„Spätaussiedler genießen besonderen Schutz“

Reinhard Grindel (links) hatte ein offenes Ohr für die Belange der Spätaussiedler. (Foto: Knoblich)

Bundestagsabgeordneter Reinhard Grindel (CDU) zu Gast beim Integrationstreff in der Hochstraße

Der Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel (CDU) folgte gern einer Einladung des hiesigen Landtagsabgeordneten Rudolf Götz nach Seesen. Genauer gesagt waren beide zu Gast beim Integrationstreff in der Hochstraße.
Hier gab Ludmila Heilmann zunächst einen Einblick in die Arbeit des Arbeitskreises Integrationstreff (AKIT). Besonders der (Deutsch-)Sprachkurs, der sich mit 16 Teilnehmer(inne)n zweimal die Woche trifft, sowie der „Frauenkreis 50+“ fanden dabei Erwähnung. Hauptsächlich Spätaussiedler kommen regelmäßig in der Hochstraße zusammen. Etwa 500 leben in Seesen. „Deren Integration vor Ort ist gut gelungen“, stellte Rudolf Götz erfreut fest. Allerdings läuft aus Sicht der Betroffenen längst nicht alles rund. Reinhard Grindel fragte in die Runde und sah sich bestätigt: „Die fehlende Anerkennung der Berufsabschlüsse von Männern und Frauen, die beispielsweise aus Russland, der Ukraine oder aus Kasachstan zu uns kommen, ist ein großes Problem; hier muss seitens der Universitäten oder auch Handelskammern genau geprüft werden“, forderte der Bundestagsabgeordnete aus Rotenburg (Wümme). Deutschland habe einfach einen zu hohen Fachkräftebedarf und könne es sich daher nicht leisten, diesen Schatz nicht zu heben.
Außerdem überlege der Bundestag, Gesetzesinitiativen für Aussiedler zu starten. Hier gehe es insbesondere um die sogenannte Verpflichtungserklärung. Mit deren Abgabe werden die Kosten für den Lebensunterhalt eines Aussiedlers übernommen, um diesen zu einem Aufenthalt in Deutschland zu verhelfen, wenn er selbst nicht über ausreichende Mittel verfügt. Doch das ist aus finanziellen Gründen oft nicht möglich. „Hier könnte im Rahmen einer Stiftung versucht werden, entsprechende Bürgschaften zu übernehmen“, sagte Grindel mit Verweis auf die Planungen.
Außerdem habe der Bundesrat vor wenigen Monaten den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Bundesvertriebenengesetzes beschlossen. Der Entwurf ziele darauf ab, in bestimmten Fällen den Nachzug von Kindern und Ehegatten von Spätaussiedlern zu erleichtern, um Härtefälle zu vermeiden. So soll ein Aufnahmebescheid des Spätaussiedlers auch ohne den Nachweis ausreichender Sprachkenntnisse vor der Ausreise ermöglicht werden, wenn die Person aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit nicht über die an sich erforderlichen Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügen kann. „Die Spätaussiedler genießen besonderen Schutz“, machte Reinhard Grindel in diesem Zusammenhang deutlich.
Im weiteren Gespräch bei Kaffee und Kuchen erfuhr Grindel schließlich auch, dass sich Liebesromane bestens eignen, um Deutsch zu lernen.