Sturmtief „Herwart” sorgt vor allem im Oberharz für Chaos

In Altenau kippte ein Baum auf ein Wohnmobil und riss das darin schlafende Ehepaar unsanft aus dem Schlaf. (Foto: Polizei)

Mehrere Bundes- und Landesstraßen gesperrt / Feuerwehren im Dauereinsatz, wenn auch nicht überall

Der Herbst 2017 hat es in sich, in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag fegte bereits der dritte Herbststurm über die Region hinweg. Sebastian Schappert vom Deutschen Wetterdienst teilte im Vorfeld mit, „dass „Herwart " nicht ganz so stark wie „Xavier" ausfallen wird. Zudem bieten die Bäume zur fortgeschrittenen Jahreszeit weniger Laub als Angriffsfläche für den Wind. Stürmisch war es dennoch. „Herwart” sorgte für zahlreiche Feuerwehreinsätze.
In der Region rund um Seesen blieb es vergleichbar ruhig. Auf umgestürzte Bäume, herunterfallende Dachziegel und weitere Schäden hatten sich die Brandschützer eingestellt. In Seesen gab es am Sonntag nur einen Einsatz. „Auf einem Privatgrundstück in Seesen war ein Baum umgestürzt”, sagt Seesens Ortsbrandmeister Thomas Bettner, auf Anfrage des „Beobachter”. Auch in den Seesener Stadtteilen blieb es ruhig. „Die Feuerwehren hatten einen ruhigen Sonntag”, sagt Klaus Kiehne, Seesens stellvertretender Stadtbrandmeister. Gleiches in der Samtgemeinde Lutter. Auch hier war Gemeindebrandmeister Hans-Hermann Beltau angesichts des stürmischen Sonntags überrascht, dass es zu keinem Einsatz im Gemeindegebiet kam. In anderen Orten des Landkreises Goslar ein ganz anderes Bild.
Sturmtief „Herwart” führte zu zahlreichen umgestürzten Bäumen im Harz. Mehrere Bundes- und Landesstraßen mussten am Sonntag gesperrt werden, besonders betroffen war die Hauptverkehrsader B4, die zwischen Bad Harzburg und Hohegeiß verläuft. Ullrich Kohl, Pressesprecher der Kreispressegruppe Kreisfeuerwehr Goslar, gab am Sonntagmittag einen Überblick: Die Einsatzschwerpunkte befanden sich im Bereich der Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld sowie im Bereich der Stadt Braunlage. In Clausthal-Zellerfeld hatten mehr als 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr einige Einsatzstellen zu bearbeiten. Eine 20.000 Volt-Stromleitung war hier auf die Straße gestürzt. Zum Glück wurde niemand verletzt, Sachschaden entstand in Clausthal-Zellerfeld, als umstürzende Bäume auf Wohnhäuser kippten. In Altenau kippte ein Baum auf ein Wohnmobil und riss das darin schlafende Ehepaar unsanft aus dem Schlaf, hieß es aus dem Polizeikommissariat Oberharz
Das Erholungsheim Festenburg ist nur noch über Waldwege erreichbar und die Steilewand Straße zwischen Altenau und Torfhaus musste ebenfalls gesperrt werden. Die hier liegenden Bäume erlauben auf Grund der Gefährdungslage in den Mittagsstunden keine Aufräumarbeiten durch die Feuerwehr.
Im Bereich der Stadt Braunlage ist die B4 als Einsatzschwerpunkt zu nennen. Bäume versperren den Weg in Richtung Bad Harzburg.
In der Stadt Bad Harzburg ist ein Baum auf ein Hotel gefallen. Durch das offene Dach des betroffenen Anbaus tritt Wasser in das Hotel ein. Insgesamt sind in Bad Harzburg mehr als 20 Einsatzstellen zu verzeichnen. Zu gut 34 Einsätzen wurden die Feuerwehrleute im Goslarer Stadtgebiet gerufen. Seit Sonntagmorgen, um 3.46 Uhr, waren die Einsatzkräfte von acht Feuerwehren fast ununterbrochen im Einsatz.
Auswirkungen hat Sturmtief „Herwart” auch auf die Wälder. Vor einem Betreten der Wälder wird gewarnt, da auch nach dem Sturm noch Bäume umstürzen können. „Aufgrund der aktuellen Sturmwirkungen sind zahlreiche Wanderwege im Nationalpark Harz blockiert und nicht zu betreten. Weitere Bäume sind beschädigt und es besteht Nachbruchgefahr”, teilt Dr. Friedhart Knolle vom Nationalpark Harz mit. Aufgrund zahlreicher umgefallener Bäume ist auch der Zuweg zur Rangerstation und Raststätte Scharfenstein unbegehbar und der Scharfenstein daher geschlossen worden. Wer am morgigen Dienstag, dem Reformationstag, einen Ausflug plant, sollte das genau überlegen. „ Die Aufräumungsarbeiten können erst nach Abflauen des Sturms beginnen und sich durch den Feiertag verzögern”, darauf weist Dr. Friedhart Knolle noch einmal explizit hin.
Gegen 15 Uhr entspannte sich so langsam die Lage wieder auf den Straßen und den Schienen im Harz. Bevor die Bahnstrecken für den Zugverkehr wieder freigegeben wurden, mussten sie auf Schäden überprüft werden. „Ein Ersatzverkehr mit Bussen kann nicht eingerichtet werden, da die Gefahrensituation auf den Straßen ähnlich hoch ist”, teilt das Bahnunternehmen Erixx mit. Dessen Züge verkehren unter anderem zwischen Goslar und Braunschweig. Da es am Sonntag zu Zugausfällen und erheblichen Verspätungen kam, hat Erixx reagiert: „Fahrkarten mit Geltungstag 29. Oktober werden auch am heutigen Montag, 30. Oktober, und am Dienstag, 31. Oktober, bei Erixx anerkannt, sofern sie aufgrund der witterungsbedingten Einschränkungen noch nicht genutzt werden konnten, teilte das Unternehmen mit.