Trunkenbold muss sechs Monate hinter schwedische Gardinen

40-Jähriger Seesener wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte erneut verurteilt / Betrunken imGerichtsaal

Seesen (hz). Ein 40-jähriger Seesener, der sich wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gestern Mittag vor dem Seesener Amtsgericht zu verantworten hatte, bescherte dem Vorsitzenden Richter Frank Rüger zunächst einmal eine kleine Pause. Der Angeklagte musste nämlich noch vor Verhandlungsbeginn dringend eine Zigarette rauchen. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, was der Angeklagte für eine nervenaufreibende Nacht hinter sich gehabt haben muss.
Der Polizeibeamte, der bei der Hauptverhandlung als Zeuge aussagen sollte, brachte den 40-Jährigen gleich zur Verhandlung mit. Er hatte ihn am Abend zuvor mit aufs Revier genommen, nachdem der „Trunkenbold“ drei Einsätze wegen Ruhestörung in der Innenstadt ausgelöst hatte. Mit etwa 2,3 Promille im Blut durfte der Angeklagte also die Nacht vor der Verhandlung in Gewahrsam verbringen, bevor er wieder halbwegs fit, aber immerhin noch mit 1,9 Promille im Amtsgericht aufschlug. Nachdem nun die erste Zigarette des Tages aufgeraucht war, konnte auch die Verhandlung beginnen.
Wie es zu der Anklage kam, ist schnell erzählt: Der 40-Jährige traf sich im Januar mit seinen Zechkumpanen, trank Alkohol bis zur Besinnungslosigkeit und wurde schließlich von Polizeibeamten aus der Wohnung seines Bekannten gebracht, weil er selber die Wohnung nicht verlassen wollte. Seinen Unmut tat er kund, indem er die beiden Polizisten zunächst verbal beleidigte und später auch handgreiflich wurde.
Insgesamt verbrachte der Seesener schon knapp zwölf Jahre seines Lebens hinter Gittern. Sein Vorstrafenregister gleiche einer umfangreichen Broschüre, so Rüger gestern im Gerichtssaal. Wie ein kleiner Junge, der ein Glas Wasser umgeworfen hat, zuckte der 40-Jährige beim Verlesen seiner Vorstrafen mit den Schultern und rollte reumütig mit den Augen. Dennoch sind die 36 Voreintragungen kein Pappenstiel – zudem stehen noch zwei Strafreste zur Bewährung aus. Richter Frank Rüger verurteilte den 40-jährigen zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe. Mit Handschlag verabschiedete sich der „treue Kunde“ von Rüger und versprach, in Zukunft nicht mehr nach Seesen zu kommen. Seine neue Wohnung befindet sich in Braunschweig und seine ehemalige Verlobte, die ebenfalls einige Zeit im Gefängnis saß, habe ihn betrogen. In Zukunft ziehe ihn also nichts mehr in die Vorharzstadt – man darf gespannt sein! Die Zigarette nach der Verhandlung genoss der 40-Jährige zumindest erstmal noch an frischer Luft.