Studienfahrt zu den "Königinnen der Instrumente"

Orgelfahrtteilnehmer bei den Konzerten. (Foto: bo)
 
Christoph Grohmann (Foto: bo)

Orgeln in den Niederlanden besichtigt / Claudia Schare führte die Reisegruppe / Beeindruckende Architektur

Seesen (hs). Seit nunmehr länger als einem Vierteljahrhundert machen sich alljährlich Menschen vornehmlich aus dem Raum Seesen und dem Raum Ostwestfalen zu einer gemeinsamen Fahrt auf den Weg, weil sie alle eines gemeinsam haben: die Liebe zur Musik auf der „Königin der Instrumente“ – der Orgel. In diesem Jahr wurde die Gruppe noch verstärkt durch Mitglieder der „Gesellschaft der Orgelfreunde“, die aus ihrer Fachzeitschrift von dieser Reise erfahren hatten und eigens zu diesem Zweck aus Wien, Sachsen, Hamburg oder Bayern angereist waren und sich an den Einstiegsorten in Seesen oder Bielefeld der Gruppe anschlossen.
Unter der organisatorischen Leitung der Kirchenmusikerin und Musikpädagogin Claudia Schaare aus Seesen-Rhüden und der musikalischen Leitung des Musikdozenten Christoph Grohmann aus Rheda-Wiedenbrück, ging die Studienreise in diesem Jahr erneut in die Niederlande, verfügt das doch relativ kleine Nachbarland im Westen Europas bekanntlich über eine lange Musiker-, Musik- und Orgeltradition. Im Jahr 1988 war schon einmal eine Orgelstudienreise nach Holland unternommen worden.
Und von daher galt es für Christoph Grohmann, schon in der Vorbereitungsphase eine gewisse Auswahl der Orgeln zu treffen, auf denen er dann im ausgesuchten Zielgebiet wäh­rend dieser Studienfahrt mit der zu den Instrumenten passenden Literatur spielen oder zu gewünschten Themen frei improvisieren würde.
In schon durch ihre Größe oder aufwendige Architektur beeindruckenden Kathedralen und Kirchen haben die Orgelbauer früherer Zeiten hier eindrucksvolle Zeugnisse ihrer Tätigkeit hinterlassen.
So befinden sich in diesen Gebäuden alte Orgeln, die neben ihrer äußeren Pracht über eine gewaltige Klangfülle verfügen und die (wie in der Nieuwe Kerk in Amsterdam) auch mit schließbaren Flügeltüren ausgestattet sind.
Für diese Orgelstudienfahrt wurden die Provinzen Utrecht und Nordholland ausgesucht; hier hörten die Reiseteilnehmer Konzerte an den Orgeln in den Kathedralen oder Kirchen von Utrecht, Amsterdam, Haarlem, Oosthuizen (am Ijselmeer), Edam, Gouda, Leiden und Noordwijk (Badeort an der holländischen Nordseeküste).
Neben den Orgeln blieb den Fahrtteilnehmern bei ihrem Besuch in den Niederlanden aber auch ausreichend Zeit zum Kennenlernen der weiteren landestypischen Merkmale, welche das Nachbarland zu bieten hat, als da sind: Käse, Windmühlen, Grachten, Ka­nä­le und – Radfahrer!
In den Läden in Edam konnte man beispielsweise Käse erwerben, der nicht nur dem jeweiligen individuellen Geschmacksempfinden entsprach, sondern farblich abgestimmt auch zu jeder Kleidung passte. Wie der Käse vermarktet wird, erlebten die Orgelfreunde recht eindrucksvoll bei dem touristischen Spektakel „Käsemarkt in Alkmaar“. Auf dem Wochenmarkt in Gouda wiederum trafen sie auf eine Kirmesdrehorgel, wie sie ähnliche dieser Art bereits im Spieluhrenmuseum in Utrecht vorgeführt bekommen hatten.
Selbstverständlich gehörte auch eine ausgedehnte Sightseeingtour per Boot über die Grachten in Amsterdam zu den Attributen dieser Reise, ganz abgesehen von dem Erleben der vielen internationalen Touristen, die sich in den Straßen dieser Stadt aufhalten. Doch auch die vielen Radfahrer, die mit zum Teil recht kreativen Gefährten allgegenwärtig durch die Gegend reisen und die prinzipiell Vorfahrt genießen, galt es, nicht aus den Augen zu verlieren. Bei einem kurzen Zwischenaufenthalt auf der Strandpromenade erlebte die Reisegruppe vor dem Orgelkonzert in Noordwijk in einem imposanten Schauspiel auch noch, was die Nordsee selbst im Sommer so zu bieten imstande ist: Bei Regen und kräftigem Westwind war die See derart aufgewühlt, dass hohe Wellen auf den Strand aufschlugen und die Gischt nur so sprühte.
Die Niederlande insgesamt sind reich an Schätzen, doch kann eine Zeitspanne von fünf Tagen, wie sie für diese Orgelstudienfahrt allein nur in dieses jetzt besuchte Gebiet vorgesehen war, nicht ausreichen, sie alle zu entdecken. Dazu bedarf es einer weiteren Reise dieser Art. Bei diesen Orgelstudienfahrten kann übrigens jeder mitfahren, der Interesse an Orgeln hat oder gern Orgelmusik hört; besondere Kenntnisse sind nicht erforderlich.
Für die Orgelstudienfahrt, die im nächsten Jahr wieder in Deutschland stattfinden soll, sind die Planungen bereits jetzt angelaufen; Näheres dazu wird zu gegebener Zeit berichtet.