Stay alive - Bleib am Leben!

Das Unfallszenario war zum Glück nur nachgestellt, die Erfahrungsberichte der Retter und Helfer jedoch nicht.
 
Früh am Tag trafen die Schüler am Haupteingang der Asklepios Kliniken Schildautal ein.
 
Mehrere Schulbusse brachten die rund 120 Zehntklässler vom Jacobson-Gymnasium und der Oberschule Seesen zum Präventionstag.

Wachrüttelnde Momente in den Asklepios Kliniken Schildautal: „Stay alive- Kein Alkohol, keine Drogen am Steuer“ - unter diesem Motto veranstalteten die Asklepios Kliniken Schildautal gemeinsam mit der Feuerwehr Seesen, DRK, Rettungsdienst, Amtsgericht und der Polizei einen Präventionstag auf dem Gelände der Klinik.

Rund 120 Zehntklässler vom Jacobson-Gymnasium und der Oberschule Seesen folgten der Einladung zum Präventionstag in die Klinik. Was mit Alkohol und Drogen am Steuer passieren kann, war nichts für schwache Nerven. Klinik-Geschäftsführer Stefan Menzel begrüßte alle Anwesenden. „Es ist heute ein tolles Wetter um einen `Drauf` zu machen, es kann aber auch anders ausgehen“, sagte der Klinik-Chef bevor er den Startschuss für den Präventionstag gab. Zu diesem Zeitpunkt war den Zehntklässlern noch nicht klar, wie sich die erschreckende Realität des Alltages „anfühlt“.

Eine reale Geschichte – „Sie hat leider kein happy End!“

Für das nachgestellte Unfallszenario auf dem Mitarbeiterparkplatz wurden vier freiwillige Schülerinnen und ein Schüler realitätsnah geschminkt und im verunfallten Autowrack platziert. Noch vor der Demonstration einer professionellen Notfallrettung der teils Schwerstverletzen aus dem Unfallfahrzeug berichtete Fachpflegekraft Reinhardt Wuttke aus der Praxis auf einer Intensivstation. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Intensität der Berichte zu. Hinterher berichtete Olaf Laue von der Freiwilligen Feuerwehr Goslar über eigene Erfahrungen aus seiner über 30-jährigen Praxis. Darunter ein Erlebnisbericht von einem Verkehrsunfall, „leider ohne Happy End“, wie Laue erklärte. Er berichtete detailliert, emotional und sichtlich berührt von der selbst erlebten Situation mit tödlichem Ausgang. Trotz seiner langjährigen Routine zittert seine Stimme bei jedem Vortragsfoto welches er an die Wand wirft. Spätestens jetzt wurde den Schülerinnen und Schülern klar, dass es sich hier um die erschreckende Wirklichkeit handelt und diese jeden von uns treffen kann. Nur Hadi, Samanta, Alina und Anni verpassen diesen Erfahrungsbericht, sie sind zu diesem Zeitpunkt schon als „Unfallopfer“ im Autowrack.

Jeder Handgriff muss perfekt sitzen

Das vorbereitete Szenario wirkte realistisch und war auch so von der Freiwilligen Feuerwehr Seesen geplant. Ein mit vier jungen Menschen besetzter Pkw war von der Straße abgekommen, mit einem Baum kollidiert und wieder zurück auf die Straße geschleudert worden. Die vier Fahrzeuginsassen waren nicht in der Lage, sich selbst aus dem Autowrack zu befreien. Der junge männliche Fahrer war schwerstverletzt und eingeklemmt. Die Fahrertür ließ sich auch von außen von den Ersthelfern nicht öffnen. Eine Unfallsituation, wie diese erleben die Einsatzkräfte immer wieder. Mit ihren Fachkenntnissen in der Rettung von verletzten Personen und dem mitgeführten hydraulischen Rettungssatz ging es an die Rettung der Verunfallten. Im Ernstfall muss jeder Handgriff perfekt sitzen. Das Zusammenspiel an der Unfallstelle von Polizei, Rettungsdienst, Notarzt und Feuerwehr wurde perfekt inszeniert. Zuschauer sind im Ernstfall alles andere als gern gesehen, doch bei diesem Unfallszenario blickten den Rettern über 130 Personen über die Schultern. Nach der Rettung durften auch alle direkt an das Autowrack herantreten und sogar durch den Rettungswagen gehen und der Notärztin über die Schulter schauen.

Verkehrssicherheitsberater der Goslarer Polizei klären auf

Aufgeteilt in sechs Gruppen erlebten die Schülerinnen und Schüler hautnah in einem Themenparcours die Folgen eines durch Alkohol- oder Drogenmissbrauchs verursachten Unfalls. Die beiden Verkehrssicherheitsberater der Goslarer Polizei Martin Schulze und Oliver Meyer klärten über die extremen Gefahren einer „berauschten“ Fahrt auf. Es wurde dargestellt, warum insbesondere junge Menschen zu einer „Hochrisikogruppe“ im Straßenverkehr gehören und wie die rechtlichen Folgen einer „Trunkenheitsfahrt“ aussehen. Nur ein paar Räume weiter informierten Katharina Studenroth und InesLöning die Zehntklässler über die Folgen eines drogeninduzierten Verkehrsunfalls aus Sicht einer Richterin. Die nächste Station hielt den Rettungswagen parat. Die beiden Rettungsassistenten Sabrina Eike und Sebastian Drohne berichteten von der Schwierigkeit, Erlebtes wieder aus ihrem Kopf zu bekommen. Der Umgang mit Verletzungen und Tod wird nie zur Routine. Dennoch zeigen Sie auf, mit welchen Strategien sie diesem verantwortungsvollen Beruf dauerhaft gerecht werden.

Themenparcours fordert Jugendlichen einiges ab

Nicht ohne Grund fragten die Verantwortlichen bei den darauf folgenden zwei Stationen, noch vor betreten der Räume, ob die Teilnehmer lieber vor der Tür warten möchten. Ein verunfallter Mensch im Schockraum, der Akutaufnahme der Klinik. Der Chefarzt der Allgemein- und Unfallchirurgie Dr. Rittmeyer schildert, was in den ersten Minuten nach dem Eintreffen eines Verunfallten für dessen Überleben notwendig ist. Sehr realitätsnah veranschaulicht dargestellt mit einem geschminkten Unfallopfer. Die Bezeichnung „Schockraum“ und der Anblick der geschminkten Schülerin reichen bereits aus, damit einige den Raum wieder verlassen müssen. Die klaffende Bauchwunde des Mädchens auf dem Tisch, die Unfallschminke und das künstliche Blut brachten einige an das eigene Limit.

Im Abschieds- und Andachtsraum berichtet Daniel Müller als Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams des Landkreises Goslar aus seinem Alltag. Die immer wiederkehrende Anspannung, der er und sein Team ausgesetzt sind, wenn sie vor der Tür von Angehörigen stehen, deren Kind tödlich verunglückt ist, erläutert er den Schülerinnen und Schülern. „Wenn wir klingeln, zerstören wir eine heile Welt“, betont der Mitarbeiter des K.I.T – „was wir machen, ist der Versuch, diese wieder erträglich zu machen – bei der Verarbeitung zu helfen. Wir können es jedoch nicht rückgängig oder vergessen machen“, erklärt er weiter.

Mit jeder Station nimmt die Last auf den Schultern der Zehntklässler zu. Die Vorstellung der Rehabilitation eines Patienten nach einem schweren Verkehrsunfall rückt dann wieder etwas vom „Tod“ ab. Den langen Weg nach einem überlebten Verkehrsunfall und damit der Weg zurück ins Leben erklärte Fachkrankenpfleger Olaf Barthel mit sehr anschaulichen Mitteln und auch einem Selbstversuch.

Erster Präventionstag in Seesen ein voller Erfolg

In der Abschlussrunde verwies Klinikmanagerin Christin Mast auf den Leitgedanken des Präventionstages, junge Menschen auf die Gefahren und Folgen von Alkohol- und Drogenmissbrauch und zu schnellem abgelenkten Fahren aufmerksam zu machen. Dieses war an diesem ersten Präventionstag in Seesen auf eindrucksvolle Weise gelungen. Die Jugendlichen zeigten sich sehr betroffen über das Erlebte.
Alle Fotos vom Tag in Seesen finden Sie im Internet unter www.beobachter-online.de.


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