Seesener wollte Milliardär mit Bordell-Fotos erpressen

Hausmeister erleichtert Araber um 180.000 Euro / Landgericht verurteilt ehemaligen Klinik-Mitarbeiter zu Hafstrafe

Wegen gewerbsmäßigen Betruges, Urkundenfälschung sowie versuchter Nötigung muss ein Seesener für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Der Mann, so berichtet es die Goslarsche Zeitung am Wochenende, hatte unter anderem versucht, einen Milliardär aus Katar zu erpressen, indem er drohte, Bordell-Fotos des Arabers zu veröffentlichen, wenn dieser nicht von einer Strafanzeige absehe.
Zur Vorgeschichte: Der vom Landgericht Braunschweig verurteilte Seesener hatte in den Asklepios Kliniken Schildautal als Betreuer für Patienten aus der arabischen Welt gearbeitet. Die hiesigen Kliniken genießen in der Golfregion einer sehr guten Ruf, zahlreiche Patienten aus dem arabarischen Raum lassen sich hier behandeln.
Und so kam der Kontakt zwischen dem Seesener und dem Milliardär aus Katar zustande. Nicht allein das. Der Araber erwarb in Seesen ein Haus mit Grundstück und stellte den Betreuer als seinen persönlichen Hausmeister und ein. Das Vertrauensverhältnis nutzte der Seesener dann aber zusehends aus. Er hob Geld mit der EC-Karte des Milliardärs ab, fälschte Banküberweisungen oder sackte eine Spende für gemeinnützige Zwecke ein. Später soll er sich 40.000 Euro Geld geliehen habe, gleichwohl er wusste, dass er diesen hohen Betrag gar nicht zurückzahlen konnte.
Schließlich war der Mann so dreist, dass er den Audi Q7 des Arabers kurzerhand verkaufte und das Geld für sich behielt. Das konnte nicht lange gute gehen. Als der Milliardär seinem untreuen Hausmeister allmählich auf die Schliche kam und anzeigte, drohte der Hausmeister, kompromittierde Bilder aus dem Rotlicht-Milieu öffentlich zu machen. Der gläubige Moslem soll auf den Bildern zu sehen sein, wie er Bordelle besucht oder Alkohol trinkt. Doch der Moslem spielte dieses Spiel nicht mit und zeigte den Seesener zusätzlich wegen Nötigung an. Im Februar dieses Jahres wurde der Hausmeister festgenommen und saß seither in Untersuchungshaft.
Dass das Urteil am Ende relativ milde ausfiel, hängt auch damit zusammen, dass sich der Seesener geständig zeigte. Er habe Unrecht begangen und wolle die Verantwortung tragen, erklärte er dem Richter Pedro de Serra de Oliveira vor der 4. Kammer des Landgerichts Braunschweigs.
Ohne das Geständnis hätte der Prozess sich durchaus ein halbes Jahr hinziehen können. Nun ging alles ganz schnell. Bereits am zweiten Prozesstag wurde in der vergangen Woche das Urteil gesprochen. Wie Richter Serra des Oliveira befand, wurde es dem Angeklagten relativ leicht gemacht, die Taten zu begehen, die Staatsanwaltschaft sprach zudem von einem hohen Maß an krimineller Energie.