Tag vor der nächsten Tat. „Die Rückfallzeit ist nicht zu unterbieten“, so Rüger.
Der 29-jährige Geschädigte erlitt starke Prellungen und Blutergüsse an Handgelenk, Oberarm und Oberkörper sowie eine etwa acht Zentimeter lange Platzwunde am Hinterkopf. Inzwischen erhält er Schmerzensgeldzahlungen von dem Angeklagten, der sich vor dem Seesener Amtsgericht schuldbewusst zeigte und den Geschädigten um Verzeihung bat. Für Rüger ein Umstand, der selbstverständlich ist und kein milderes Urteil zulassen sollte.
Auch die Tatsache, dass der Angeklagte inzwischen einer Arbeit nachgeht und die neue Lebensgefährtin kontinuierlich ihren kleinen Babybauch im Verhandlungssaal rieb, änderte am Sachverhalt nichts.
Richter Frank Rüger verurteilte den unter Bewährung stehenden 23-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer einjährigen Freiheitsstrafe. Ohne Bewährung. „Die schwere Körperverletzung liegt im oberen Bereich. Das ist kein Pappenstiel, der Geschädigte hätte auch sterben können. Ich kann es nicht verantworten, eine dritte Bewährung in Folge zu geben“, so Rüger abschließend.