Stolpersteine glänzen wieder

Zehntklässler der Oberschule haben kürzlich wieder die Seesener und Rhüdener Stolpersteine gereinigt. Nach dem Start am Städtischen Museum ging es auch durch die Innenstadt.

Oberschüler reinigen Gedenksteine / Fahrt nach Auschwitz geplant

Kürzlich haben Schülerinnen und Schüler der Oberschule Seesen wieder die Stolpersteine in Seesen und Rhüden gereinigt. Stolpersteine sind Denkmäler, die in den Bürgersteig verlegt werden.

Sie sind vor Häusern zu finden in denen jüdische Mitbürger lebten, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden oder verfolgt und ermordet wurden. Der Hintergrund für die Reinigung am 9. November ist vielschichtig. Zum einen ist es das Erinnern an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, zum anderen ist es für 22 Schülerinnen und Schüler der Oberschule Seesen der inhaltliche Auftakt der Vorbereitungsphase auf eine Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz. Diese wird vom 15. bis 21.Februar 2016 stattfinden.
Intensiv haben sie sich mit der Bedeutung der Stolpersteine beschäftigt und sich mit der durchaus kontroversen Diskussion über die Stolpersteine auseinandergesetzt. Dass die Reaktionen auf die Reinigung der Stolperstein nicht nur positiv sein können, hatte eine Gruppe von Schülern im März 2015 erlebt (der „Beobachter“ berichtete). Wie man in solchen Situationen reagiert und wie man für sich selber damit umgeht, war ein weiterer Bestandteil der Vorbereitung. Die Mitglieder der Gruppe haben sich zudem im Rahmen eines Seminartags unter anderem im Museum der Stadt mit der Seesener Geschichte auseinandergesetzt. Sie werden die Analyse der Lebensgeschichten von Schülern der Jacobsonschule und Seesener Bürgern, die Anfang des Jahres begonnen wurde, weiterführen.
Insgesamt 33 Steine wurden wieder zum Glänzen gebracht. In mehreren Gruppen gingen die Zehntklässler durch die Stadt. Für einen Stein, den für Gerhard Julius Hamm, hat die Schule bereits vor vier Jahren die Patenschaft übernommen. Wer möchte, kann ebenfalls eine Patenschaft übernehmen. Rund 50.000 Steine gibt es übrigens deutschlandweit.
Damit sie vom alltäglichen Dreck befreit werden können, werden sie zunächst grob mit Wasser abgespült. Anschließend wird mit einem Schwamm und Putzmittel extra für Metall drübergeschrubbt. Zum Abschluss wird noch einmal mit Wasser abgespült und mit einem trockenen Tuch poliert.
Eine zweite Vorbereitungsphase wird kurz vor der Fahrt folgen. In ihr wird die Gruppe für sich den historischen Kontext wiederholen und sich auf den Aufenthalt in der Stadt Oswiecim und die Gedenkstätten Auschwitz und Auschwitz-Birkenau vorbereiten.
Die Nachbereitung wird mit einer Präsentation von neuen Forschungsergebnissen der Schülerinnen und Schüler enden. Bereits die Gruppe im vergangenen Jahr hat neue und in Seesen bisher nicht bekannte Informationen zu den Schicksalen von drei ehemaligen Schülern der Jacobsonschule erbracht. Einen wichtigen Stellenwert hat diese Gedenkstättenfahrt im Hinblick auf das von Richard von Weizsäcker geforderte Postulat des „Erinnerns als Aufgabe“. Dies sieht die Schule und der Leiter der Fahrt,  Dr. Thomas Droste, durch diese Fahrt in hohem Maße realisiert.
Ein nicht nur für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler spannendes Projekt, welches die Brücke schlägt von dem was vor mehr als 70 Jahren geschah und für Seesener Bürger in Auschwitz endete, und zu aktuellen Diskussionen und Auseinandersetzungen in unserer Gesellschaft.
Was die geplante Fahrt nach Auschwitz betrifft, so würden sich die Schülerinnen und Schüler über finanzielle Unterstützung aus den Reihen der Einwohner freuen, schließlich wird sie jeden Teilnehmer knapp 400 Euro kosten. Gespendet werden kann unter dem Vermerk „Spende Gedenkstättenfahrt“ auf das Konto der Oberschule Seesen, IBAN DE94 2789 3760 1003 3840 02, BIC: GENODEF1SES