Spritztour mit Götz Alsmann & Band nach Paris

Götz Alsmann & Band entführte das Auditorium in die Pariser Musikszene. (Foto: Jung / Mateo)
 
Götz Alsmann vor dem Konzert in „Räuberzivil“ und während... (Foto: Jung / Mateo)

25 Jahre Kulturforum Seesen / Vor dem Ohren- und Augenschmaus erinnert Walter Kien an die Anfänge und dankt Mitstreiter-Team

Wie wäre es mit einer Spritztour anlässlich des runden Geburtstages des Seesener Kulturforums nach Paris? Eine Silberhochzeitsreise? Oder ein Betriebsausflug mit den Freunden aus den ersten, den wilden Jahren? Mit Götz Alsmann als Reiseleiter? Alternativ gab es jetzt die 25er-Geburtstags-Fete in der Seesener Aula.
In seiner kurzen Vorrede erinnert der „Intendant“ Walter Kien an die Anfänge, „auf den Tag genau vor 25 Jahren“ und holt dazu die aktuellen Mitstreiter auf die Bühne, ehe die Alsmann-Band von ihr, soweit möglich, restlos Besitz ergreift, denn sie ist voll gestellt mit Rhythmus-Gerätschaften, aus denen die Vibraphon-Insel links und der Steinway-Flügel im Zentrum herausragen. Die Sakkos in Baby-Bleu geben den Farbton an, die Musiker spielen mit den Couleurs de Paris.
„Du bist mein liebster Gast“. Alsmann heißt das Auditorium „Willkommen in Paris“, das Xylophon tritt in eine virtuose Zwiesprache mit dem Steinway: Die heraufbeschworenen Jahre des goldenen Chanson-Zeitalters – zwischen den 1930ern und 1960ern – sind zwar sentimentale Rückblicke auf „Die verlorenen Lieben“, aber deswegen kaum Musette, denn Alsmann ist der König des deutschen Jazzschlagers. So geht er mit seinen Musikern eigentlich fremd und bewegt sich abwegig, wenn er im legendären, jetzt historisch verstaubten Studio Ferber im Pariser 19. Arrondissement das Album „In Paris“ produziert: Es zeige den „Investitionsstau als kulturerhaltende Maßnahme“, sogar das „Sofa von Serge Gainsbourg“ stände dort noch als Inspirationsquelle für die Liebenden der altmodischen Musik. Es gelingt den Musikern, auch die Eigenart der französischen Chanson-Welt zu entstauben und in den immer wieder erkennbaren Alsmann-Sound rumba-bossa-cha-cha-mäßig einzufügen, diese Vielfalt dadurch aber auch zu glätten.
Alsmann ist als Conferencier Märchenerzähler mit kindlicher Phantasie und Klischee-Reporter, unglaublich, aber doch so traumhaft. Als Sänger ist er ironisch, stimmlich flexibel bis geräuschvoll, eher Erzähler denn als Kantor. Seine Flügel-Betastungen sind verspielte Einwürfe, während die Füße unter der Klavier-Bank Cha-Cha tanzen möchten. Die Texte dieses französischen Chanson-Abends bleiben konsequent deutsch. Als Solist neben Alsmann bringt sich Alfred Maria Sicking am Vibraphon ein – ebenfalls virtuos. Rudi Marholz am Schlagzeug und Michael Ottomar Müller am E-Bass geben den rhythmischen Background, während Markus Passlick als vielseitiger Percussionist seltene Klangfarben dazu mischt.
Der Abend wird zu einer Hommage an die Größen der Pariser Musikszene, Alsmann und Freunde vagabundieren bei Charles Aznavour („Du lässt dich gehen“), bei Charles Trenet („Das Meer“), bei Yves Montand („Der Schleier fiel“), bei Serge Gainsbourg („Der Wolf tanzt Cha-Cha-Cha“ und bei Gilbert Becaud („Was wird aus mir?“). Was ist aus Rotkäppchen geworden? Cluster auf der Klaviertastatur eröffnen dem Wolf den Cha-Cha-Cha; die französischen Märchen bleiben provozierend ironisierend deutsch. Routiniert sind sie die Musiker: In Tacet-Pausen repariert Sicking kniend irgendetwas am Marholz-Schlagzeug und ist auf den Punkt genau zum eigenen Solo wieder „zur Stelle“. Bei den zahlreichen Zugaben darf Götzis Ukulele nicht fehlen, genauso wenig wie sein frecher Scat-Gesang. „Du hast das gewisse Olala!“ Das könnte am Ende natürlich auch wieder auf das Seesener Kulturforum gemünzt sein, das bis zum nächsten runden Geburtstag sicherlich – wie schon das aktuelle neue Programm zeigt – alle möglichen Kleinkunsthebel in Bewegung setzen wird für weitere attraktive Events.
Götz Alsmann freut sich bereits jetzt schon „auf ein nächstes Mal in Seesen“.
Joachim Frassl