„Steinway in Concert“ – Nachwuchs brilliert

Hannah Geef und Kari Ann Kuprat eröffneten den Abend mit Musik an Querflöte und Violoncello.
 
Virtuos und technisch versiert: junge Seesener Künstler hauchen dem musikalischen Abend ganz viel Leben ein

Virtuos und technisch versiert: junge Seesener Künstler hauchen dem musikalischen Abend ganz viel Leben ein

Zum bereits zehnten Mal fand am vergangenen Freitag ein Klavierabend statt, der unter dem Titel 'Steinway in Concert' auf Initiative von Claudia Schaare seit 2004 jährlich von der Stadt Seesen veranstaltet wird.

Der Name ist Programm, denn nicht nur das wertvolle Instrument steht im Fokus, sondern auch zahlreiche Jugendliche aus Seesen, die auf dem Steinway-Flügel musizieren.
Die Aula im Schulzentrum war gut gefüllt vom Publikum, leichte Nervosität und wachsende Neugier lagen in der Luft. Bürgermeister Erik Homann begrüßte die jungen Musiker und die Zuschauer ganz entspannt, denn – so verriet er dem Publikum schmunzelnd – es habe im Vorfeld Pläne gegeben, ihn mit seinen Klavierspielfähigkeiten in das Programm mit einzubinden. Glücklicherweise habe Claudia Schaare dann aber doch auf ihn verzichten müssen, weil das Programm bereits so umfangreich war...
Schaare wiederum lobte die große Bereitschaft der Jugendlichen, sich auch in einer Zeit, in der es so einfach ist, sich in seiner Freizeit von den bereitstehenden Medien unterhalten zu lassen, mit dem Erlernen eines Instrumentes auseinanderzusetzen und mit Ernsthaftigkeit und Disziplin Probleme zu lösen, die man ohne das Instrument nicht hätte. Des weiteren dankte sie der Volksbank Seesen (vertreten durch Herrn Keunecke) und dem Leiter des Jacobson Gymnasium Seesen Stefan Bungert (der leider verhindert war) für die Vermittlung und Bereitstellung eines zweiten Flügels für dieses Konzert.
Das Programm war zusammengestellt von Claudia Schaare, die für das Konzert Schülerinnen und Schüler von mehr als einem halben Dutzend anderer Lehrer anvertraut bekam. Begonnen wurde mit Kammermusik von Franz Benda für Querflöte und Violoncello (Hannah Geef, Kari Ann Kuprat) begleitet von Claudia Schaare am Flügel, im späteren Verlauf erklang ein weiteres Stück für Violine und Klavier von Antonin Dvorak (Lena Feix). Hannah Geef sang, von ihrer Schwester Leonie begleitet, das Lied 'In Dreams' aus 'Herr der Ringe'.
Zur Freude des Publikums, aber auch zur eigenen Spielfreude, hatten sich viele der Jungpianisten vierhändige Literatur vorgenommen, so erklang Musik von Anton Diabelli (Yasmin Kuwer/Alena Rose), Daniel Hellbach (Kira S. Grunert/Anna-Lena Kropp und Samuel Scheerer/Simon Götze), Denes Agay (Henriette Tegtmeier/Johanna von Papen), Peter Tschaikowski (Manja Schmidt/Dorothea Maryniok) und ein beeindruckender (langer) Satz einer Mozart-Sonate (Johann Scheerer, Philip Götze). Gemeinsam mit ihrer jeweiligen Lehrerin spielten Chris Nguyen, Carlo Zechmann und Marie Wende vierhändig oder auch an zwei Klavieren Filmmusik (Love Story, The Entertainer) und Musik von Claude Debussy.
Zum ersten Mal dabei waren Laurin Neubert, Paula Meyer und John Nguyen, die sich aber von der Professionalität ihrer 'Kollegen' schnell anstecken ließen und recht unaufgeregt ihre Stücke präsentierten. Andere SpielerInnen kannte man noch vom vergangenen Jahr (Zoe Steinmann, Julia Schwerdtner, Charlotte von Petersdorff-Campen, Laura Priesmeier und Manja Schmidt), wobei es nicht zu überhören war, dass bei allen seit dem letzten Konzert vieles an Fähigkeiten und Selbstvertrauen hinzu gekommen ist.
Besonderes individuelles Können zeigten auch Jules Sander und Daria Tappe, die auf dem Flügel eigene Kompositionen präsentierten. Jan Wünsche, Kevin Kuwer und Valentin Miehe spielten nicht nur zwei- , sondern auch vier- und sechshändig. Eine ganz außergewöhnliche Show-Einlage boten jedoch die vier jungen Damen Hannah Seidig, Nicole Barnert, Xenia Oblasov und Alexandra Hegemann mit dem Galopp-Marsch von A. Lavignac.
Da wurde nicht nur mit acht Händen in die Tasten gegriffen, sondern sehr publikumswirksam gelangweilt mit dem Mobiltelefon gespielt, wenn gerade mal 'Spielpause' war oder auch das Klavier geputzt. Virtuos bis zur Nasenspitze wurde dann wieder in das Spiel eingesetzt.
Ein ganz besonderer Höhepunkt war jedes Mal der Auftritt von Nicole Barnert und Hannah Seidig, die mit Stücken von A. Chatchaturian und A. Piazolla beide Flügel gemeinsam spielten. Beeindruckend dabei war nicht nur der musikalisch und sichere 'Zugriff' jeder einzelnen Spielerin, sondern auch das gelungene harmonische Zusammenspiel.
Welch hohen Stellenwert 'Steinway in Concert' hat, lässt sich vielleicht an Anna Brusentsova deutlich machen, die seit ein paar Jahren nicht mehr in Seesen, sondern in Hildesheim lebt, jedoch jedes Jahr wieder am Mitspielen interessiert ist. Ihr Auftritt am Freitag mit einem Chopin-Impromptu war überwältigend: hoch virtous und mit technischer Versiertheit zog sie die Zuhörer in ihren Bann.
Das Konzert war mehr als die Summe der Interpreten- oder Komponistennamen. Es zeigte sich ein unglaubliches Potenzial, das mit diesen Jugendlichen in Seesen Zuhause ist. Bürgermeister Homann dankte in seinen Schlussworten vorrangig und mit einem Blumenstrauß Claudia Schaare für die gelungene Arbeit bei der Programmgestaltung und bei der Durchführung dieses unterhaltsamen Konzertabends. Der Dank von Claudia Schaare ging an Axel Henniges bei der Stadt Seesen und Herrn Grotjahn, der alle Mitwirkenden 'ins rechte Licht gerückt' hat und natürlich an alle jungen Musiker des Abends. Als kleines 'Danke schön' gab es für jeden Mitspieler einen 'Steinway-Taler', eine Kekskreation, die auf den Steinway-Park-Verein Seesen zurückgeht.
Es ist eine überaus schöne Entwicklung, die das 'Steinway in Concert' seit dem Jahr 2004 genommen hat. Zusammen mit dem treu verbundenen Freundeskreis des Städtischen Museums, der wieder in der Pause für Getränke sorgte, Dirk Stroschein, der im Foyer das Buch über William Steinway anbot und dem rührigen Steinway-Park-Verein, der mit seiner Keksidee eine Marktlücke gefunden hat, wird dem Ehrenbürger der Stadt ein lebendiges Denkmal gesetzt – und der Seesener Jugend ein würdiges Podium geboten.