Seesener Kirchengemeinden nicht betroffen

Das Kirchenzentrum St. Andreas in Seesen.

Der Kirchenverband Goslar hat 500.000 Euro in griechische Staatsanleihen investiert / Geld ist wohl verloren

Die Nachricht, dass der Kirchenverband Goslar 500.000 Euro in griechischen Staatsanleihen angelegt hat und diese jetzt vermutlich zu einem großen Teil abschreiben muss, hat nach aktuellen Informationen keine Auswirkungen auf die evangelische Kirchengemeinde St. Vitus und St. Andreas.
Das heikle Finanzgeschäft, das im Rahmen der Tagung der braunschweigischen Landessynode am vergangenen Wochenende öffentlich wurde, wird in Seesen kritisch gesehen. Probst Thomas Gleicher bezeichnete die Entscheidungen des Kirchenverbandes Goslar im Gespräch mit dem „Beobachter“ als falsch. „Grundsätzlich ist es ja vernünftig gebildete Rücklagen solide anzulegen. Was in Goslar mit den griechischen Staatsanleihen geschehen ist, war aber falsch und muss jetzt schnellstmöglich geklärt werden“, so Probst Gleicher.
Inwieweit die Probstei Seesen von den riskanten Geldgeschäften betroffen ist, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. „Die Stiftung „Kirche in unserer Zeit“ und das Altenpflegezentrum St. Vitus sind von dieser Angelegenheit auf jeden Fall nicht betroffen. Und auch die Kirchengemeinde St. Vitus und St. Andreas verliert dadurch keinen einzigen Cent“, so Probst Gleicher. Das Geld der Kirchengemeinde liegt bei der zentralen Geldverwaltung der Landeskirche, und auf einem Konto bei der Volksbank in Seesen.
Probst Gleicher vermutet, dass die Landeskirche für den entstandenen Schaden aufkommen wird: „Die Kirchengemeinden werden nach meiner Einschätzung keine Nachteile haben.“
Insgesamt hat der Kirchenverband Goslar Rücklagen in Höhe von vier Millionen Euro gebildet. 500.000 Euro davon wurden im Jahr 2010 in griechische Staatsanleihen investiert. 100.000 Euro davon mussten beim ersten Schuldenschnitt Griechenlands bereits abgeschrieben werden. 85.000 Euro, die durch durch Europäischen Rettungsschirm (ESM) abgedeckt waren, konnten verkauft werden. Es steht jetzt also noch eine Summe von 315.000 Euro zu Buche auf die der Kirchenverband langfristig nicht zurückgreifen kann.
Auch, wenn sich der finanzielle Schaden inzwischen relativ gut einordnen lässt, muss doch mit einem erheblichen Imageschaden gerechnet werden. Ob die Geldbeutel der Kirchgänger in der bevorstehenden Weihnachtszeit tatsächlich soweit offen sind, wie es normalerweise der Fall ist, darf bezweifelt werden.