Sinfonisches begeistert mit Weihnachtskonzert

Professor Michael Koch moderierte auch an diesem Abend wieder in bekannter Manier.
 

Musiker deckten von Renaissance bis Rock alle Musikrichtungen ab / Dirigent Nicolas Köb würdigen Abschied beschert

Das Weihnachtskonzert in der Aula des Schulzentrums an der St.-Annen-Straße ist in jedem Jahr ein ganz besonderes Ereignis für das Sinfonische Blasorchesters des MTV Seesen und seine treuen Konzertbesucher.

Leute eben, die sich nach den Festtagen an populärer Blasmusik erfreuen wollen. Denn die festliche Stimmung des noch nicht ganz zurückliegenden Weihnachtsfestes, in der sich die meisten der Besucher an diesem „dritten Weihnachtstag“ noch befinden und die gelöste Stimmung auf den bevorstehenden Jahreswechsel harmonieren ganz ausgezeichnet mit dem Klang der sinfonischen Blasmusik. Daher war die Aula auch fast bis auf den letzten Platz besetzt, kommt die Vielfalt dieses Genres im Rahmen eines jeden Weihnachtskonzertes besonders gut zum Ausdruck.
Leider war das Orchester an diesem Abend zum letzten Male unter der Leitung von Dirigent Nicolas Köb hier in Seesen zu Gast. Köb, der trotz seines noch relativ jungen Alters auf eine beachtliche musikalische Laufbahn zurückblicken kann, trat ursprünglich als Querflötist dem Orchester bei. Bereits 2007 übernahm er mit kurzen Unterbrechungen die verantwortungsvolle Aufgabe des Dirigenten, die er mit kurzen Unterbrechungen wahrnahm und die er nun mit diesem Konzert des sinfonischen Blasorchesters hier in Seesen beendet. Aus beruflichen Gründen wird er aus den rauen Gefilden des Harzes in das wesentlich mildere Klima rund um den Bodensee wechseln.
Doch nun zum Konzert selbst: Schon der erste Teil umfasste diesmal die gesamte Bandbreite von „klassisch“ bis „rockig“, wobei „Cassiopeia“ ein erstes Highlight bildete, eine Fantasie für sinfonisches Blasorchester von Charlos Marques. Der Portugiese, der sich besonders durch gefühlvolle Melodien auszeichnet, setzt hier die Geschichte der äthiopischen Königin Kassiopeia eindrucksvoll in Klänge um. Von ungewöhnlichem Charakter zeigte sich „The Joust“, die musikalische Darstellung eines mittelalterlichen Ritterturniers. Neben der „normalen“ Orchesterbesatzung kam hier auch Eberhard Willeke als Gastspieler zum Einsatz, der mit einer Soloeinlage auf seiner E-Gitarre den rockigen Charakter dieses Arrangements unterstrich. Zusammen mit „Pastime with good Company“, basierend auf einer Melodie des englischen Königs Heinrich VIII., brachte dieses Stück „Sehusafest-Flair“ in die Weihnachtszeit und ließ Ritterkämpfe und höfisches Leben für die Zuhörer lebendig werden.
Doch auch experimentelle Musik fand ihren Platz: Mit „From these Ashes“ von Chuck Elledge brachte das Orchester einen Waldbrand in die Aula, wobei neben den Musikinstrumenten auch viele Alltagsgegenstände zum Einsatz kamen, um die dramatische Geräuschkulisse zu erzeugen. Angefangen vom zunächst kleinen Entstehungsfeuer, über die orkanartig anschwellende Feuersbrunst bis hin zur absoluten Ruhe danach und dem Beginn neuen Lebens aus der Asche.
Der zweite Konzertteil gehörte ganz den Musicals und Filmmusiken mit Arrangements von „Starlight-Express“, „König der Löwen“, „Robin Hood“ und „Glenn Miller in concert“. Dargeboten vom Sinfonischen Blasorchester in einer Perfektion, die kaum einen Unterschied zum Original möglich machte.
Moderiert wurde dieses Konzert durch Professor Michael Koch, der abermals in bekannter Manier dazu beitrug, auch diesen Abend wieder zu einem unterhaltsamen Erlebnis werden zu lassen. Doch neben seiner Moderation hatte er auch die „traurige“ Pflicht, Nicolas Köb als Dirigenten zu verabschieden und diesem einen großen Präsentkorb mit Naturalien zu überreichen. Man merkte es Nicolas Köb an, dass ihm die Trennung von diesem Sinfonischen Blasorchester des MTV Seesen schwer fiel.
Ist es doch eine bunt gemischte Gruppe von Musikern, die fast über das ganze Bundesgebiet verstreut wohnen und sich zweimal im Jahr in großer Orchesterbesetzung zusammenfinden, um einerseits das Kirchenkonzert und andererseits das Weihnachtskonzert zu spielen. Wenn hier auch der Professor neben dem Schüler sitzt und Anfänger neben fortgeschrittenen Musikern, geht es allen trotz des hohen musikalischen Anspruchs mehr um den Spaß und die Freude am gemeinsamen Musizieren als um das Streben nach Perfektion. Mit belegter Stimme wandte Köb sich an das Publikum und bat: „Halten Sie dieses Orchester in guter Erinnerung!“
Klar, dass die Musiker auch an diesem Abend nicht ohne eine Zugabe von der Bühne entlassen wurden. Hierfür hatten sie sich „Starlight Express“ ausgesucht, eine Darbietung, die zum Schluss mit „Standing ovations“ honoriert wurde.
Doch es kann kein Weihnachtskonzert des Sinfonischen Blasorchesters zu Ende gehen, wenn nicht ganz zum Schluss noch „Guten Abend – gute Nacht“ gespielt wird und die Besucher mit diesem lieben Wunsch nach Hause entlassen werden.