„Tun Sie etwas, egal wie, fangen Sie einfach an“

DRK-Bereitschaftsführer Wilfried Wende und Dr. Gloeckner zeigten, was im Notfall zu tun ist. (Foto: bo)

Dr. Reiner-Joachim Gloeckner frischt Erste-Hilfe-Wissen der Damen des Lions Clubs Seesen-Osterode auf

Seesen (bo). Jeder, der im Besitz eines Führerscheins ist, hat bereits einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Aber wenn man doch mal ehrlich ist – wie lange ist das bei vielen schon her und was weiß man noch davon? Auch haben sich die Empfehlungen inzwischen immer wieder geändert und an die neuesten Erkenntnisse aus der Medizin angepasst – Zeit also, das lebensrettende Wissen wieder aufzufrischen. Die Damen des Lions Clubs Seesen-Osterode „Roswitha von Gandersheim“ hatten mit Dr. Reiner-Joachim Gloeckner einen äußerst erfahrenen langjährigen Notarzt eingeladen, um sich auf den neuesten Stand in Sachen Unfall- Ersthilfe zu bringen. Gewürzt mit spannenden Einsatzberichten und mit fundiertem Wissen stellte Dr. Gloeckner kurz und prägnant die wichtigsten Fakten klar:
Hauptsache man tut etwas – besser ein schlecht versorgter Lebender, als ein unversorgter Toter. Ganz davon abgesehen, dass jeder Autofahrer die Pflicht hat, bei einem Unfall zu helfen. Das Allerwichtigste ist jedoch die Sicherheit. Und dazu gehört erst einmal, dass man sich als Helfer ebenfalls durch das Tragen der Warnweste und das in ausreichendem Sicherheitsabstand aufgestellte Warndreieck sichert.
Als nächstes muss der Notruf abgesetzt werden. Hier ist bundeseinheitlich die 112 für die Feuerwehr, beziehungsweise Rettungsstelle die richtige Telefonnummer. Und auch beim Absetzen des Notrufs sind einige Regeln einzuhalten. Wichtig ist: Wo geschah der Unfall, wie viele sind verletzt und wie schwer sind die Verletzungen. Anschließend aber vor Aufregung nicht gleich wieder auflegen, um der Leitstelle Nachfragen zu ermöglichen. Danach beginnt die aktive Hilfe – es sei denn, man würde sich dabei selbst in Gefahr bringen, oder man kommt an den Verletzten nicht heran. In einem solchen Fall ist die Alarmierung der Einsatzkräfte das Wichtigste und man sollte die Rettung den Spezialisten überlassen.
Auch warnte Dr. Gloeckner vor den Tücken der modernen Kraftfahrzeugtechnik, wie Airbags, die den Retter selbst durch verspätetes Auslösen in Gefahr bringen können. Kommt man an den Verletzten heran, ist es auf jeden Fall wichtig, den Verunglückten mittels Rettungsgriff aus der Gefahrenzone zu holen, die Vitalfunktionen zu überprüfen und ihn bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage zu bringen. Motorradfahrern sollte zuvor der Helm mit der nötigen Vorsicht abgenommen werden. Sind keine Vitalfunktionen wie Atmung und Herzschlag feststellbar, so wird geraten, unverzüglich mit Herzmassage und Beatmung zu beginnen, denn spätestens sieben Minuten nach dem Herz- und Atemstillstand gehen Hirnzellen unwiederbringlich verloren. Nach neuesten Erkenntnissen ist hierbei das Schema: 30 Herzmassagen, danach zwei Beatmungen im Wechsel ideal.
„Also tun Sie etwas, egal wie, fangen Sie einfach an“ so Dr. Gloeckner, „haben Sie keine Angst etwas Falsches zu tun, wenn Sie nichts tun wird der Verunfallte es vielleicht nicht überleben – tun Sie was!“
Und damit die Damen des Lions-Clubs auch wissen, was und wie sie helfen können und um in Zukunft mit größerer Sicherheit einer Unfallhilfe entgegensehen zu können, wurde die Reanimation mit Hilfe von Lilli Lehmann und Wilfried Wende vom Deutschen Roten Kreuz ausgiebig am „Dummy“ geübt. Zum Schluss wurde auch der Einsatz eines automatischen Defibrillators demonstriert.
Der Defibrillator sorgt über Sprachanweisungen dafür, dass alle erforderlichen Dinge in richtiger Reihenfolge durchgeführt werden. Die Maschine kontrolliert sich selbst und gibt nur bei bestehendem Kammerflimmern den „Stromstoß“ frei.
Am Ende des gelungenen Clubabends bedankte sich die Präsidentin, Hannelore Holzgraefe, mit einer Spende über 250 Euro bei Dr. Gloeckner und den freiwilligen Helfern vom DRK für den anschaulichen „Aufbaukurs“ in Sachen Erste Hilfe am Unfallort mit der Hoffnung, das Gelernte nie in der Wirklichkeit unter Beweis stellen zu müssen – aber auch mit der Gewissheit, nunmehr besser für den Notfall gerüstet zu sein.