Steinbruch-Pläne am Krautliet stoßen auf Kritik

Joachim Stuffel von den Seesener Grünen tritt den Plänen der Landesregierung vehement entgegen. Die wunderschöne Natur am Krautliet darf seiner Ansicht nach nicht durch einen Steinbruch verschandelt werden.

Seesener Grüne halten den jüngst verabschiedeten Landraumordnungsplan für eine Farce

Mitten in einem der ruhigsten und schönsten Wandergebiete zwischen Seesen und Hahausen, beim Großen Krautliet, nahe dem Quellgebiet des Kaltenbachs, weist der jüngst verabschiedete Landesraumordnungsplan (LROP) ein neues „Vorranggebiet für Bodenabbau“ aus. Ziel der Landesregierung und des „Wirtschaftsverbandes Baustoffe Naturstein e.V“ ist es den alten, stillgelegten Grauwacke – Steinbruch am Krautliet wieder neu zu öffnen.
Der alte Steinbruch des Großen Krautliet liegt am Harzrand östlich der B 248, gegenüber von Klingenhagen im gemeindefreien Gebiet zwischen Seesen und Neuekrug. Zu seinen Füßen schlummert ein kleiner Teich der im Volksmund „Förster Bauers Badewanne“ genannt wird. „Mit seinem Dornröschenschlaf soll es nun vorbei sein, wenn es nach dem Willen unserer CDU/FDP geführten Landesregierung geht“, so Joachim Stuffel, Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen „Das CDU/FDP-Kabinett in Hannover hat mit Beschluss vom 4. September 2012 der Landesraumordnungsplan „Vorlage“ des Ministers für „Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung“ zugestimmt. Der somit aktualisierte LROP wird in Kürze mit der Veröffentlichung im Niedersächsischen Gesetz- und Verordnungsblatt wirksam.
Schon 2010 bei der Planung zur „Aktualisierung“ des LROP hatten mehrere Umweltverbände sowie der Landkreis Goslar ihre ablehnende Haltung deutlich gemacht (Der Beobachter berichtete am 2. Dezember 2010). Als Gründe gegen die „Festlegung eines Vorranggebiets zur Rohstoffgewinnung“, sprich die Wiedereröffnung des alten Steinbruchs, wurden unter anderem die das Landschaftsbild prägende Lage des Krautliets am Harzrand, die vorhandenen Biotope und Artenvorkommen, das Landschaftsschutzgebiet Harz (dessen Verordnung einen Gesteinsabbau derzeit gar nicht zulässt!), die für Erholung und Tourismus genutzten Wege (wie das Mountain-Bike-Wegenetz), verkehrliche Belastungen entlang der Abfuhrwege angeführt.
Es ist unverkennbar, dass ein Gesteinsabbau am Krautliet zu starken Eingriffen in den Landschaftsraum und zu negativen Auswirkungen auf die Bevölkerung führen würde, so die Seesener Bündnis 90/Die Grünen.
Das CDU geführte Ministerium jedoch hat diese Einwände „abgewogen“. In der „Zusammenstellung der Abwägungen“ schreibt das Ministerium: „Die Lagerstätte wurde als landesbedeutsam eingestuft. Sie soll mit einer Größe von 70 Hektar als neues Vorranggebiet festgelegt werden.“ Der komplette Text kann auf der Homepage der Seesener Grünen www.gruene–seesen.de unter Krautliet eingesehen werden. Aus Sicht der Seesener Grünen ist diese Abwägung eine Farce, wie sie nun gegenüber dem „Beobachter“ deutlich machten.
Südöstlich begrenzt von der Quelle der Neile, mitten im Revier des Schwarzstorchs und einem Waldbereich der zurzeit noch als „Vorranggebiet für Natur und Landschaft“ festgesetzt ist, soll nach Einschätzung der Landesregierung ein neuer Steinbruch entstehen?
„Das Vorhaben steht auch nicht im Zusammenhang mit der Erweiterung der A7 auf sechs Fahrspuren, das hat eine Anfrage bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Bad Gandersheim ergeben“, so Joachim Stuffel. Für den Ausbau der A7 muss, wenn nötig, der 117 Hektar große Kalksteinbruch der Felswerke in Münchehof als Materiallieferant herhalten.
„Der geplante Großsteinbruch am Krautliet dagegen würde im Wettbewerb zu den Ostharzer Steinbrüchen Rieder und Unterberg stehen, denn Grauwacke ist auf dem Markt nicht knapp (verwendet zum Beispiel als Wasserbaustein)“, so Stuffel. „Allerdings könnte der Abtransport des Gesteins durch die Ortslage von Seesen führen: Staub, Dreck, verunreinigte Straßen und Lärm wären vorprogrammiert“.
Wie der Seesener CDU-Landtagsabgeordnete Rudolf Götz, der erst kürzlich seinen Landtagswahlkampf mit dem Slogan „Für Heimat und Identität“ eröffnete, zu diesem Steinbruch steht, kann man ihn auf der Podiumsdiskussion zur Landtagswahl am Mittwoch den 17. Oktober um 18 Uhr im Bürgerhaus der Stadt Seesen fragen. Der Landtagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen - Jörg Gehrke wird natürlich auch an dieser Podiumsdiskussion des Ver.di Ortsvereins Seesen, teilnehmen. Ebenso wie die Kandidaten der SPD und anderer Parteien.