Sie gehören zu den wahrhaft Berufenen

Auf höchstem Niveau: das Moskauer Klaviertrio.

Moskauer Klaviertrio brilliert in St. Andreas / Eines der ganz großen Konzerte der vergangenen Jahre

Das Moskauer Klaviertrio mit zwei riesigen Werken der russischen Spätromantik in der Seesener St.-Andreas-Kirche. Wieder gab es eine Einführung, die man nicht versäumen sollte. Martin Weller ist ein Glücksfall, seine Natürlichkeit und sein Wissen begeistern.
Betrat man die Kirche, so erstaunte doch einiges. Spärliche Beleuchtung und zwei merkwürdige Stuhlkonstruktionen fielen auf. Das reichte offenbar den Künstlern, nur der Geiger saß normal. Sergej Tanejew hat – genau wie Tschaikowsky – nur ein Klaviertrio geschrieben. Es ist ein sehr umfangreiches und unbekanntes Werk und füllt durchaus den ersten Teil eines Abends. Die Interpretation der drei großartigen Musiker besaß so viel Aussage und Spannung, dass das Publikum 40 Minuten wie gebannt lauschte. Wohlgemerkt für alle eine Uraufführung. Vieles erinnerte an Schumann und Brahms, aber auch an Tschaikowsky und Rachmaninow. Der Pianist Alexander Bonduriansky, der Geiger Vladimir Ivanov und der Cellist Mikhail Utkin, das sind ganz große Künstler, die ihr Handwerk verstehen. Ohne Allüren, ohne Starrummel, einfach nur auf höchstem Niveau musizieren, das tun sie meisterlich und ganz bescheiden. Wie angenehm! Schon der „Pausenapplaus“ war riesig und herzlich. Schreien und Kreischen passen zu einer solch grandiosen Leistung nicht.
Nach der Pause nun der Tschaikowsky. Auch ein riesiges Werk, allerdings mit nur zwei Sätzen. Wie die Künstler allein den Anfang des Trios interpretierten, schöner kann es nicht sein! Herrliches Klavierspiel mit Wucht und Charme, niemals gedroschen oder hart. Die beiden Streicher musizierten wundersam und spielten sich ihre Themen zu. Sie hörten aufeinander – intensiv in der Tongebung und niemals – was bei dieser Musik schnell passieren kann – kitschig oder sentimental. Die Variationen des zweiten Satzes konnte man nun besonders gut wahrnehmen, dank der Einführung von Martin Weller. Ein großer Geiger sitzt immer auf der Stuhlkante, Herr Ivanov auch. Der fahl, ja tragisch schließende Variationssatz bewirkte in dieser Interpretation, dass viele Sekunden lang Stille eintrat. Mit einer heiteren Zugabe von Michael Glinka verabschiedeten sich die Musiker.
Eines der ganz großen Konzerte der letzten Jahre. Das Tripelkonzert von Beethoven, die Braunschweiger, ein guter Dirigent und das Moskauer Klaviertrio, das wäre doch was!