Sterben, Tod und Trauer sind keine Tabuthemen

Zahlreiche interessierte Besucher nahmen am Seminartag der Horizont-Hospizinitiative im Kirchenzentrum teil.
 

Gelungener Seminartag der Horizont-Hospizinitiative Seesen – Barbara Imfeld-Pinkepank Referentin

Mit 57 Teilnehmenden sehr gut besucht war der Seminartag „Sterben, Tod und Trauer – so fern und doch so nah“, zu dem die Horizont-Hospizinitiative Seesen eingeladen hatte.

Seesen (bo). In einfühlsamer und methodisch sehr ansprechender Weise gelang es der Referentin Barbara Imfeld-Pinkepank, die Teilnehmer dazu anzuregen, sich auch in so großer Runde mit eigenen Erfahrungen zu diesem oftmals schweren Thema zu beschäftigen und diese in einen lebendigen Austausch einzubringen. Gedanken über die Bedeutung von „Abschied“, Reflexionen über „das Wesentliche“ im Leben, Rollenspiele zur Kommunikation und zum Umgang mit Sterbenden, mit ihren Angehörigen, mit Trauernden sowie erfahrungsbezogene Erläuterungen zu typischen bzw. möglichen Phasen eines Trauerprozesses bildeten den methodischen Spannungsbogen. Dabei brachten neben der sympathischen und kompetenten Referentin auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ihren jeweiligen Erfahrungsfeldern ihre Erkenntnisse, Erlebnisse und Empfindungen mit ein und trugen so zu einem lebendigen gemeinsamen Lern- und Austauschprozess bei. Neben vielen ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und -begleitern aus Seesen und den umliegenden Regionen waren zahlreiche Pflegekräfte aus der Kranken- und Altenpflege, Ärzte und Heilpraktikerinnen und einige interessierte Bürgerinnen und Bürger der Einladung des Hospizvereins gefolgt.
So waren zum Beispiel aus Salzgitter, Osterode und aus Göttingen Teilnehmende zu dieser Tagesveranstaltung angereist. Alle stimmten darin überein, wie wichtig es ist, dass Sterben, Tod und Trauer nicht tabuisiert oder privatisiert werden, sondern dass diese Themen auch öffentlich wahrgenommen werden und dass darüber gesprochen wird. Aus eigenen Erfahrungen als selbst Betroffene oder als Begleitende von Betroffenen konnten die Teilnehmenden übereinstimmend feststellen, dass es für Menschen in Sterbe- und Trauerprozessen von großer Bedeutung ist, sich nicht allein, von Gott und der Welt verlassen zu fühlen. Von Nachbarn, Freunden und Verwandten wahrgenommen und einfühlsam begleitet zu sein, von guten Traditionen und hilfreichen Ritualen getragen zu sein, kann sehr dabei helfen, einen Abschieds- und Trauerprozess zu durchleben und zu bewältigen, so dass auch ein Leben danach möglich und lebenswert erscheint. Wie dies gelingen kann, dazu haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus diesem Fortbildungstag viele wichtige Impulse mitnehmen können. Als Multiplikatoren werden sie in ihren jeweiligen Arbeits- und Erfahrungsfeldern dafür sorgen, dass dem Lebensbereich Abschied, Sterben, Tod und Trauer auch weiterhin erhöhte Aufmerksamkeit zukommt. Der Dank der Horizont-Hospizinitiative Seesen gilt dem Ev. Kirchenzentrum für die Gastfreundschaft, dem Seniorenheim St. Vitus für die schmackhafte Verpflegung, der Buchhandlung Lippold für die Betreuung des Büchertisches und nicht zuletzt der Referentin, Imfeld-Pinkepank, Trauerbegleiterin aus Wolfenbüttel, für die engagierte Leitung des Tages.
Übrigens: Die Horizont-Hospizinitiative Seesen freut sich sehr über neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der inzwischen gut etablierte ambulante Dienst der Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen soll in bekannter Qualität weiter durchgeführt werden, und auch neue Aufgaben und Herausforderungen zeigen sich, je mehr das gesellschaftliche Tabu über dem Sterben gebrochen wird und die Bedürfnisse Sterbender und ihrer Angehörigen ins öffentliche Bewusstsein treten. Wer also Interesse an der Mitarbeit hat, kann sich an den Vorstand des Vereins wenden (1. Vorsitzender ist Pfarrer Tim-Florian Meyer, Telefon 943912), an Pastoralreferent Stefan Manzeck, der den MitarbeiterInnenkreis leitet (Telefon 74-2534) oder das Hospiztelefon anrufen (Telefon 0160-7580842).
Eine Möglichkeit, den Verein kennen zu lernen, ist auch die öffentliche jährliche Mitgliederversammlung am Diens­tag, 3. Mai; sie beginnt um 19 Uhr in der katholischen Kirche Maria Königin mit einer Gedenkandacht und wird im Pfarrheim an der Kampstraße 1 fortgeführt.