Überfahrene Erdkröten bitte zählen und melden

Der Froschlurch des Jahres 2012 zählt zu den häufigsten Amphibienarten in Deutschland. (Foto: NABU)

Bei einer bundesweiten Aktion des NABU soll ermittelt werden, wie viele Kröten auf den Straßen sterben müssen

Hannover (bo). Die Erdkröte – Froschlurch des Jahres 2012 – zählt zwar zu den häufigsten Amphibienarten in Deutschland. Allerdings wird sie bereits im Bundesnaturschutzgesetz als besonders geschützte Art aufgeführt, und die Bestände sind durch verschiedenste Gefährdungsfaktoren rückläufig. Größte Gefahr liegt in der Lebensraumzerschneidung durch Straßen, wo unzählige Erdkröten jedes Jahr auf ihrer Laichwanderung ihr Leben verlieren.
Der NABU Bundesfachausschuss und der NABU Niedersachsen starten nun einen Meldeaufruf, um die tatsächliche Anzahl der vermutlich tausend Straßenopfer zu ermitteln. Hierfür steht auf der Seite www.amphibienschutz.de ein Meldeformular bereit, das auch mit Smartphones aufgerufen werden kann. Um ein möglichst genaues bundesweites Ergebnis zu erhalten, bittet der Naturschutzbund jeden um Mithilfe, der überfahrene Erdkröten sieht, diese zu zählen und anschließend zu melden.
Im Rahmen der Aktion „Lurch des Jahres 2012“ möchte der Bundesfachausschuss Feldherpetologie und Ichthyofaunistik (Amphibien, Reptilien und Fische) ermitteln, wie viele Erdkröten in einer Laichperiode auf ihren traditionellen Wanderungen auf den Straßen sterben müssen. Zum Sinn der bundesweiten Aktion teilte Sascha Schleich, Sprecher des Bundesfachausschusses, mit: „Mit einer aussagekräftigen Straßenopferanzahl kann der Naturschutzbund nicht nur die Behörden zu erhöhten Anstrengungen im Amphibienschutz an Straßen auffordern, sondern auch seine eigenen Aktivitäten lenken!“
Sascha Schleich, erklärte: „Jedes Jahr im Frühjahr, wenn die nächtlichen Temperaturen zweistellige Grade erreichen, erwachen die Amphibien aus ihrer Winterruhe und machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Die Erdkröten unternehmen meist in größerer Anzahl diese Wanderungen zu ihren Geburtsgewässern. So kann es vorkommen, dass in einer Nacht mehrere hundert bis tausend Erdkröten Straßen, die ihren Lebensraum zerschneiden, überqueren müssen. Je nach Wetterlage, dauert die Amphibienwanderung zwischen wenigen Tagen bis zu vier Wochen.“
„Zum Schutz vor dem Straßenverkehr werden an einigen stark betroffenen Stra­ßenabschnitten Amphibienschutzzäune aufgestellt. Diese Zäune halten die Amphibien davon ab, die Straßen zu überqueren. Meist ehrenamtliche Naturschützer, aber auch anderer Umweltverbände sammeln so Nacht für Nacht die Tiere an den Zäunen, um sie sicher in Eimern auf die andere Straßenseite zu tragen. An stark befahrenen Straßenabschnitten, an denen solche Schutzzäune und ehrenamtlichen Hände fehlen, finden die Amphibien in großer Anzahl den Straßentod. Nicht nur das Überfahren mit dem Autoreifen ist tödlich, sondern auch die Druckluft, die bei Geschwindigkeiten von über 30 Stundenkilometer entsteht, kann die Tiere beim Vorbeifahren töten“, so der Amphibienexperte weiter.
Seit einigen Jahren betreut der NABU Bundesfachausschuss bereits eine Schutzzaundatenbank. In dieser öffentlichen Datenbank wird ein Großteil der Schutzzäune in Deutschland im Rahmen der jährlichen Laichwanderungen gelistet und dargestellt. Zusätzlich lassen sich weitere Zauninformationen sowie die Zahlen der geretteten Amphibienarten eingeben und abrufen.
Weitere Informationen zu der Erdkröte und dieser Aktion findet man im Internet unter www.amphibienschutz.de.