So ein Museum gibt es sonst nur noch in New York

 

Vier Museen in einem: Von Jacobson über Spohr und Steinway bis Züchner

Am Freitag, 26. November, erfolgt die feierliche Wiedereröffnung des Städtischen Museum in Seesen. Die Feierstunde wird um 19 Uhr im Kirchenzentrum begangen. Die Zahl der Anmeldungen sprengt den räumlichen Rahmen des Museums. Boulevard Seesen hat sich vorab vor Ort schon mal ein Bild von dem neuen Museum gemacht und mit Bürgermeister Hubert Jahns über das Konzept gesprochen.

Friedrich Orend ist ein gefragter Mann in diesen Tagen. Als Museumsleiter ist er zuständig für die Koordination auf der Baustelle. Orend weiß, wo welcher Ausstellungsgegenstand hingehört und wie er am besten in Szene gesetzt wird. Bei all dem Trubel, der gegenwärtig im Städtischen Museum herrscht, wirkt der Seesener Museumsexperte verhältnismäßig relaxt. Er freut sich auf die Wiedereröffnung.
Gerade bei den Handwerkern ist die Meinung von Orend begehrt. Egal, ob es sich um den Abtransport von Vitrinen handelt oder um die Gestaltung der Wände. Für alle Fragen hat der Museumsleiter ein Ohr und meist sogar die passende Antwort parat. Bei unserem Besuch wirkt es, als würde er durch die Räume des Museums fliegen. Ihn wieder aufzufinden gleicht einem Versteckspiel. Doch, wenn wir ihn einmal wieder gefunden haben und von den Handwerkern loseisen konnten, führt er uns stolz durch die „fast“ fertigen Räume. Natürlich wird überall noch mächtig geschraubt und gebohrt.
Der Schwerpunkt des Museums wird auf der Familie Steinway liegen, deren unfassbare Erfolgsgeschichte in Seesen ihren Anfang nahm. „Eine derartige Ausstellung über die Familie Steinway (zu deutsch Steinweg) ist weltweit einmalig. Einzig in New York gibt es eine vergleichbare Ausstellung“, weiß Bürgermeister Hubert Jahns zu berichten. Der schon über Jahrzehnte andauernde Kontakt der Stadt Seesen zu den Mitgliedern der Familie Steinway habe es ermöglicht, einzigartige Ausstellungsstücke für das Museum zu gewinnen.
Über die Hälfte der oberen Etage erstreckt sich der Ausstellungsbereich über die Geschichte von Steinway & Sons. Den Werdegang der Familie kann man an einer Art Zeitstrahl abschreiten. Die Reise führt den Museumsbesucher von Seesen nach New York, nach Hamburg und Braunschweig. In der Mitte des Raumes werden Instrumente der Firma gezeigt. Als Höhepunkt der Ausstellung wird der erste unter dem Namen Steinway & Sons in New York gefertigte Flügel gezeigt. Es handelt sich um ein so genanntes „Tafel- oder Tisch-Klavier“. „Der ideelle Wert dieses Instruments ist unbezahlbar. Vom tatsächlichen Wert habe ich keine Ahnung“, sagt Orend. Der nächste Raum der Ausstellung entführt die Besucher in die Klangwelt von Steinway & Sons. Im Hörraum sind die Instrumente der begnadeten Instrumentenbauer akustisch zu erfahren. Ach ja, und dann gibt es auch noch so eine Art Weltrekord im neu gestalteten Museum zu bestaunen: die längst Klaviersaite der Welt wird zu sehen sein. Sie misst acht Meter.
Die Räume auf der gegenüberliegenden Seite beschäftigen sich mit der Geschichte Seesens. Die jüdische Synagoge und das Wirken Israel Jacobson`s finden dort Beachtung. Ein Modell der ehemaligen Synagoge steht im Mittelpunkt dieses Ausstellungsbereichs.
In den unteren Räumen des Museums wird die Bedeutung der Firma Züchner und die ersten Jahre des Komponisten Louis Spohr gewürdigt. In den nächstenMonaten soll übrigens ein Buch mit dem Titel: „Die Geschichte der Konservenindustrie in Seesen“ erscheinen. Bürgermeister Hubert Jahns hat dieses Werk in Auftrag gegeben.
Finanziert wurde der 850.000 Euro teure Umbau durch EU-Mittel, bereitgestellt von der N-Bank (Niedersachsen Bank), der Stiftung Nord LB/Öffentliche, der niedersächsischen Sparkassenstiftung und der Stadt Seesen. Der Eintritt, so Jahns, ist zunächst frei. Über welche Dauer dies gewährleistet werden kann, steht noch nicht fest. Jetzt freuen sich erstmal alle auf die Wiedereröffnung, und Boulevard Seesen freut sich mit. mn