Seesener Künstler „in der Tradition von Wilhelm Busch“

Vernissage im Immobilienzentrum der Braunschweigischen Landessparkasse. Fotos: Jung
 
Gertpeter Zeuch präsentierte einige seiner Karikaturen – veröffentlichte und unveröffentlichte.

Karikaturen von Gertpeter Zeuch im Rampenlicht / Vernissage im Immobilienzentrum der Braunschweigischen Landessparkasse

Seesen (G. J./bo). Die Braunschweigische Lan- dessparkasse wird künftig im Schulterschluss mit der Stadt Seesen im Immobilienzentrum in der Poststraße 14 Kunstausstellungen präsen- tieren. Anlässlich der ersten Vernissage machte Winfried Barkschat, Leiter der Braun- schweigischen Landesspar- kassen, Hauptniederlassung Seesen, deutlich, dass es in der Vorharzstadt zahlreiche Künstler mit sehr viel Talent, mit kreativer Ader und faszinierenden Techniken gäbe, denen man eine Plattform für ihre Arbeiten bieten wolle. Zu diesen Künstlern gehöre auch der Seesener Karikaturist Gertpeter Zeuch.
Zeuch zeichnet seit Januar 2008 exklusiv für die Wolfsburger Nachrichten die „Karikatur der Woche“. Ob es um den Machtkampf der beiden Gewerk- schaftsführer Hück (Porsche) und Osterloh (VW), um das Mitbestimmungsgesetz geht oder um das Zweiklassen-Urteil zwischen Hartz und Volkert, die 70 Jahrfeier von Wolfsburg, den großen Abhörskandal im Riz Carton oder Angela Merkels glückliche Hand beim Ziehen des Glücksloses der Frauenfuß- ball-WM 2012 als Austragungsort – egal. Die Themen sind branntaktuell und werden von Zeuch mit spitzer Feder jede Woche zu Papier gebracht. Aufmerksame „Beobachter“-Leser werden in den verflossenen Monaten festgestellt haben, dass Gertpeter Zeuch auch in der Seesener Tageszeitung Themen respektive Ereignisse in Kooperation mit der Redaktion kari- kiert; erinnert sei nur an den Aprilscherz „Tor zum Harz“.
Bürgermeister Hubert Jahns unterstrich in seinen Betrachtun-
gen, es sei wichtig und notwendig, vor Ort Künstler zu fördern und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, sich mit ihrer Kunst darzustellen. Gertpeter Zeuch,
meinte Jahns, habe sich in Seesen schon in vielfältiger Weise künstlerisch bemerkbar gemacht. Dass Zeuch jedoch auch Karikaturen zeichne, habe ihn, Jahns, überrascht. Die Karikatur, befand der Bürgermeister, sei etwas ganz Be- sonderes. Sie sei eine Momentaufnahme, die vom Künstler pointiert auf einen Punkt gebracht werde. Die Karikatur übertreibe bewusst, spitze zu unüberzeichne charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person, um durch den transparent gemachten Kontrast zur Realität und die aufgezeigten Widersprüche den Betrachter zum Nachdenken zu bewegen – und die Phantasie in Gang zu set- zen. Das journalistische Zeichnen fordere beiden – Künstler und Betrachter – einiges ab. Sie müssten sich mit der Materie intensiv beschäftigen, denn nur so könne die „Botschaft“ des Karikaturisten „ankommen“ und zum intellektuellen Spaß avancieren. In diesem Zusammenhang erinnerte Jahns an die Bilderge-schichten von Wilhelm Busch und zeigte Parallelen zu den politischen und sozialkritischen Zeichnungen Zeuchs auf. So gesehen führe der Seesener Künstler die Tradition Buschs fort. – Gertpeter Zeuch erläuterte seinen Arbeitsstil, das journalistische Zeichnen, das es in dieser Art in Deutschland noch nicht gegeben habe. Sein Ziel sei es, eine Symbiose mit den Journalisten zu finden. Karikaturen für die „Wolfsburger Nachrichten“ zu zeichnen, bedeuteten Teamwork mit den Schreibern sowie hohes konzentriertes Arbeiten unter Zeitdruck. Letztlich mache das Spannungsfeld zwischen Bild und Text den Reiz aus. Seine Karikaturen, befand Zeuch, seien nicht zum lauten Brüllen, sondern zum Schmunzeln und zum Nachdenken angelegt. – Übrigens: Die Ausstellung, die unter der Mitarbeit von Margarete Nussbaum konzipiert wurde, ist zu den Öffnungszeiten des Immobilienzentrums zu sehen.