Sicherheit der Amphibiensammler geht vor

Bernd Schwarz zeigt den zerfetzten Amphibienschutzzaun; rechts sind die tiefen Spurrillen deutlich erkennbar. Nicht auszudenken, wenn hier ein Helfer gestanden hätte. (Foto: Knoblich)

Rhüdener Naturschützer wollen zur „Wandersaison“ Tempo-50-Begrenzung

Rhüden (kno). Sich für den Amphibienschutz einsetzen – gut und schön, aber dafür das eigene Leben und das der Helferinnen und Helfer aufs Spiel setzen, das ist dem Rhüdener Bernd Schwarz dann doch zuviel des Guten. Dem Naturschützer ist immer noch ganz mulmig zumute.
Der Reihe nach: Mit einer Handvoll weiterer Mitstreiter engagiert sich Schwarz ehrenamtlich in der Rhüdener Amphibiensammelgruppe. Als eine von vielen im Kreisgebiet, betreut sie den etwa 500 Meter langen Abschnitt an der L 466 zwischen Heberbaude und Glashütte. An dieser Stelle machen sich jedes Jahr zu Frühlingsbeginn Hunderte von Kröten, Fröschen und Molchen auf den Weg zum nahegelegenen Laichgewässer. Das Problem: Auf dem Weg dorthin müssen sie besagte L 466 überqueren. Ein tödlicher Marsch, wären da nicht die Amphibiensammler. Sie bauen zu Beginn der „Wandersaison“ einen Schutzzaun auf und graben in Abständen von etwa 20 Metern Eimer ins Erdreich ein. Somit wird verhindert, dass ein Großteil der Tiere von Autoreifen regelrecht platt gemacht wird. Zweimal am Tag – gleich am frühen Morgen und dann noch einmal in der Abenddämmerung – zieht die Gruppe los, um die eingesammelten Tiere auf die andere Straßenseite zu bringen. Der Einsatz lohnt sich. Mehr als 2000 Tieren dürfte man in den vergangenen vier bis fünf Wochen das gefahrlose Überqueren der Straße ermöglicht haben, schätzt Bernd Schwarz. Doch die Arbeit ist auch mit gewissen Risiken verbunden. Das hat sich zu Beginn dieser Woche gezeigt. Am Dienstagvormittag muss wohl ein Lkw im Kurvenbereich auf besagtem Streckenabschnitt von der Fahrbahn abgekommen und in den Graben gerutscht sein. Das verraten zumindest entsprechende tief eingegrabene Spurrillen. Dabei wurde ein großer Abschnitt des Amphibienzauns zerstört. Halb so schlimm, schließlich kann man diesen ja ersetzen. „Nicht auszudenken aber, wenn genau in diesem Moment einer unserer Helfer dort tätig gewesen wäre. Das hätte wohl niemand überlebt“, sagt Bernd Schwarz besorgt. Als stellvertretender Rhüdener Ortsbürgermeister möchte der Sozialdemokrat nun für seine Fraktion einen Antrag stellen und diesen mit seinen Ortsratskollegen beraten. Demnach soll zumindest für die Zeit der Amphibienwanderung auf dem betreffenden Teilstück der L 466 Tempo 50 gelten – zum Schutz der die Tiere und den der Helferinnen und Helfer.