„Stadt kann stolz auf neues Therapie-Zentrum sein“

Das Team von der „Kampstraße 34a“: Die Mitarbeiter des Autismus-Therapiezentrums Jeanette Truderung (Mitte) und Sabine Gnauck (rechts) sowie Heidrun Hernández Acosta (Leiterin der Praxis für Logopädie).

Bürgermeister Erik Homann lobt bei Eröffnung des ATZ-Süd-Ost-Niedersachsen Engagement der Lebenshilfe

Seesens Bürgermeister, Erik Homann, hatte sich im Vorfeld bestens informiert. Und das, was er bei seinen Recherchen im Internet entdeckte, ließ ihn nach eigenem Bekunden schon aufhorchen. Denn eine Einrichtung, wie sie am Sonnabend vergangener Woche zu vormittäglicher Stunde in den Mauern der Harzstadt offiziell eröffnet wurde, findet sich gemeinhin nicht in Städten einer Größenordnung, wie Seesen sie aufweist. Im Gegenteil, vermutet man sie doch zu Recht eher in einer bundesdeutschen Großstadt. Und selbst da beläuft sich deren Zahl auf nur gut 30. Was Wunder also, wenn Homann mit Blick auf das neue Autismus-Therapiezentrum (ATZ) Süd-Ost Niedersachsen die Ansicht vertrat, dass „die Stadt stolz darauf sein könne, nunmehr zu einem dieser Standorte zu zählen“.
Was Wunder aber auch, wenn er vor diesem Hintergrund gern die Gelegenheit wahrnahm, das Engagement der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ zu würdigen; ihr zu attestieren, durch die breite Palette an Betreuungs- und Therapieangeboten eine zukunfts- und tragfähige Infrastruktur in der Region geschaffen zu haben, und ihr schließlich dafür zu danken, stets rasch und zielgerichtet auf einen bestehenden oder sich abzeichnenden Bedarf zu reagieren, um Menschen und deren Angehörigen dabei zu helfen, „mit einer Erkrankung oder Behinderung besser umgehen zu können“.
Der 2. Vorsitzende der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“, Siegfried Hoffmann, hatte zuvor das überaus beachtliche Interesse an dem kleinen Festakt aus Anlass der Eröffnung und Vorstellung des Autismus-Therapiezentrums Süd-Ost Niedersachsen als einen „deutlichen Beweis der Verbundenheit mit der Arbeit der Lebenshilfe“ gewertet. Er, der neben dem Bürgermeister eine Vielzahl von Repräsentanten aus nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens willkommen heißen konnte, unterstrich denn auch gleich zum Auftakt seiner Begrüßung, wie sehr man sich freue, mit dem neuen Therapiezentrum eine nach seinen Worten „erhebliche Erweiterung“ des ohnehin breit gefächerten Leistungsspektrums der Lebenshilfe mit ihren zahlreichen Beratungs-, Betreuungs- und Therapieangeboten präsentieren zu können.
„Es ist“ – so bekannte Siegfried Hoffmann in diesem Zusammenhang – „vor allem der Weitsicht, dem Wissen um das Notwendige und dem Mut des 1. Vorsitzenden, der „Lebenshilfe“, Hans-Werner Ohlsen, des Geschäftsführers, Bernward Steinkraus, sowie der vielen engagierten Mitarbeiter zu verdanken, dass das Hilfsangebot für Menschen mit Behinderungen unterschiedlichster Art in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufgestockt werden konnte“; nur beispielhaft verwies er bei dieser Gelegenheit unter anderem auf die Tagesbildungsstätte, den Sprachheilkindergarten, die Frühförderung oder aber den „Familienentlas­tenden Dienst“.
All diese Angebote, so betonte er, würden dazu beitragen, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu erleichtern. Darüber hinaus gelte es aber auch, diese Menschen auf dem Weg in die Inklusion zu begleiten. Denn nach wie vor zähle es zu den erklärten Zielsetzungen, deren Individualität im Be­wusst­sein der Gesellschaft zu verankern und ihnen alle sich bietenden Möglichkeiten zu eröffnen, sich als gleichwertige Partner in dieser Gesellschaft behaupten zu können.
Die Eröffnung des Autismus-Therapiezentrums Süd-Ost Niedersachsen nun sei ein weiterer Schritt auf diesem Weg, auch wenn „Autismus oftmals noch nicht als konkrete Beeinträchtigung wahrgenommen“ werde. Die steigenden Fallzahlen und sich bewusst zu sein, was es für die Betroffenen und deren Angehörige bedeutet, „in einer anderen Welt zu leben“, hätten bei der „Lebenshilfe“ letztlich den Ausschlag gegeben, sich auch dieser Herausforderung zu stellen, und sich auch in diesem Bereich zu engagieren, schloss Hoffmann.
Dass man sich mit dem Gedanken, das Angebot der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ um ein Autismus-Therapiezentrum zu erweitern, erstmals vor rund zweieinhalb Jahren intensiver befasst hätte, rief die Leiterin der neuen „Lebenshilfe“-Abteilung, Ilona Fuchs, in die Erinnerung zurück. Kurz skizzierte sie die kleineren und größeren Hürden, die „bis zur heutigen Eröffnung genommen werden mussten“; berichtete davon, dass gegenwärtig Kinder und Jugendliche mit den Diagnosen „frühkindlicher Autismus“ und „Asperger Syndrom“ therapeutisch betreut würden, und verwies schließlich darauf, dass das gesamte Therapie- und Betreuungsangebot vom kommenden Jahr an unter den Oberbegriff „Autismus-Spektrumstörungen“ stehen werde.
Das ambulant angebotene Leistungsspektrum, so verlautete, erstrecke sich dabei auf die Hilfestellung beim Erkennen von Autismus; es erstrecke sich darüber hinaus unter anderem aber auch auf die Einzel- und Gruppentherapien, auf die Anleitung der Eltern und des sozialen Umfeldes der Betroffenen, auf deren Beratung sowie die Koordination und Kooperation mit dem Umfeld und last but not least auf die Anleitung, Schulung und Beratung von Bezugspersonen und Inklusionshelfern – beispielsweise auf die der eingesetzten Schulassistenten aus den Reihen des Familienunterstützenden Dienstes“.
Übrigens: Ilona Fuchs nahm im Rahmen der offiziellen Eröffnung natürlich zugleich auch die Gelegenheit wahr, mit Jeannette Truderung jene Mitarbeiterin vorzustellen, die gegenwärtig eine Ausbildung zum Autismus-Pädagogen absolviert.
Die Glückwünsche der Gäste, ein Rundgang durch die neuen Räume, und viele Gespräche, in denen immer wieder die Bereitschaft der „Lebenshilfe Bad Gandersheim-Seesen“ gelobt wurde, sich – und das mit deutlichen Anfangs-Erfolgen – dieser neuen Aufgabe gestellt zu haben: die Bilanz, die an diesem Sonnabendvormittag gezogen werden konnte, fiel in der Tat sehr positiv aus.