Seesener spendeten bereits Stammzellen

Stefan Fingerling ließ sich vor fünf Jahre typisieren. Nur wenige Monate später bekam er den Bescheid von der DKMS, dass er die lang ersehnte Nadel im Heuhaufen für einen Patienten sein könnte.
 
Stabsunteroffizier Paul Hagendorf typisierte sich vor vier Jahren bei einer Registrierungsaktion vor Ort und kam zwei Jahre später tatsächlich als Lebensretter in Betracht . „Ich habe im Krankenhaus in Hameln dann erfahren, dass ich einem 42-jährigen Mann aus Kanada helfen würde.“

Familie und Freunde bangen um Dominiks (23) Leben / Sonntag große Typisierungsaktion in Ildehausen

Die weltweite Suche nach einem passenden Lebensretter für Dominik läuft auf Hochtouren. Wie viele Menschen bereit sind zu helfen, und sich am Sonntag in Ildehausen als potenzielle Stammzellspender in die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) aufnehmen lassen, wird sich zeigen. Dafür zählt jeder Euro. Um möglichst viele Typisierungen am Aktionstag finanzieren zu können, ist die finanzielle Unterstützung durch die Bevölkerung dringend erforderlich.
Drei Seesener, darunter Stefan Fingerling und Paul Hagendorf, spendeten bereits Stammzellen für einen ihnen zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten Patienten. Mit ihren Erfahrungen möchten sie nun die Menschen in der Region dazu ermutigen, sich ebenfalls als Stammzellspender registrieren zu lassen.
„Als wir erfuhren, dass Dominik Blutkrebs hat und nur durch eine Stammzellspende überleben kann, haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt und tun alles Menschenmögliche, um zu helfen – selbst Familie und Schlaf kommen derzeit zu kurz“, erklärt Tanja Gudehus, eine der Initiatorinnen und Freundin der Familie.
Um bei der Suche nach einem passenden Spender für Dominik keine Zeit zu verlieren, organisiert die Initiativgruppe deshalb gemeinsam mit der DKMS eine Registrierungsaktion in der Hoffnung, dass viele Menschen dem Aufruf folgen.
„Im Moment bereitet uns jedoch eine Sache Kummer: Es fehlt noch Geld“, berichten die Organisatoren.
Da die Bestimmung der Gewebemerkmale im Labor sehr aufwändig und teuer ist, entstehen der DKMS für die Neuaufnahme eines jeden Spenders Kosten in Höhe von 50 Euro.
Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen getragen, so dass die gemeinnützige Gesellschaft allein auf Spendengelder angewiesen ist, um die Typisierungskosten zu finanzieren. Jeder Betrag – ob groß oder klein – der auf dem Spendenkonto eingeht, finanziert die Spenderneugewinnung und verbessert dadurch die Überlebenschancen für Dominik und andere Patienten weltweit. Deshalb wurde ein Spendenkonto angelegt, auf das jeder spenden kann.

DKMS-Spendenkonto:
IBAN
DE12100708480151231814,
BIC
DEUTDEDB110

Auch am Aktionstag selbst kann Geld gespendet werden, bar oder mit EC-Karte. Über 500 Seesener haben den ersten Schritt bereits getan und sich als potentielle Stammzellspender bei der Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen. Was es aber bedeutet, tatsächlich die Chance auf Leben zu schenken, erklären die beiden Seesener, die bereits gespendet haben.
Stefan Fingerling ließ sich 2009 anlässlich eines Fernsehberichtes für ein todkrankes Kind registrieren. Nur wenige Monate später bekam er den Bescheid von der DKMS, dass er die lang ersehnte „Nadel im Heuhaufen“ für einen Patienten sein könnte.
Nach umfassender Aufklärung, Betreuung und Voruntersuchung bestätigte sich die seltene Übereinstimmung der Gewebemerkmale. Nach Verschiebung aufgrund des instabilen Gesundheitszustandes des Patienten, wurden die Stammzellen bereits wenige Wochen nach dem ersten Bescheid peripher aus der Armvene entnommen.
„Der Entnahmeprozess in der Klinik in Hameln war nicht schwierig. Ich konnte dabei Fernsehen und es dauerte zirka drei Stunden. Ich habe erfahren, dass ich für einen kranken Mann in meinem Alter gespendet habe, leider erreichte mich die Nachricht, dass er kurze Zeit später verstorben ist. Ich würde auch in Zukunft, wenn es nötig wäre, wieder spenden. Als sehr angenehm empfand ich während dieser Zeit die Begleitung durch die DKMS“, so der 46-jährige Erzieher, der dem Patienten mit seiner Spende trotzdem Mut und Hoffnung schenken konnte.
Paul Hagendorf typisierte sich vor vier Jahren bei einer Registrierungsaktion vor Ort und kam zwei Jahre später tatsächlich als Lebensretter in Betracht. „Nach dem ersten Bescheid ging es sehr schnell. Ich bekam viele Informationen per Mail, telefonisch und per Post, aber als dann ein Kurier der DKMS in meine Kaserne kam und dort Blutproben von mir mitgenommen hat, war mir klar: da gibt es für mich kein Zurück mehr. Jetzt möchte man unbedingt helfen. Dann kam erneut Post, dass ich zu 99 Prozent der Richtige wäre, was ein schönes Gefühl war. Einige Tage später wurde ich nach Hameln eingeladen, um einige Tests durchzuführen. Und dann war es soweit: der Tag war gekommen. Ich habe direkt Sonderurlaub von meinem Chef bekommen, weil er sowas auch noch nicht erlebt hatte. Ich war drei Tage im Hamelner Krankenhaus. Am ersten Tag war die Aufnahme und einige Gespräche sowie die Entnahmen am zweiten Tag. Am dritten Tag fand eine Nachkontrolle statt. Vom Eingriff habe ich nichts mitbekommen, da es unter Vollnarkose geschah. Ich war anfangs sehr aufgeregt, da es meine erste OP mit 20 Jahren war, aber die Ärzte und das Klinikpersonal haben mich sehr gut aufgeklärt und informiert. Ich habe mich in ihren Händen sicher gefühlt. Schmerzen hatte ich anfangs und während der OP keine, als ich aus der Narkose erwachte, habe ich im Becken-Rückenbereich ein unangenehmes Gefühl gehabt. Es fühlte sich an, als ob ich mich verhoben hätte. Das erste Mal Aufstehen war unangenehm und man war sehr steif, für mich war es nicht der Rede wert. Ich war unendlich glücklich, einem Menschen geholfen zuhaben. Ich habe im Krankenhaus in Hameln dann erfahren, dass ich einem 42-jährigen Mann aus Kanada helfen würde. Mir ging dort die ganze Zeit durch den Kopf... „Wenn es mein Vater wäre“. Für mich wäre es keine Frage mehr, ob ich es erneut tun würde. Dieser kleine Eingriff für mich hat einem anderen Menschen das Leben gerettet, was kann es Schöneres geben? Dessen Familie hat einen wichtigen Menschen behalten und ihnen sehr viel Leid erspart. Es ist jetzt 36 Monate her, leider hat sich der Mann bei mir noch nicht gemeldet, jedoch hoffe ich weiterhin auf eine Rückmeldung, um Kontakt zu ihm aufzunehmen“, so der 23-jährige Stabsunteroffizier zu seiner Spende.
Paul Hagendorf ruft die Region auf Solidarität und Nächstenliebe zu zeigen und sich bei der DKMS zu registrieren: „Ich kann nur jeden animieren sich zu registrieren, es kann jeden treffen! Ich habe ein Leben gerettet. Das ist ein besonderes Gefühl, was mich lebenslang begleiten wird. Am Sonntag ist es soweit. Geht zur Registrierung für unseren Dominik und vielen anderen Menschen, die erkrankt sind.“
Die Registrierungsaktion findet am Sonntag, 30. März, von 12 bis 18 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Ildehausen, Lange Reihe, 38723 Seesen, statt. Jeder kann helfen. Gesunde 18- bis 55-Jährige können sich als potenzielle Stammzellspender aufnehmen lassen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.dkms.de.