Seesener fliegt Seesener nach Süditalien!

Wiedersehen über den Wolken: Flugkapitän Gunnar Kopp (Seesen) – hier mit Livio Mazzeo – flog die Vorharzstädter nach Neapel.
 
Die Ruinenstätte Paestum kündet von griechischer und römischer Baukunst.

Gunnar Kopp im Germanwings-Cockpit / Partnerstadt Montevorvino Rovella besucht / Paestum, Capri, Küstenstraße

Die Menschen zusammenbringen: Das ist für den Partnerschaftsverein Seesen – Montecorvino Rovella, der Jahr für Jahr im Frühling eine Tour nach Südita­lien unternimmt, eine Herzensangelegenheit. Doch nicht nur die Vereinsmitglieder interessieren sich für die 12700-Seelen-Kommune, immer mehr Vorharzstädter packen ihre sieben Sachen, um hinter die Kulissen der in der Provinz Salerno/Kampanien idyllisch gelegenen Kleinstadt zu blicken. In der vergangenen Woche beispielsweise startete eine Reisegruppe mit „Dolmetscher“ Livio Mazzeo, der in Montecorvino Rovella das Licht der Welt erblickte, voll durch; der Vater des Wahl-Seeseners war übrigens einer der ersten italienischen Gastarbeiter, die zu Beginn der 60er-Jahre vom damaligen Seesener Bürgermeister höchstpersönlich am Bahnhof begrüßt wurden.
Die luftige Reise von Hannover nach Neapel beginnt mit einer faustdicken Überraschung, denn: Am Steuerknüppel des German­wingsfluges 4U3862 sitzt Flugkapitän Gunnar Kopp – ein Seesener, der die Seesener bei traumhaftem Sommerwetter gen Süditalien fliegt. Klar, dass nach der Landung in Neapel ein Erinnerungsschnappschuss im Cockpit fällig ist.
Am Flughafen der Millionenmetropole wartet bereits Mazzeo-Schwager Lino Farabella, der die Vorharzer per gechartertem Bus nach Montecorvino Rovella kutschiert. Vor den Toren der Partnerstadt machen die Seesener an einem Bahnübergang mit dem regen Zugverkehr Süditaliens Bekanntschaft: Wenn die Schranke erst einmal unten ist, dann kann es lange dauern, bis es wieder „grünes Licht“ gibt. Unter dem Motto „Nur keine Eile“ haben dann schon mal vier bis fünf Züge en bloc „Vorfahrt“...
In Montecorvino Rovella angekommen, werden die Ausflügler für die erlittenen Reisestrapazen nachhaltig entschädigt: Das funkelnagelneue Hotel „Albergo Le Dodici Lune“ befindet sich im historischen Zentrum der Stadt und lässt keine Wünsche offen. Allerdings: Die Annehmlichkeiten der Nobel-Herberge stehen nicht im Fokus, vielmehr sind Sightseeing und Nahrungsaufnahme angesagt. Wohl dem, der einen Lino Farabella an Bord hat; ein Insider, der weiß, wo’s am besten schmeckt. Die Wahl des Ristorantes „Heaven“ in Pontecagnano entpuppt sich als Volltreffer. Während die Weine weniger himmlisch munden, sind die kredenzten Gaumenfreuden – allen voran der Büffelmozzarella – vom Aller­feinsten. Fazit: Ein erlebnisreicher erster Tag.
Nach einer kurzen Nachtruhe stellt sich der „gebuchte“ Busfahrer Paolo vor und kurvt die Seesener sicher durch traumhafte Landschaften. Erstes Ziel ist Paestum ­ – eine als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannte Ruinenstätte, die unter anderem von den Baukünsten der Griechen kündet. Nach der schweißtreibenden Exkursion lassen die Seesener in Montecorvino Rovella die Seele baumeln; auch und gerade im „Café Centrale“, in dem die Bestellung eines Getränks eine nicht enden wollende Flut von kulinarischen Köstlichkeiten zum Nulltarif nach sich zieht. Kostenlos ist auch das musikalische Beiwerk – in der pulsierenden City, in der die Nacht zum Tage gemacht wird, ist an jedem August-Tag Party angesagt; den Seesenern gefällt’s sichtlich.
Nur vier Tage in Süditalien – da muss man Prioritäten setzen. Ganz oben auf der Wunschliste, die, zeitlich bedingt, leider nicht bis zum Ende abgearbeitet werden kann, steht die atemberaubende Amalfiküste. Als „Perle“ gilt das ehemalige Fischerstädtchen Positano. Es ist terrassenartig in Richtung Meer abfallend angelegt und eine wahre Touristenhochburg; ein „melting pot“ – und mittendrin die Seesener, die das Kleinod nach einer Schiffstour erkunden. Zurück geht’s per Bus auf der Küstenstraße – Paolo hat hier auch in brenzligen Situationen die Ruhe weg. Bevor sich die Vorharzer wieder ins pralle Nachtleben der Partnerstadt stürzen, wird ein Sprung ins feuchte Element gewagt – die Bademöglichkeiten am Meer sind, mit oder ohne Eintritt, breit gefächert. Nach der Abkühlung in den wohltemperierten Fluten nimmt Livio Mazzeo in Montecorvino Rovella eine Reisegruppenauszeit und macht in Familie: Er schließt zwei Schwestern in seine Arme, bestaunt die süßen Werke der Konditorin Gina – eine Tochter Lino Farabellas – und besucht mit „Beobachter“-Redakteur Gerd Jung im Schlepptau den städtischen Friedhof und die Großbaustelle unweit der Kirche Madonna dell’Eterno. Hier entsteht ein mit EU-Mitteln gefördertes Planetarium, das als Forschungsprojekt ausgewiesen ist; ein Besucherplanetarium gibt’s in der Partnerstadt schon seit Jahrzehnten.
„i“-Tüpfelchen der Süditalien-Reise ist der Besuch der traumhaften Felseninsel Capri, auf der der deutsche Industrielle Friedrich Alfred Krupp seine Spuren hinterlassen hat. Der von ihm am Steilhang des Monte Castiglione angelegte historische Serpentinenweg an der Südküste ist knapp 1400 Meter lang und drei Meter breit – eine Touristenattraktion.