Über möglichen Windpark informiert

Selten war eine Ortsratssitzung in Bornhausen so gut besucht wie am vergangenen Mittwoch. Zahlreiche Einwohner des Dorfes wollten sich am Mittwochabend über die geplanten Windkraftanlagen informieren. Der Ortsrat um Bürgermeister Jürgen Kühl (stehend) hatte sich bereits im vergangenen Jahr gegen die Errichtung eines derartigen Windparkes ausgesprochen.

Geplante Anlagen bei Bornhausen werden zum Politikum / Bau frühestens im Jahr 2016 möglich

Windkraftanlagen in der Nähe Bornhausens – ja oder nein? Das ist hier die Frage. Nach den Planungen des Zweckverbandes Großraum Braunschweig ist vorgesehen, eine Fläche zwischen Bornhausen und Seesen als Vorranggebiet für Windenergie festzulegen. Die Fläche wäre voraussichtlich für die Errichtung von insgesamt sechs oder sieben Windenergieanlagen geeignet.
Aufgrund der verankerten Ausschlusswirkung wären im Gebiet der Stadt Seesen außerhalb dieses Vorranggebietes aktuell keine weiteren raumbedeutsamen Windenergieanlagen zulässig; dies betrifft sowohl Einzelanlagen als auch Windparks.
Bereits im vergangenen Jahr hatte die Verwaltung der Stadt Seesen eine ablehnende Haltung gegen die Errichtung eines Windparkes an dieser Stelle gezeigt. Von der ist man bis heute nicht abgewichen. Auch Ortsrat und viele Anwesende der Sitzung am vergangenen Mittwoch im Bornhäuser Schützenhaus, zeigten sich wenig erfreut, dass das Unternehmen wpd onshore GmbH & Co KG hier einen Windpark errichten möchte. Vor allem uninformiert fühlt sich ein Großteil der Bevölkerung. Auch deswegen kam eine Sprecherin des Unternehmens aus Bremen nach Bornhausen zur Ortsratssitzung, um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Rund 50 Anwesende dokumentierten mit ihrem Kommen, dass die Diskussion um die geplanten Windkraftanlagen die Gemüter durchaus erhitzen.
Unternehmens-Projektentwicklerin Kerstin Becker hatte in einer rund halbstündigen Präsentation alle wichtigen Details und Prognosen zum Bornhäuser Windpark vorgebracht. Zunächst stellte die Diplom-Ökonomin das Unternehmen vor. wpd onshore sei eines der führenden Unternehmen bei der Umsetzung von Windkraftprojekten in Deutschland und hat bereits zahlreiche Windparks realisiert.
Kirsten Becker ging unter anderem auch auf die Problematik von Schattenfall und die Problematik von Geräuschen hin, die durch die Windkraftanlagen entstehen. Gegner solcher Windkraftanlagen führen gerade den Schattenwurf und die Emission immer wieder ins Feld.
„Die vom Gesetzgeber vorgegebenen Grenzen werden eingehalten“, erklärte die Projektleiterin gleich zu Beginn. Anhand von Simulationen haben man das berechnet. Sie machte indes keinen Hehl daraus, dass man die Windkraftanlagen, die eine Höhe von rund 200 Meter haben, nicht übersehen würde. „Unsichtbar sind die Windräder tatsächlich nicht“, so Becker.
Der Stadt Seesen würden die Anlagen Gewerbesteuern in Höhe von rund drei Millionen Euro bescheren. Nicht jährlich, aber insgesamt. Die Stadt hat sich trotzdem erst einmal ablehnend gezeigt. Letztendlich baue das Unternehmen wpd dort Windkraftanlagen, wo es möglich sei. Man hätte gern auch eine Fläche im Bereich von Rhüden, die ist aber inzwischen vom Zweckverband wieder verworfen wurden ist. Nun also Bornhausen. Bis es soweit ist und hier ein Windpark entstehen könnte, wird noch reichlich Wasser die Schildau und Schaller hinunterlaufen. Vor 2016 wird nicht gebaut.
Beim Zweckverband in Braunschweig liegen derzeit Einsprüche vor, die behandelt werden müssen. Wesentliche Gründe hierfür sind die schon erwähnte Lärmemission, der Schattenwurf und die Landschaftsverschandelung direkt in Nähe des Dorfes.
Einige Bornhäuser Landwirte stehen derzeit aber bereits in Verhandlungen über den Landverkauf respektive die Landverpachtung an die Investorengruppe für Windkraftanlagen.
Wieviel Geld man denn für die Verpachtung der Fläche bekomme, wollte der stellvertretende Ortsbürgermeister Bornhausens, Hans-Walter Pallinger, wissen. Hierauf bekam er von Kirsten Becker erwartungsgemäß keine Antwort. Über Geld spricht man nicht. Aber sie versicherte, dass sowohl das Unternehmen als auch die Landwirte in die Windenergie investieren würden, weil sich das auszahle.
„Letztendlich schlagen wir Dinge vor, die von der Politik nun verabschiedet werden müssen“, erklärte Kirsten Becker abschließend mit Blick auf den Zweckverband. Sie wies außerdem daraufhin, dass die Bürger Seesens mit einem Bürgerwindrad oder einem Windsparbrief an dem Großprojekt partizipieren könnten.
Im Laufe des kommenden Jahres wird eine Endversion der Pläne vom Zweckverband erwartet. Dann erfolgt das Genehmigungsverfahren beim Land Niedersachsen. Auch die Träger öffentlicher Belange müssen vorher noch gehört werden.
Bis die ganzen Gutachten, beispielsweise zur Frage, inwiefern die Windräder für Großvögel gefährlich werden könnten, fertig sind, wird noch viel Zeit vergehen. Ausgleichsflächen müssen zudem ausgewiesen werden und vieles mehr. Das alles dauert seine Zeit, so dass frühestens 2016 mit der Errichtung der Anlagen bei Bornhausen gerechnet werden kann. Wer sich am Ende freuen kann, das ist jetzt noch völlig ungewiss.