Sonnenstrom vom Schildberg

7.400 Sonnenkollektoren werden aktuell am Schildberg aufgestellt. Der Solarpark entsteht auf einer Fläche von rund 12.000 Quadratmetern und wird etwa zwei Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. (Foto: Strache)

Thüringisches Unternehmen baut großen Solarpark in Seesen / Fertigstellung ist Ende September geplant

Von Maximilian Strache,
Seesen

Am Schildberg in Seesen baut die Immitec GmbH aus Weimar (Thüringen) aktuell einen großen Solarpark. In der Region Goslar gibt es nach Angaben von Landkreis-Pressesprecher Dirk Lienkamp aber bereits mehrere Anlagen dieser Größenordnung. Das bekanntestete Beispiel dürfte eine Anlage bei Jerstedt sein. Der Solarpark in Seesen wird mit einer Leistung von rund 1,9 Megawatt jährlich rund 2 Millionen Kilowattstunden erzeugen. Damit können rund 600 Haushalte versorgt und etwa 700 Tonnen CO2 eingespart werden. Das Thema Solar spielte im Gebiet der Stadt Seesen bisher keine besondere Rolle. Bis dato haben eigentlich nur Privathaushalte entsprechende Solarflächen auf ihren Wohnhäusern installiert. Die Größe der Investition am Schildberg ist deshalb vor allem im Hinblick auf die Kürzungen der staatlichen Förderungen bemerkenswert.
Neben der Anlage in Seesen ist die Immitec GmbH gegenwärtig mit dem Bau ähnlicher Projekte in Voigstedt (Thüringen) und Magdeburg (Sachsen-Anhalt) beschäftigt.
Insgesamt erstreckt sich der Solarpark auf einer Fläche von rund 12.000 Quadratmetern. Zur Zeit rammen Arbeiter aus Polen und Litauen im Auftrag der Weimarer Firma die Halterungen in die Erde. 7.400 sind es an der Zahl. Ende September, so der ehrgeizige Plan des thüringischen Solarunternehmens, soll die Anlage fertiggestellt sein.
Die Stadt Seesen, so erklärte es Bauamtsleiter Alexander Nickel auf Nachfrage, hat mit der Genehmigung des Projektes nichts zu tun. Lediglich im Bau- und Umweltausschuss der Stadt wurde das Projekt thematisiert. Die Bauanträge bearbeitet und genehmigt der Landkreis Goslar. Die Seesener Verwaltung war nur bei der Änderung des Bebauungsplanes involviert. Dies liegt aber schon einige Jahre zurück. Seinerzeit entschied man sich dafür, das Gebiet oberhalb der Firma Crown für Gewerbeansiedlungen freizugeben.
Der Landkreis Goslar hat aber bisher nur eine so genannte Teilbaugenehmigung für die Errichtung des Solarparks am Schildberg erteilt. Soll heißen: Bisher dürfen nur die Halterungen für die Anlage in den Boden gerammt werden. Der Bauantrag für die Anbringung der Photovoltaikelemente liegt dem Landkreis aber bereits vor. Die zuständige Behörde befasst sich gegenwärtig mit dem Vorgang. Einer Genehmigung dürfte aber nach Behördenangaben nichts im Wege stehen.
Seesens Bürgermeister Erik Homann bewertet den Bau des Solarparks sehr differenziert. „Kritisch sehe ich vor allem den Flächenverbrauch, der aus dem Bau solcher Anlagen resultiert. Gerade, wenn diese Flächen auch landwirtschaftlich nutzbar gemacht werden könnten“, so der Verwaltungschef. Trotzdem schätzt Homann die Fläche oberhalb der Firma Crown als geeignetes Gelände ein. „Die Fläche dort lag viele Jahre brach, und ich denke, dass die jetzt angestrebte Nutzung keine Probleme bereiten dürfte, da von einem Solarpark kein Krach oder Emissionen ausgehen.“ Über die Optik eines Solarparks, räumt der Bürgermeister, können aber natürlich trefflich gestritten werden.
Hoffnungen auf hohe Gewerbesteuereinnahmen aus dem Projekt macht sich Homann aber nicht. Wie bereits der Verwaltungsausschuss der Sehusastadt thematisierte, sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer rückläufig. Die Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe wäre also wünschenswert. „Der Solarpark am Schildberg wird den Haushalt der Stadt sicher nicht auf Jahre sanieren. Dafür ist ein derart großes Projekt von viel zu vielen Faktoren abhängig“, erklärt Seesens Bürgermeister. Übersetzt heißt das: Das Unternehmen, das eine solche Investition tätigt, hat die Möglichkeit die Zahlung von Gewerbesteuern durch die Abschreibung der Investitionssumme zu umgehen. Dabei handelt es sich aber nicht um einen billigen Steuerspartrick, sondern um gängig Praxis.
Grundsätzlich, das betont Erik Homann, ist es nicht das Ziel der Stadt derlei Projekte zu verhindern. „Bisher liegen uns keine Beschwerden aus der Nachbarschaft über den Bau der Anlage vor. Und wenn dies so bleibt, wovon ich aktuell ausgehe, ist es doch positiv, dass die Stadt Seesen mit Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen etwas zum Ausbau erneuerbarer Energien beitragen kann.“