Seesener (44) muss für einen Monat ins Gefängnis

Verfahren wegen Körperverletzung eingestellt / Wegen Diebstahl geringwertiger Sachen verurteilt

Seesen (hz). Zu einer einmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung wurde ein 44-jähriger Seesener am Mittwoch von Richter Frank Rüger verurteilt. Der Angeklagte wurde von einem Justizbeamten in den Verhandlungssaal geführt. Die vergangenen Wochen hatte er in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf verbracht, weil er den eigentlichen Verhandlungstermin am 29. Juni dieses Jahres „verschwitzt“ hatte.
Sichtbar vom langjährigen Alkoholkonsum gezeichnet, nahm der Seesener vor dem Vorsitzenden Richter Frank Rüger Platz. Wie ein Häufchen Elend saß er auf der Anklagebank. Den Kopf zwischen die Schultern gezogen, die tätowierten Unterarme vor der Brust verschränkt.
Angeklagt war der 44-Jährige gleich in zwei Fällen. Wegen Diebstahls und Körperverletzung. Zur Tat: Am 30. April dieses Jahres ging bei der Polizei ein höchst seltsamer Anruf ein. Der Angeklagte selber hatte zum Telefonhörer gegriffen um den Beamten mitzuteilen, dass er soeben einen seiner Zechkumpanen in seiner eigenen Wohnung zusammengeschlagen habe. Vor Ort erwartete die Polizisten eine „Party der etwas anderen Art“.
Während zwei Bekannte des Angeklagten in der Badewanne saßen, hatte sich der 44-jährige Gastgeber mit seinem dritten Bekannten in eine Schlägerei im Wohnzimmer verstrickt. Der Geschädigte trug eine Schürfwunde am Wangenknochen sowie eine Einblutung in Mund und Auge davon. Schmerzen hatte er jeoch nicht – vermutlich aufgrund der starken Alkoholisierung notierten die Beamten in ihrem späteren Bericht. Auch ein Alkoholtest war nicht möglich. Die beiden Männer waren derart betrunken, dass sie weder in das Röhrchen pusten, noch vernünftig sprechen konnten.
Erinnern konnte sich der Angeklagte an nichts. „Ja, haben Sie den gar keine Zellerchen mehr?“ fragte Richter Frank Rüger den Mann ohne jegliches Erinnerungsvermögen. Nein. Seit der Angeklagte seine damalige Frau mit seinem besten Kumpel im Ehebett erwischt hatte, hatte er nicht wieder Fuß fassen können. Mehr als zehn Flaschen Bier konsumiert er täglich. Und das seit 1992. Richter Frank Rüger stellte das Verfahren wegen Körperverletzung ein. Der Geschädigte selber hatte keine Anzeige erstattet und alle waren so betrunken, dass keiner mehr wusste was genau passiert war.
Der Anklagevorwurf des Diebstahls sollte ihn schwerer belasten. Am 5. April dieses Jahres hatte der 44-Jährige eine CD von Madonna im Wert von 9,99 Euro stehlen wollen. Beim Zahlvorgang an der Kasse fiel ihm diese jedoch aus der Jackentasche.
Insgesamt elf Vorstrafen befinden sich in dem Registerauszug des Angeklagten. Der Staatsanwalt plädierte auf eine viermonatige Freiheitsstrafe. Richter Frank Rüger hingegen verurteilte den Seesener wegen des Diebstahls geringwertiger Sachen zu einer Freiheitsstrafe von einem Monat. Man dürfe den Bezug zwischen Tat, Täter und Strafrahmen nicht verlieren, so die Urteilsbegründung.