Staatsanwaltschaft fordert anderthalb Jahre Haft

Urteil im Prozess wegen Insolvenzverschleppung gegen 59-jährigen Lutteraner fällt nächste Woche

Anderthalb Jahre Haft ohne Bewährung soll der wegen Insolvenzverschleppung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt angeklagte 59-jährige Lutteraner nach Forderung der Staatsanwaltschaft aufgebrummt bekommen. Das Urteil von Amtsrichter Rüger wird am Donnerstag nächster Woche erwartet. Der Grund für die Anberaumung einer weiteren Sitzung ist gesundheitlichen Problemen des Pflichtverteidigers geschuldet. Der Strafverteidiger sah sich ob großer Zahnschmerzen nicht in der Lage sein umfassendes Plädoyer zur Entlastung seines Mandanten zu halten. Amtsrichter Rüger nahm im Hinblick auf ein faires Verfahren Rücksicht auf die Schmerzen des Rechtsanwaltes und stimmte einer weiteren Sitzung, dann mit entgültiger Urteilsverkündung, zu.
In der Sitzung am vergangenen Mittwoch wurden zunächst weitere Beweise und Indizien gesammelt. Dieses Mal ging es erneut um den Pachtvertrag den der Angeklagte mit einem Gastronomen aus Salzgitter im Jahr 2008 geschlossen haben soll. Der 63-jährige Verpächter, der in der vorangegangenen Verhandlung aussagte, dass er den Pachtvertrag mit dem Angeklagten als Vertragspartner geschlossen habe, legte Richter und Staatsanwältin dieses Mal den schriftlichen Vertrag zur Ansicht vor. Unterzeichnet wurde der Vertrag seinerzeit vom Verpächter und vom Angeklagten. Das musste auch der sonst so spitzfindige Strafverteidiger des Lutteraners einsehen. Beim Vertragspartner handelte es sich jedoch nicht um den Angeklagten, sondern um die Betriebs- und Verwaltungslimited, die es zum Zeitpunkt des Pachtvertragsschlusses im Oktober 2008 aber noch gar nicht gegeben hat. Die englische Gesellschaft wurde erst zwei Monate später gegründet. Auf die Frage von Richter Rüger, warum der 63-jährige Gastronom einen Vertrag mit einer Firma schließen würde, die noch nicht existiert hätte, entgegnete der Zeuge: „Ich habe nicht gewusst worum es sich bei einer Limited handelt, und dachte, da der Angeklagte den Vertrag ja unterschrieben hat, dass dies alles so seine Richtigkeit hat.“ An die Modalitäten der Schlüsselübergabe konnte sich der Verpächter nicht mehr erinnern. Er konnte weder Angaben darüber machen, wann er die Schlüssel übergeben hat, geschweige denn, wem er die Schlüssel ausgehändigt hat. Nach Abschluss der Zeugenbefragung schloss Richter Rüger die Beweisaufnahme. Die Staatsanwältin erklärte in ihrem umfassenden Plädoyer, dass die Vorwürfe gegen den 59-jährigen Angeklaten aufgrund einschlägiger Indizien und zahlreichen glaubwürdigen Zeugenaussagen als bewiesen gelten können. Den Vorwurf der Insolvenzverschleppung und der Vorenthaltung von Arbeitsentgelten bewertete die Staatsanwältin demnach als stichhaltig. Über die moralischen Vergehen, der Angeklagte hat unter anderem die 21-jährige Geschäftsführerin für seine Zwecke instrumentalisiert und sie in die Privatinsolvenz getrieben, müsse eine andere Instanz urteilen, so die deutliche Aussage der Staatsanwältin.
Letztendlich plädierte die Staatsanwältin auf eine anderthalbjährige Haftstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden soll, da der Angeklakte ob der schwere der Taten und seiner zahlreichen Vorstrafen, keine Bewährungschance verdient habe.