Tag und Nacht im Einsatz

Rund 250 Einsätze haben die Seesener Feuerwehren im Jahr zu verzeichnen. „Die Stadt Seesen, allen voran Bürgermeister Erik Homann, ist mit Rat und Verwaltung per Gesetz verpflichtet, eine Freiwillige Feuerwehr aufzustellen und zu unterhalten“, erklärt Jürgen Warnecke. Den Stadtbrandmeister ärgert, dass wegen der anfallenden Kosten öffentlich über Zusammenlegungen und Sparmaßnahmen diskutiert wird.

Seesens Stadtbrandmeister Jürgen Warnecke ärgert sich über „unqualifizierte Äußerungen”

Seesens Stadtbrandmeister Jürgen Warnecke ist sauer, und zwar mit Blick auf die jüngsten Äußerungen und auch Leserbriefe, betreffend die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr vor Ort. Das Fass zum Überlaufen gebracht haben sicherlich die dabei angestellten Überlegungen, aus Kostengründen einzelne Ortsfeuerwehren zusammenzulegen. Das hat Warnecke nun dazu veranlasst, sich an die Öffentlichkeit zu wenden und einmal aus seiner Sicht die Sachlage darzustellen. Mit Erstaunen müsse er leider immer wieder feststellen, „dass viele Personen in unserer Gesellschaft leben, die mit dem Thema ‘Freiwillige Feuerwehr’ nicht vertraut sind und dann mit mehr oder weniger unqualifizierten Äußerungen für viel Unmut gerade bei den aktiven Mitgliedern sorgen“, so der Stadtbrandmeister; bei Aktiven, die 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag bei etwa 250 Einsätzen jährlich durch ihren ehrenamtlichen Dienst für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger der Stadt eintreten.

Bei der Freiwilligen Feuerwehr seien lediglich der Eintritt und Austritt freiwillig; alles andere sei durch Vorschriften, Erlasse und Gesetze im Land Niedersachsen geregelt. Jedes Mitglied der Einsatzabteilung verpflichte sich, sowohl an den Übungsdiensten als auch an den Einsätzen teilzunehmen.
„Die Stadt Seesen, allen voran Bürgermeister Erik Homann, ist mit Rat und Verwaltung per Gesetz verpflichtet, eine Freiwillige Feuerwehr aufzustellen und zu unterhalten“, machte Jürgen Warnecke noch einmal deutlich. Laut Niedersächsischem Brandschutzgesetz bis 100.000 Einwohner als freiwillige Feuerwehr, ab 100.000 Einwohner durch eine Berufsfeuerwehr.
Gesetzlich vorgegebene Hilfsfristen erforderten beispielsweise bei einem Wohnungsbrand das Eintreffen einer Löschgruppe innerhalb von 13 Minuten nach der Brandentdeckung. Unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen Alarmierungszeit von etwa fünf Minuten würden also für die ersten Einsatzkräfte gerade acht Minuten verbleiben, um den Einsatzort zu erreichen, und zwar mit einem Löschfahrzeug.
Warnecke weiter: „In diesem Zusammenhang sei mir die Bemerkung gestattet, dass es von wenig Sachverstand spricht, wenn jemand davon ausgeht, dass eine Feuerwehr ohne gut ausgebildetes Personal mit der vorgeschriebenen persönlichen Schutzausrüstung und eigenem Fahrzeug mit entsprechender Beladung/Ausstattung ‘funktioniert’.“ Alle aktiven Mitglieder und auch alle Ortsfeuerwehren würden dringend benötigt, das hätten die vielen verschiedenen und zahlreichen Einsätze immer wieder gezeigt. Aufgrund der berufsbedingten Abwesenheit eines Großteils der rund 400 Aktiven gelange man schon jetzt in manchen Situationen an die Leistungsgrenze.
Seesens oberster Brandschützer erinnerte in diesem Zusammenhang noch einmal daran, dass permanent an neuen Konzepten gearbeitet werde, um hier strukturelle Verbesserungen zu erreichen. So seien kürzlich die Ortsfeuerwehren in zwei Züge gegliedert worden, um bei entsprechenden Schadenlagen sowohl personell als auch ausrüstungsmäßig optimal vorbereitet zu sein: Der Zug Süd setzt sich zusammen aus den Feuerwehren Herrhausen, Münchehof, Kirchberg und Ildehausen; der Zug Nord aus Engelade, Bilderlahe, Mechthausen und Bornhausen. Dann gebe es die Stützpunktfeuerwehr Rhüden und die Schwerpunktfeuerwehr Seesen, die beide zusätzliches Material für alle zehn Feuerwehren stationiert haben. „Das alles dient dazu, um mit minimalstem finanziellem Aufwand die Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten“, so Warnecke.
Auch in der sehr angespannten finanziellen Lage der Stadt Seesen sollte man seiner Meinung nach nicht am falschen Ende sparen, denn wie wertvoll sei allein ein gerettetes Menschenleben. Im schlimmsten Fall könnten auch fünf Minuten, die die nächste Schwer- beziehungsweise Stützpunktfeuerwehr länger in die Stadtteile bräuchte, über Leben und Tod entscheiden.
„Die Bürgerinnen und Bürger dürfen versichert sein, dass auch in der Vergangenheit bereits alle Entscheidungen gemeinsam mit der Stadt als Trägerin der Feuerwehr unter besonderen Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten getroffen wurden“, betonte Jürgen Warnecke. Für nicht eingeweihte Personen sei es sicher nicht leicht, das komplexe Thema Feuerwehr zu erfassen. Deshalb lade er, Warnecke, alle Interessierten zum Dialog ein. Er sei gern bereit, über „die Feuerwehr“ Rede und Antwort zu stehen.