Spielsucht wird Seesenerin (30) zum Verhängnis

Zweifache Mutter klaut Kreditkarte ihres Freundes und hebt Geld zum „Zocken“ ab / Neun Monate Gefängnis

Weil sie ihre Spielsucht einfach nicht in den Griff bekommt, muss eine 30-jährige Seeserin nun zusätzlich neun weitere Monate in Haft gehen. Die Frau, die ohnehin schon seit Oktober dieses Jahres eine mehrmonatige Gefängnisstrafe in der Justizvollzugsanstalt Vechta absitzt, hatte in der Nacht auf den 16. September 2011 mit der EC-Karte ihres Freundes morgens um 4 Uhr zunächst 300 Euro und wenige Sekunden danach noch einmal 160 Euro von seinem Konto abgehoben. Natürlich ohne das Wissen des 32-jährigen Osteroders, der um die Spielsucht seiner Freundin wusste, und aus Vorsicht die Bankkarte im Auto gelassen hatte. Doch auch das nützte nichts. Was dem Delikt die Krone aufsetzt ist die Tatsache, dass die zweifache Mutter wenige Tage vor der Tat eine zehnwöchige Therapie hinter sich gebracht hatte. Die Gesamkosten der stationären Behandlung beliefen sich auf rund 84.000 Euro, wie ihr Richter Frank Rüger gestern Mittag im Gerichtssaal noch einmal vor Augen führte.„Geld, dass die Krankenkassen wohl umsonst ausgegeben haben“, wie er feststellte.
Die Frau hatte sich schon früher strafbar gemacht und war zu einer sechs- und einer fünfmonatigen Haftstrafe verurteilt worden – unter anderem wegen Betruges in Tateinheit Urkundenfälschung. Immer wieder hatte sie versucht, sich Geld zu besorgen, um es dann gleich wieder beim Glücksspiel zu verlieren.
Mit 18 Jahren hatte sie das erste Mal eine Spielhalle betreten. Zunächst hatte sie laut eigenen Angaben auch das Glück auf ihrer Seite und in Frankfurt an der Oder 16.000 Euro abgeräumt.
Mittlerweile aber belaufen sich die Verluste auf rund 120.000 Euro. Weil sie keinen Ausweg mehr fand, hatte sie zwischenzeitlich versucht, sich mit 100 Paracetamol-Tabletten sowie einer Flasche Wodka und einer Flasche Slivovic das Leben zu nehmen. Der Suizid gelang ihr jedoch nicht, stattdessen muss sie sich seither mit dauerhaftemSodbrennen quälen.
Es folgte ein Aufenthalt in einer Göttinger Psychatrie und schließlich die zehnwöchige Therapie, die in der Tat als gescheitet angesehen werden dürfte. „Ich bin eben spielsüchtig“, erklärte die Angeklagte lapidar. Sie räumte alle gegen sie erhobenen Vorwürfe ein, auch dass sie schon einmal das Konto des Freundes geplündert hatte. Der musste gestern als Zeuge vor Gericht aussagen. Der 32-Jährige, der sein Geld bei Mc Donald’s schwer erarbeitet, hegte indes nur wenig Groll gegen seine frühere Lebenspartnerin, zu der er noch einen losen SMS-Kontakt hält. „Eigentlich ist sie ein sehr netter Mensch, aber ist eben krank.“
So sah es auch die Angeklagte selbst. Ihre nüchternen und sachlichen Schilderungen wiederum brachten Richter Rüger fast auf die Palme. „Es wirkt so, als ob sie überhaupt kein Unrechtsbewusstsein haben“, merkte er denn auch in der Urteilsbegründung an.
Während ihr Pflichtverteidiger Holger Pilgermann auf drei Monate Haft plädierte und ihr Geständnis sowie die Tatsache, dass sie ohnehin keinen direkten Gewinn aus dem Delikt gezogen hatte, als mildenden Umstand anführte, verurteilte sie der Vorsitzende Richter letztlich zu weiteren neun Monaten Haft.
„Sie haben eine bemerkenswerte Leichtigkeit, wenn sie über ihre Taten erzählen,“ befand der Richter. Er könne noch nicht einmal ein Bedauern feststellen, und auch die vorherigen Urteile hätten keine Wirkung auf das Verhalten gehabt. Rüger hoffe, dass sie das Spielen irgendwann mal lassen werde, schließlich müsse sie sich ja auch mal um ihre Kinder kümmern. Die Angeklagte wiederum hofft, dass sie im Anschluss an die Hafstrafe eine langfristige Therapie machen kannn.