Stadtsanierung geht in die nächste Runde

Die Jacobsonstraße soll im kommenden Jahr umfassend saniert werden. Auch zahlreiche der sich hier befindlichen Eichen müssen im Zuge der Sanierung dann weichen. Ein Umstand, der nicht bei allen Anwesenden auf Gegenliebe stieß. bo
 
Bürgermeister Erik Homann und Professor Dr. Rainer Hobigk von der Infraplan-Gesellschaft für Infrastrukturplanung mbH stellten die Sanierungspläne vor und standen den Bürgern Rede und Antwort. bo

Pläne für Neugestaltung der Jacobsonstraße und der Marktstraße vorgestellt / Kinderspielplatz soll kommen

Das Thema Innenstadtsanierung geht in die nächste Runde.

Am Dienstagabend fand im Bürgerhaus eine weitere Einwohnerversammlung statt – diesmal zum bevorstehenden Ausbau der Jacobsonstraße und der Marktstraße – dem Rückgrat der Stadt Seesen, wie es eingangs der Informations- und Diskussionsveranstaltung hieß.
Als erste öffentliche Maßnahme war vor einem Jahr die Straße „Am Markt“ ausgebaut worden, der Ausbau der „Poststraße“, als zweite große Maßnahme, läuft derzeit und wird noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Nun soll der zentrale Bereich der Jacobsonstraße sowie die Marktstaße in Angriff genommen werden. Wie Bürgermeister Erik Homann eingangs der gut besuchten Einwohnerversammlung noch einmal in Erinnerung rief, war die Stadt Seesen im Jahr 2011 in das Städtebauförderungsprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ aufgenommen worden. In diesem Programm werden innerhalb des Sanierungsgebiets öffentliche Maßnahmen, aber auch private Maßnahmen zu einem Drittel vom Bund und einem weiteren Drittel vom Land Niedersachsen gefördert, so dass die Stadt Seesen nur das verbleibende letzte Drittel der Kosten tragen muss.
Vorgestellt wurden am Dienstagabend nun die Planungen für die Jacobsonstraße im Bereich zwischen Bismarckstraße und der Poststraße sowie die Straße Am Markt zwischen der Langen Straße und der Bahnhofstraße. Die Marktstraße mit Marktplatz vor dem Rathaus hat bei einer durchschnittlichen Breite zwischen 13 und 32 Meter eine Länge von zirka 200 Meter, die Jacobsonstraße eine mittlere Breite von zirka 20 Metern und eine Länge von rund 270 Meter. Vor dem Jacobsonplatz am Bürgerhaus soll zudem eine Fläche von rund 900 Quadratmeter als innerstädtischer Spielplatz neu gestaltet werden.
Professor Dr. Rainer Hobigk von der Infraplan-Gesellschaft für Infrastrukturplanung mbH und Andreas Heiko Metzing vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Seesen warteten im Verlauf der Versammlung mit vielen interessanten Details auf. Beispielsweise ist geplant, den bisherigen Parkraum vor dem Rathaus durch einen freien Platz zu ersetzen. Durch die Stellplätze für Autos sei der Rathausplatz derzeit doch eher zweckentfremdet, hieß es in der Begründung. Ein hier geplanter Bereich für ein Wasserspiel oder Ähnliches stieß indes nicht auf die Zustimmung des Arbeitskreises.
Die entfallenen Parkplätze sollen durch eine Längsaufstellung im angrenzenden Bereich ausgeglichen werden. Durch die derzeitige Schließung des Parkhauses in der Bahnhofstraße fallen aktuell viele Parkplätze weg. Das rief Heinz-Dieter Trager und Bürgermeister Erik Homann auf den Plan. Beide erklärten, dass man an einer Lösung arbeite und man mit dem Eigentürmer des Parkhauses in Kontakt stehe. Aktuell sei man auf der Suche nach einer Statik und es werde überlegt, wo beispielsweise ein Kran platziert werden könne. Es bleibe die Frage, ob eine Sanierung ausreiche oder gar ein neues Parkhaus gebaut werden müsse.
Zurück zur Stadtsanierung: Der Untergrund der Straßen soll dem bereits verwendeten Materialien in der Poststraße und der Straße Am Markt angeglichen werden, also entsprechendes Betonsteinpflaster mit Naturstein-Edelsplitt-Vorsatz in bräunlicher Farbe. Entfernt werden sollen laut Planung in der Jacobsonstraße 15 aufgepflasterte Pflanzbeete und 15 Eichen wegen Wurzelschäden und Beeinträchtigungen durch Wuchshöhe und Verschattung. An ihrer Stelle sollen neue Bäume gepflanzt werden. Anderenfalls sei es nur eine Frage der Zeit, wann das Wurzelwerk an der sanierten Straße neue Schäden anrichtet.
Was die vieldiskutierte Fußgängerzone betrifft, so scheint sich hier allenfalls eine Zwischenlösung anzubahnen. Bei den Entwürfen, die in Auftrag gegeben wurden, sollte auch der Aspekt betrachtet werden, die Straße für besondere Anlässe und zu bestimmten Zeiten wie am Markttag zu sperren. Eine Fußgängerzone im klassischen Sinne ist indes nicht geplant. Diese Entscheidung obliegt im weiteren den politisch Verantwortlichen der Stadt Seesen.
Weiterhin interessant: Auf der Grünfläche vor dem Bürgerhaus soll nach Möglichkeit eine Verweilzone für Kinder eingerichtet werden. Auch hierfür wurden bereits Konzepte erarbeitet und am Dienstagabend während der Einwohnerversammlung auch vorgestellt. Das erste Konzept wurde ausgearbeitet von der Bergmann GmbH (Künstlerische Holzgestaltung) und will die thematischen Bezüge zu Wilhelm Busch und Mittelalter zu einer vielfältig nutzbaren und raumprägenden Veranstaltungs-, Spiel und Aufenthaltslandschaft vereinen. Geplant ist eine Art Burg mit Spielwagen, Rutsche und Geschichtenfenster, ein Torfragment als Platzdurchfahrt, eine Bühne und Rollenspielräume „Max und Moritz“, eine Schaukel sowie Sitzstufen.
Genauere Vorstellungen ergeben sich durch einen Besuch auf der Internetseite www.kulturinsel.com.
Auch das Unternehmen Krambamboul Spiellandschaften hat einen Vorschlag abgegeben. Bezugnehmend auf das größte Historienfest in Niedersachsen fanden sie es spannend, eine maßgeschneiderte Spielwelt für den Jacobsonplatz zu kreieren. Auf relativ kleiner Fläche gestaltete das Design-Team eine Erlebniswelt, welches vielfältige Spielmöglichkeiten für eine breit gefächerte Zielgrupppe bieten soll.
Zu den Spielfunktionen der Burg gehören nicht nur die konkret sichtbaren Spielabläufe wie Balancieren, Klettern, Rutschen und Sandspiel, sondern auch sich daraus ergebende soziale Kontakte, Spaß und Freude, Anregung der Fantasie, Aufforderung zum Nachdenken, Neugier, Entdeckungsfreude und Erlebnisbereitschaft. Facettenreiche Rollen- und Wegespiele sind genauso möglich wie Haus- und Behausungsspiele.
All diese Vorentwurfspläne – sowohl zur Stadtsanierung als auch zu der Verweilzone für Kinder wurden am Dienstagabend diskutiert. Das durchaus – und wie bereits bei vorherigen Einwohnerversammlungen geschehen – kontrovers. Natürlich wurde auch wieder die Frage der Kosten für die Anlieger gestellt. Hierzu erklärte Bauamtsleiter Alexander Nickel, dass die Anlieger lediglich an den Kosten beteiligt werden, die den Mehrwert der bestehenden Gebäude ausmachen. Eine Straßenbaubeitragssatzung gibt es im Städteförderungsprogramm nicht. Und weil die Zuschüsse durch Land und Bund zu zwei Dritteln gedeckt werden, dürfe man die Chance nicht verpassen, erläuterte auch Bürgermeister Erik Homann noch einmal.
Nach Möglichkeit soll die Sanierung im nächsten Frühjahr begonnen werden. Man wolle zügig arbeiten, aber gleichwohl müssen sich die Geschäftsbetreiber in dem Sanierungsgebiet auf Baustellenlärm und weitere unangenehme Begleiterscheinungen einstellen.