Tafel unterstützt über 500 Bedürftige

Seesener Tafel im Einsatz gegen „sinnlose Lebensmittelvernichtung“

In Deutschland landet fast die Hälfte aller produzierten Lebensmittel auf dem Müll. Das meiste davon, bevor es unseren Esstisch erreicht. Experten sprechen allein in Deutschland von bis zu 20 Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel – 500.000 Lkw-Ladungen, die jährlich vernichtet werden – im Gegenwert von über 20 Milliarden Euro.
Gründe dafür, dass qualitativ einwandfreie Lebensmittel im Müll landen, gibt es viele: zu viel gekaufte oder gekochte Ware oder in Kühlschrank oder Vorratskammer vergessene Ware durch den Verbraucher, gesetzliche Richtlinien wie unter anderem das Mindeshaltbarkeitsdatum (MHD) und Handelsnormen sowie Transportverluste sind die Ursache für die Vernichtung wertvoller Lebensmittel. Sie zwingen zum Beispiel Hersteller dazu, qualitativ gute Ware auszusortieren, weil diese optisch nicht der Norm entsprechen. Lebensmittel gibt es – scheinbar – im Überfluss. Auf der anderen Seite können sich viele Menschen in der Bundesrepublik nicht ausreichend ernähren und müssen auf jeden Cent achten.
Die Tafeln in Deutschland, wie die Seesener Tafel, setzen sich seit ihrer Gründung dafür ein, dass aufwändig erzeugte Lebensmittel dort hingelangen, wo sie hingehören: in den Magen eines Menschen. Inzwischen haben auch Politik und Wirtschaft erkannt, dass es Zeit ist, gegen den Ausmaß der Lebensmittelverschwendung anzugehen. Dabei sind die Tafeln schon heute, ein herausragendes Praxisbeispiel im Einsatz gegen sinnlose Lebensmittelvernichtung.
Rund 25 Lebensmittelhändler spenden hochwertige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel für die Seesener Tafel. Woche für Woche zwischen 800 und 1000 Kilogramm. Damit die Lebensmittel verteilt werden können und die Seesener Tafel funktioniert, engagieren sich etwa 15 Frauen und Männer ehrenamtlich als Fahrer, Verteiler, für die Öffentlichkeitsarbeit und in der Verwaltung. Jährlich sind sie dabei über 2300 Stunden unentgeltlich im Einsatz.
Das Engagement der vielen Spender und Helfer kommt vor allem denjenigen zugute, die auf Unterstützung angewiesen sind. Der Überfluss wird so nicht vernichtet, sondern mit Herz und Verstand verteilt. Derzeit benötigen knapp 530 sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen die Unterstützung der Seesener Tafel. Ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.
Dabei ist die Zahl der Neuanmeldungen mit dem Umzug in das neue Gebäude in der Baderstraße 8 noch einmal um 30 Prozent gestiegen. „Die Nachfrage ist inzwischen so groß, dass wir eine Warteliste führen müssen“, so Marion Deerberg, Vorsitzende des Tafel-Trägers und der Leitung. „In der Regel müssen die Betroffenen aber nicht länger als eine Woche warten, bis wir sie bei uns aufnehmen können,“ fügt Marion Deerberg hinzu.