Synagoge und Tempel: Ausstellung eröffnet

Vor der Orgel (von links): Stefan Bungert, Leiter des Jacobson-Gymnasiums, Edelgard Bulmahn, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Prof. Andor Izsák vom EZJM und Dr. Joachim Frassl als Jacobstempel-Insider.

Prof. Andor Izsák begrüßt in Hannover zahlreiche Gäste aus Seesen / Tempel der Jacobsonschule ein „Prototyp“

Die Ausstellung „Synagoge und Tempel – 200 Jahre jüdische Reformbewegung und ihre Architektur“ ist jetzt bis zum 6. Mai in der Villa Seligmann, Hohenzollernstraße 39, in Hannover zu sehen.

Sie ist zum Synagogen-Jubiläum 2010 aus der Kooperation der Stadt Seesen und des Jacobson-Gymnasiums mit der Braunschweiger Bet Tfila Forschungsstelle für jüdische Architektur entstanden und als Wanderausstellung konzipiert worden. Wie komplex die Synagogen-Reformen des 19. Jahrhunderts in den Bereichen Architektur, Musik und Ritus als ästhetisches „Gesamtgebäude“ zu verstehen sind, wird jetzt in der Villa Seligmann sinnfällig vor Augen geführt.
Professor Andor Izsák, Direktor a. D. des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik begrüßte neben der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Edelgard Bulmahn, eine illustre Gästeschar, zu der auch zahlreiche Seesener gehörten: Schließlich ist der Tempel der Jacobson-Schule ein richtungsbestimmender „Prototyp“ gewesen.
Andor Izsák ließ es sich nicht nehmen, zum Abschluss seiner Einführung kurz auch in launiger Präsentation die Orgelmusik zu „Wort“ kommen zu lassen. Das bekannte Eingangslied für den Synagogengottesdienst, das „Ma Tovu“ („Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen …“) stimmte auf die Modell-Ausstellung der zerstörten Synagogen musikalisch ein, nicht ohne über das „Caro Mio Ben“ des Guiseppe Giordano (18. Jahrhundert) die Ohren auch in Richtung „Große Oper“ zu schärfen.
Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann, von der benachbarten Hochschule für Musik, Theater und Medien betonte in ihrem Grußwort besonders die Kontinuität der Generationen der nachfolgenden Studentengruppen in Musik und Architektur und wies auf die Kooperation von Musikhochschule und Braunschweiger Bet Tfila mit dem EZJM hin.
Der Einführungsvortrag durch Prof. Dr. Harmen Thies von der Bet Tfila erläuterte die Gestaltungsideen der Ausstellung, wies dabei auch auf die Schwierigkeit hin, Synagogengebäude zu typisieren, wies auf die Einzigartigkeit des Seesener Tempels, aber auch der Nachbarkirche St. Andreas in Seesen hin. Nahezu grundsätzlich betonte er: „Wenn Sie wissen wollen, wie die jeweilige Synagoge des 19. Jahrhunderts gestaltet war, studieren Sie die Architektur der jeweiligen Nachbarkirchen.“
Nach der Einführung musste logisch noch ein „Postludium“ durch Professor Izsák an der Orgel folgen: „Ich finde Lewandowski gut, ich mag Sulzer, aber – ehrlich – der allerbeste war Onkel Johann Sebastian.“ Und so erklang – quasi als kurze Hörprobe zum Abschluss des offiziellen Teils – Bachs Praeludium und Fuge in Es-Dur.

Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm sind im Internet abrufbar:
www.ezjm.hmtm-hannover.de
www.villa-seligmann.de
www.bet-tfila.org