Theater hat nichts mit dem Staub alter Reclam-Heftchen gemein

Generalintendant Joachim Klement und Schulleiterin Annegret Tuchtfeld unterzeichnen den Kooperationsvertrag.

Seesener Realschule und Staatstheater Braunschweig schließen Kooperation

Die Seesener Realschule und das Staatstheater Braunschweig haben am vergangenen Mittwoch einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Das Projekt „Theater.Fieber“ ist ein innovatives Kooperationsprojekt des Staatstheaters Braunschweig mit Schulen aus Braunschweig und dem Braunschweiger Land.

Von Maximilian Strache

Seesen. Ziel des Projektes ist es, bei den Schülern das Interesse am Theater zu wecken. Joachim Klement, Generalintendant des Braunschweiger Staatstheaters, geht bei der Intention des Projektes noch weiter. „Bei dem Projekt spielt nicht nur der Gedanke zukünftige Zuschauer zu gewinnen eine Rolle. Vielmehr ist kulturelle Bildung eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft.“ Im Theater, so der Generalintendant, entsteht Gemeinschaftssinn. Bildung, Kultur und soziale Kompetenz seien die Grundpfeiler einer zukunftsfähigen Gesellschaft. In diesem Zusammenhang behandle das Theater die entscheidenden Fragen des Lebens: Was ist der Einzelne? Was ist der Andere? Was ist die Gemeinschaft? Fragen, die gerade in einer Gesellschaft, die frei nach den Thesen Heitmeyers, sich immer weiter individualisiert, in den Fokus schulischer Bildung gerückt werden müssten.
Natürlich solle auch der moderne Charakter des Theaters den Schülern nahegebracht werden. „Es geht uns nicht darum die Schüler mit dem Staub alter Reclam-Heftchen zu behelligen. Es geht uns vielmehr darum, den Schülern die zeitgenössische Ästhetik des Theaters näher zu bringen“, erläutert Klement.
Der Generalintendant ist sich sicher, dass Theater viel mehr ist als eine Unterhaltungsfabrik. „Wir verstehen uns als ein kulturelles Kraftwerk, sagt Klement, ein Ort an dem die essentiellen Probleme der Gegenwart thematisiert werden.“
Besondere Bedeutung misst das Theater dem wechselseitigen Dialog bei. Es soll ein reger Austausch zwischen der Seesener Realschule und dem Staatstheater aufgebaut werden. Unter anderem, so die Idee, könnten einige Inhalte aus dem Theater in den Unterricht einfließen. Begleitet wird das Projekt auf Seite der Schule von den Lehrerinnen Angelika Cronjäger und Hildegard Reinecke.
Die Schirmherrschaft für das Projekt haben die Ministerin für Wissenschaft Professorin Dr. Johanna Wanka und Braunschweigs Oberbürgermeister.
Begleitet wird das Projekt zudem von einer Theaterpädagogin des Staatstheaters, die regelmäßig nach Seesen reisen wird, um gemeinsam mit den Schülern zu arbeiten. Die Vertragslaufzeit ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt. Nach rund anderthalb Jahren soll ein erstes Fazit gezogen werden. Schulleiterin Annegret Tuchtfeld sieht in dem Projekt eine große Chance für die Schule und freut sich auf die Zusammenarbeit.